Vogelschutz- und Zuchtverein Egelsbach

Der leise Abschied des Vogelfreundes

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Bernd Brahm zeigt den Kindern der NABU-Gruppe die Besonderheit der Schleiereulenfedern. Es war seine letzte Führung durch die Vogelpflegestation.

Egelsbach - Vorsichtig greift Bernd Brahm in die Bruthöhle des Schleiereulenpaares und holt ein vor einer Woche geschlüpftes Jungtier heraus. Dann ein weiteres und noch eines, am Ende sind es vier junge Schleiereulen, die er den Kindern der NABU-Gruppe zeigen will. Von Leo F. Postl

Neugierig blicken die jungen Besucher vom Naturschutzbund in das Behältnis mit den Jungtieren. „Oh, wie süß . . . aber die sind ja richtig hässlich“, so die ersten Reaktionen. Dann holt Bernd Brahm die Mutter der Jungtiere aus der Voliere und alle sind erstaunt. „Und diese hässlichen kleinen Dinger sollen einmal auch so schön werden“?, prasseln dem Schleiereulenbetreuer weitere Fragen entgegen. „Ja, die werden einmal alle so schön und vor allem können die dann völlig lautlos fliegen“, versetzt Brahm die Kinderschar in Erstaunen.

Anhand des ausgebreiteten Flügels zeigt er den Kindern auch, warum. „Jede einzelne Feder ist mit Tausenden von kleinen Federchen besetzt“, so der Vogelschützer. Der lautlose Flug ist nötig, damit die beliebteste Beute der Schleiereulen, nämlich Mäuse, den Anflug der Raubvögel in der Dunkelheit nicht hören kann. Bernd Brahm führt die Jugendgruppe weiter über das Gelände des Vogelschutz- und Zuchtvereines Egelsbach, zeigt ihnen die verletzten Eichelhäher, Mauersegler und Falken, die wieder aufgepäppelt werden. So an die 200 Vögeln pro Saison hat Bernd Brahm über viele Jahre hinweg das Leben gerettet. „Das macht ganz schön viel Arbeit, denn Jungvögel müssen alle zwei bis drei Stunden gefüttert werden – auch in der Nacht“, erklärt Brahm den Kindern.

Der Vogelretter ist mittlerweile weit über die Grenzen von Egelsbach hinaus bekannt. So erreichen ihn Hilferufe aus Offenbach genauso wie aus Frankfurt oder Heidelberg. Im vergangenen Jahr wurde Bernd Brahm für seine aufopfernde Tätigkeit für den Vogelschutz mit dem Umweltpreis des Kreises Offenbach ausgezeichnet.

„So, liebe Kinder, das war meine letzte offizielle Führung, die habe ich extra noch einmal für euch gemacht“, meint Bernd Brahm zum Abschluss des Rundgangs. Der 71-Jährige, der zu den Gründern des Vogelschutz- und Zuchtvereins Egelsbach zählt, will nun etwas kürzertreten. Wobei: „Ich will nicht, ich muss, den mein Kreuz macht nicht mehr mit“, nennt Brahm einen der Gründe.

Soweit es seine Gesundheit zulässt, will er dennoch dem Verein mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Ich muss mein Amt als Auffangstation abgeben, denn ich will nicht, dass ich plötzlich selbst nicht mehr kann und möglicherweise Tiere, die bei mir in Pflege sind, dann nicht mehr ordentlich versorgt werden“, so Bernd Brahm über seine Beweggründe. Seine Arbeit wird jetzt vom Vorstandsteam fortgeführt.

Natürlich freut sich der Vogelschutz- und Zuchtverein über neue Helfer; Kontakt unter der Nummer 06103/204171 – der Anruf wird an den Bereitschaftsdienst weitergeleitet. In Kürze soll auch die neue Homepage „online“ gehen. Wer sich über die Arbeit des Vereins informieren will, kann das auch beim Grillfest samt Tag der offenen Tür am Samstag, 6. Juli, ab 15 Uhr sowie Sonntag, 7. Juli, von 10 bis 17 Uhr. Geboten werden Kaffee, Kuchen, Gegrilltes, alkoholische und alkoholfreie Getränke.

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