Bürgermeisterwahl Egelsbach

Hausbesuch bei Bürgermeisterkandidat Tobias Wilbrand

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Tobias Wilbrand und Frau Pilar im heimischen Wohnzimmer. Dass Frau und Kinder die Kandidatur des Papas ohne Wenn und Aber unterstützen, habe ihn selbst ein wenig baff gemacht, räumt der „Menschen-Berater“ ein.

Egelsbach - Am Sonntag, 18. Februar, wählt Egelsbach einen neuen Bürgermeister. Im Vorfeld hat die Redaktion Orientierungshilfen zu den Bewerbern und deren Vorstellungen geboten. Den Informationsreigen beschließen Hausbesuche bei den Kandidaten. Von Sina Beck 

Heute sind wir bei Tobias Wilbrand (Grüne) zu Gast. Wo andere es in der Schule gehasst haben, Referate zu halten, stand Tobias Wilbrand gerne vor der Klasse. Daran hat sich bis heute nichts geändert, der überzeugte Grüne kann und will auch im politischen Betrieb kein Hinterbänkler sein. Als Bürgermeisterkandidat zieht es ihn sogar an die vorderste Front.
Selten kommt es vor, dass ein Mann seiner Frau in puncto Redegewandtheit in nichts nach steht. Doch mit Worten weiß Wilbrand umzugehen, schließlich ist die Kommunikation das Steckenpferd des selbstständigen Personalentwicklers. In Königstein mit vier jüngeren Schwestern aufzuwachsen, mag diesbezüglich durchaus prägend gewesen sein. Ebenso wie der Umstand, Sohn eines Ärzte-Paares zu sein: Vernunftgeleitet begann Wilbrand nämlich ein Medizinstudium – obwohl er sich vielmehr für die Philosophie begeisterte. „Das Warum hat mich eigentlich mehr interessiert als das Wie.“

Da Wilbrand, der Student, zu dieser Zeit ohnehin von seinen Kommilitonen zum „Party-Psychologen“ und Kummerkasten ernannt wurde, lag es nahe, das Medizinstudium abzubrechen und stattdessen Psychoanalyse zu studieren. Plus vergleichende Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Buddhismus. „Ich habe aufgehört zu rauchen und Fleisch zu essen und dafür mit Yoga angefangen“, erinnert er sich schmunzelnd an die kurzzeitige Lebensveränderung zurück. Was ist vom Studium geblieben? Bis heute interessieren ihn Kulturen und versteht sich der 46-Jährige als „Menschen-Berater“ – und ein Organisationstalent ist er obendrein.

Das kommt allerdings nicht von ungefähr, denn während er unterwegs ist, um Seminare zu geben, schwebt seine Frau Pilar Peña als Flugbegleiterin irgendwo über den Wolken. Spätestens als 2001 ihr Sohn zur Welt kam und vier Jahre später noch eine Tochter folgte, galt es, die vierköpfige Familie entsprechend zu koordinieren. „Nicht nur die beruflichen Termine abzustimmen ist herausfordernd, sondern vor allem die Erziehung. Man muss sich immer gegenseitig auf dem Laufenden halten.“ Im Gegenzug aber hatte Wilbrand die Gelegenheit, viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Bilder: Kerb in Egelsbach

Daran, dass seine zwölfjährige Tochter am liebsten schon ausgiebig Wahlkampf für den Papa im Jugendzentrum machen würde, merkt man, wie der Tatendrang der Eltern sich vererbt hat. „Der Tag, an dem wir nichts mehr machen, ist der Tag, an dem wir unter der Erde liegen“, beschreibt es Pilar, die zusammen mit beiden Kindern für die Bürgermeisterkandidatur ihres Mannes Feuer und Flamme war. „Ich war offen gesagt etwas überrascht, dass sich alle drei sofort so dafür begeistert haben“, gibt der Kommunikationsfachmann zu.

Natürlich sind sich die vier Köpfe nicht bei jeder „Familienkonferenz“ so einig. Zieht es Tobias Wilbrand zum Campen und Kanufahren, geht zumindest seine Frau in den Streik. Dann lieber der traditionelle Sommerurlaub in ihrer spanischen Heimat. Apropos Heimat: Erst seit 2008 darf sich der Bürgermeisterkandidat Egelsbacher nennen. Grün hingegen war Wilbrand eigentlich schon immer. Deshalb kam für den Bauplatz im Brühl dann auch nur ein Passivhaus für ihn infrage.

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