FLUGZEUGUNGLÜCK Schwierige Aufgabe: Fachleute suchen nach Absturz mit drei Toten noch immer nach der Ursache

Vom vorgeschriebenen Kurs abgewichen

Egelsbach/Erzhausen – Die Ursachensuche nach dem schweren Flugzeugabsturz in einem Spargelfeld bei Erzhausen nahe dem Egelsbacher Flugplatz, bei dem am 31. März alle drei Insassen ums Leben gekommen waren, gestaltet sich schwierig. VON MARKUS SCHAIBLE

„Aufgrund des hohen Zerstörungsgrades des Wracks war eine technische Untersuchung nur eingeschränkt möglich“, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig, die mit der Aufarbeitung betraut ist. Allerdings scheint der Pilot nicht auf der vorgeschriebenen Anflugroute unterwegs gewesen zu sein.

„Wir sind noch weit davon entfernt, die Ursache benennen zu können“, sagte BFU-Untersuchungsführer Jens Friedemann gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Dies werde erst mit dem Abschlussbericht erfolgen, der „hoffentlich innerhalb eines Jahres fertig ist“. Aktuell seien auch noch nicht alle benötigten Materialien vorhanden. So liege das detaillierte Obduktionsergebnis der Leichen noch nicht in Braunschweig vor, so Friedemann: „Ein paar Sachen fehlen noch.“

Die Maschine vom Typ Epic LT verfügte weder über einen Flugdatenschreiber noch über ein Aufnahmegerät für die Cockpit-Gespräche. Die Displays im Cockpit einschließlich der Speicherkarten waren zerstört. Dafür kann die BFU auf etliche andere Informationsquellen zurückgreifen. Neben Aufnahmen des Funkverkehrs zwischen dem Piloten und dem Tower in Egelsbach sowie Radaraufzeichnungen gibt es Zeugenaussagen (sowohl von Spaziergängern als auch von anderen Piloten) sowie ein Video eines Passanten. Auf diesem ist der Schatten der Maschine zu sehen, zudem sind gleichmäßige Triebwerksgeräusche sowie der Aufprall zu hören.

Laut den Zeugen befand sich das in Cannes gestartete Flugzeug beim Landeanflug in einer Linkskurve, als es über die Tragfläche abkippte und nach etwa einer halben Umdrehung nahezu senkrecht auf den Boden aufprallte. Dabei und bei dem anschließenden Brand wurde das Wrack fast vollständig zerstört.

Das Feuer und speziell die Tatsache, dass die Maschine aus Kunststoff bestand, machen der BFU die Arbeit nicht leichter, erklärt Friedemann. Bei Flugzeugen aus Metall bleibe einfach „mehr übrig“. Zudem könnten bei Kunststoff aufgrund gesundheitsgefährdender Fasern die Untersuchungen vor Ort nur in entsprechender Schutzkleidung erfolgen.

Bei dem Absturz starben die 55 Jahre alte russische Geschäftsfrau Natalija Filjowa (mit einem geschätzten Vermögen von 500 Millionen Euro eine der reichsten Frauen in Russland), ihr 81 Jahre alter Vater und der 53-jährige Pilot. Er stammte ebenfalls aus Russland und verfügte über die erforderlichen Lizenzen und Tauglichkeitsnachweise. Er hatte eine Gesamtflugerfahrung von fast 11 500 Stunden, davon 676 als verantwortlicher Pilot auf der Epic LT.

Auf einer Karte im Zwischenbericht ist allerdings zu erkennen, dass der von ihm an dem Sonntagnachmittag gewählte Anflugkurs auf den Egelsbacher Flugplatz deutlich von den Vorgaben der Sichtflugkarte abweicht. Ob dies zu dem Unglück beigetragen hat, ist unklar. BFU-Fachmann Jens Friedemann will dazu noch keine Einschätzung abgeben. Das zu klären sei nun Aufgabe bei den weiteren Untersuchungen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare