„Viel zu viele reden mit und rein“

Egelsbach ‐ Mehr als ein paar Tage Weihnachtsfrieden waren offenbar nicht drin: Der Knatsch um die Seniorenarbeit geht weiter – Auslöser ist handfeste Kritik an der Gestaltung der Ausflugsfahrten. Sie kommt von der Heimleitung des Roten Kreuzes und basiert auf Schilderungen bitter enttäuschter Fahrtteilnehmer des Betreuten Wohnens an der Lutherstraße. Von Holger Borchard

Die Vorzeichen fürs erste Jahrestreffen der Seniorenvertretung vorige Woche standen auf eitel Sonnenschein, immerhin hat die Gemeindevertretung das Ende 2010 drohende Aus der gemeindlichen Seniorenarbeit abgewendet. Die Stimmung im neunköpfigen Gremium passte freilich zum Wetterbericht: hart am Gefrierpunkt. Ursache ist ein DRK-interner Bericht über den Gemeindeausflug nach Amorbach und Klingenberg Ende Oktober.

Der war für Personen mit körperlichen Einschränkungen alles andere als ein Vergnügen. So steht es in der dreiseitigen „Manöverkritik“ zu lesen, die die Betreuerin der Teilnehmer aus dem Betreuten Wohnen für DRK-Heimleiterin Jana Einert verfasst hat. Schlimmer noch als objektive Ärgernisse wie Kopfsteinpflaster oder das Fehlen einer behindertengerechten Toilette im Ausflugslokal sei freilich die subjektiv registrierte Feindseligkeit gegenüber ihren Schützlingen, schreibt die Betreuerin ihrer Chefin. Das beginne beim „Ringen um Plätze in Bus und Lokal“ und reiche von „unfreundlichen Blicken und Motzereien“ bis hin zu Anfeindungen. Fazit: „Wenn es bei Ausflügen der Gemeinde so läuft, möchten unsere Damen in Zukunft lieber alleine eine Fahrt planen.

„Es ist alles so eingefahren“

Starker Tobak – der im Übrigen nicht durch Indiskretion öffentlich wurde. Die DRK-Heimleiterin hat den Bericht ans Rathaus weitergeleitet. Aus gutem Grund, wie sie betont. Dass die Darstellung ihrer Mitarbeiterin korrekt ist und Konsequenzen haben muss, steht für Einert außer Frage: „Ich bin vor vier Jahren unvoreingenommen aus Baden-Württemberg hierher gekommen, aber das sind genau meine Erfahrungen. Abwehrhaltung und Gruppenbildung lassen Gemeinschaft sehr schwer aufkommen. Unsere Bewohner fühlen sich oft unwillkommen, so auch beim Seniorensport.“ Was Einert besonders ärgert: „Man könnte viel mehr machen, aber alles ist so eingefahren. Da geht vieles den falschen Dienstweg und vor allem reden viel zu viele mit und rein.“

Mitarbeiterin beklagt einseitige Darstellungsweise

Die Seniorenarbeiterin der Gemeinde, Uschi Meichsner, fällt aus allen Wolken. „Als Erstes muss ich sagen, dass mich bisher vom DRK niemand darauf angesprochen hat. Warum?“ Die Darstellung sei einseitig und „nach dem, was ich erlebt habe, in Teilen schlicht falsch“, so Meichsner. Vor allem aber sei sie von der Zielsetzung her fatal. „Organisatorische Probleme löst man, indem man sie benennt und bespricht. Geht es hier wirklich um Klärung oder soll da Politik gemacht werden? Jetzt geht mir ein Licht auf, wo die CDU die Nahrung findet, um ständig Krümel in der Seniorenarbeit zu suchen.

Anmaßend und ein Schlag ins Gesicht für ehrenamtlich engagierte Senioren“ sei das, was das DRK da vorbringe, so die Vorsitzende der Seniorenvertretung, Liesel Lorenz. „Haben wir jahrelang für ein Seniorenheim gekämpft, um seine Bewohner auszugrenzen? So ein Schwachsinn!“

Bürgermeister stellt sich vor Mitarbeiterin

Bürgermeister Rudi Moritz stellt sich vor seine Mitarbeiterin, kündigt allerdings Aufklärung an. „Ob und wie Senioren miteinander warm werden, kann nicht Thema der Verwaltung sein, alles andere klären vernünftige Menschen in einem ruhigen Gespräch, ohne dass man ein Politikum daraus macht.

Und siehe da: Der Termin für den „Krisengipfel“ steht bereits: Am Mittwoch, 20. Januar, soll mit- statt übereinander gesprochen werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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