Angst vor Ansteckung beim Einsatz

„Waren viel zu lange ungeschützt“: Feuerwehr kritisiert späte Corona-Impfungen

Feuerwehr (Symbolbild)
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Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Egelsbach hätten gerne schon zur zweiten Priorisierungsgruppe für die Corona-Schutzimpfung gehört. (Symbolbild)

Seit Freitag können sich in Hessen Feuerwehrleute zur Corona-Impfung anmelden. Die Erleichterung groß. Zugleich kritisieren die Brandbekämpfer den späten Zeitpunkt.

Egelsbach/Langen – Die Entscheidung löst bei Christian Klöppel gemischte Gefühle aus. Seit vergangenem Freitag kann sich in Hessen nun auch die dritte Priorisierungsgruppe für die Corona-Schutzimpfung anmelden. Dazu gehören zum Beispiel Über-60-Jährige, Angestellte des Lebensmitteleinzelhandels – und eben auch Klöppel und seine Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Egelsbach. „Wir sind echt froh darüber“, sagt der Gemeindebrandinspektor. „Aber es kommt auf jeden Fall zu spät.“

Klöppel hätte sich gewünscht, dass seine Einsatzkräfte ebenfalls zur zweiten Gruppe gehören. „Wir waren viel zu lange ungeschützt“, kritisiert er. Er wolle keiner der bisher berechtigten Gruppen – Polizisten, Lehrer, Pflegepersonal oder Mitarbeiter von Rettungsdiensten etwa – den Impfbedarf absprechen, das ist ihm wichtig zu betonen. „Das ist völlig in Ordnung“, betont Klöppel. „Aber wir Feuerwehrleute machen das alles ehrenamtlich, stehen mitten in der Nacht auf und riskieren zum Teil sogar unser Leben. Und dann stehen wir ungeimpft neben dem geimpften Rettungsdienst. Wir fühlen uns ein bisschen im Stich gelassen.“

Der Freiwilligen Feuerwehr Egelsbach fehlt wegen der Corona-Krise das Personal

Die Freiwillige Feuerwehr Egelsbach muss seit einem Jahr auf fünf Mitglieder verzichten, da diese vorerkrankt sind oder Risikopatienten in der Familie haben – und ihnen das Risiko, sich bei einem Einsatz mit dem Coronavirus zu infizieren, zu hoch ist. „Das Personal fehlt einfach“, sagt Klöppel. Geimpft seien bisher nur zwölf von 60 Feuerwehrleuten, berechtigt waren sie durch Vorerkrankungen oder ihren Beruf. Beim Rest herrsche mittlerweile ein deutlicher Unmut, berichtet der Gemeindebrandinspektor. „Im Einsatz können wir jederzeit mit positiven Patienten in Kontakt treffen, ohne es zu wissen.“

So mussten die Egelsbacher Wehrleute beispielsweise im Februar zu sechst eine Frau ein enges Treppenhaus hinunter tragen. „Dabei waren die Abstände überhaupt nicht einhaltbar“, erzählt Klöppel. Bei Verkehrsunfällen würden die Verletzten auch meistens keine Maske tragen. „Und Abstand halten bei der Behandlung geht natürlich nicht.“

Gemeinde stellt Feuerwehr Corona-Schnelltests zur Verfügung

Um sich so gut es geht zu schützen, tragen alle Einsatzkräfte FFP2-Masken, auch die Zahl der Personen, die zusammen in einem Fahrzeug sitzen dürfen, wurde begrenzt. Dazu stellt die Gemeinde der Feuerwehr Corona-Selbsttests zur Verfügung. „Aber wenn sechs, sieben Mann zusammen in einem Fahrzeug sitzen und einer positiv ist, dann müssen alle in Quarantäne. Und wenn das zweimal passiert, kann ich die Einsatzfähigkeit vielleicht nicht mehr garantieren“, sagt Klöppel. Immerhin: Der Kreis Offenbach habe allen Egelsbacher Feuerwehrleuten angeboten, sie nun vorzuziehen, damit sie noch für diese Woche einen Termin im Impfzentrum in Heusenstamm vereinbaren können. Das wollen auch die meisten annehmen: „Bei uns sind bestimmt 95 Prozent impfwillig“, so Klöppel.

Bei der Feuerwehr Langen ist die Erleichterung ähnlich groß. „Gott sei Dank! Ich bin froh, dass wir in absehbarer Zeit durchgeimpft sein werden“, sagt Stadtbrandinspektor Frank Stöcker. Auch bei den Langener Einsatzkräften sei die Impfbereitschaft „relativ hoch“. Doch auch Stöcker betont: „Etwas früher wäre schön gewesen.“ Bei der Patientenrettung mussten die Feuerwehrleute schon mehrfach schwer kranke Personen aus Gebäuden befreien, bei denen Covid-19-Verdacht bestand. „Wir kommen immer wieder damit in Berührung“, betont Stöcker. Vier seiner Kameraden lassen derzeit wegen Vorerkrankungen oder wegen ihres Alters die ehrenamtliche Arbeit bei der Feuerwehr ruhen. „Das ist verständlich“, sagt der Stadtbrandinspektor.

Freiwillige Feuerwehr: Keine gemeinsamen Übungen wegen Corona-Krise

Auch gemeinsame Übungen konnte die Feuerwehr seit Wochen nicht mehr abhalten. „Alle Zusammenkünfte außerhalb der Einsätze sind untersagt“, erklärt Stöcker. Man habe deshalb auf eine Online-Ausbildung umgestellt. „Aber gewisse Handgriffe oder das Arbeiten mit Atemschutz kann man so natürlich nicht simulieren.“ Stöcker hofft, seine Einsatzabteilung nach den Impfungen wieder mit „richtigen“ Übungen auf den Ernstfall vorbereiten zu können. Bald könnte es so weit sein: Auch die Langener haben vom Kreis das Angebot bekommen, sich in den nächsten Tagen impfen zu lassen. (Manuel Schubert)

Während die Feuerwehr in Egelsbach eine brennende Gartenhütte löscht, vergreifen sich Jugendliche an ihrer Ausrüstung. Die Polizei ermittelt.

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