Weltumrundung für die Bildung

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Ready for take off: Gestern Mittag starteten Reiner Meutsch (links) und sein Co-Pilot Arnim Stief zu ihrer elfmonatigen Weltumrundung. Sie wollen rund 100 000 Flugkilometer zurücklegen und in 77 Ländern landen.

Egelsbach ‐ In den nächsten elf Monaten wollen Reiner Meutsch und Arnim Stief in ihrer zweimotorigen Piper 100.000 Kilometer zurücklegen, mehr als 100 Länder überfliegen und in 77 Ländern landen. „So ist jedenfalls der Plan. Von Cora Werwitzke

Wie es nachher kommt, werden wir sehen“, macht sich Meutsch keine Illusionen: „Die Weltumrundung im Privatflieger ist ein Abenteuer – keine Frage – doch zugleich Hilfsprojekt und Herzenswunsch.“

Im vergangenen Jahr verkaufte Meutsch, der auch die RPR1-Radiosendung „Mein Abenteuer“ moderiert, sein Touristikunternehmen und gründete die Stiftung „Fly & Help“, mit der er in den nächsten 20 Jahren weltweit 100 Hilfsprojekte realisieren will. Fünf Projekte – in Ruanda, Indien, Indonesien, Brasilien und Grönland – unterstützt die Stiftung derzeit. Im Kern geht es immer um eines: „Das Thema Bildung liegt mir sehr am Herzen. In vielen Begegnungen haben mir Menschen geschildert, wie ihr Leben mit einer schulischen Bildung eine positive Wende erfuhr“, erzählt Meutsch, der bereits beruflich viele Winkel der Welt bereiste.

Wichtig: Die Planung der Tankstopps

Jetzt will er sich mit seinem in Egelsbach arbeitenden Co-Piloten Arnim Stief über den Stand der Hilfsprojekte informieren und neue initiieren. „Menschen aller Couleur zu treffen – das ist wunderbar“, freut sich Meutsch. Dass wohl nicht alles „wunderbar“ und immer wie am Schnürchen laufen wird, ist dem Flieger-Duo klar: „Die Spielregeln der Fliegerei werden sicherlich anderswo ausgedehnt“, vermutet Stief. „Wir haben eine Box mit abgezähltem Kleingeld in Euro und Dollar dabei. Denn ohne eine kleine Aufmerksamkeit landen oder starten zu dürfen, können wir in einigen Ländern sicher abhaken“, ergänzt Meutsch. Generell seien einige Gegenden recht exotische Ziele für die Privatfliegerei: „Unsere Reiseroute dürfte ziemlich einmalig sein“, meint der 54-jährige Pilot.

Zu den Vorbereitungen zählten vor allem die Organisation der Überflug-, Lande- und Startgenehmigungen für jedes Land sowie die Planung der Tankstopps. „Meine eigene Piper fliegt mit einem Treibstoff, der nicht weltweit ohne Weiteres erhältlich ist. Vor zwei Monaten sahen wir ein, dass wir dadurch mit zu vielen Schwierigkeiten rechnen müssen, schmissen alle Planungen über den Haufen und haben jetzt eine ausgeliehene Piper mit Kerosintank“, erzählt Meutsch.

Vor 35 Jahren das Fliegen gelernt

Die eigene Belastungsfähigkeit stellte der Ex-Manager in einem Überlebenscamp, durch Höhentraining in den Alpen, 17-fache Impfungen und beim Marinefliegergeschwader Nordholz auf die Probe: „Die Marineflieger simulierten einen Flugzeugabsturz über dem Meer. Das Ganze fand in einer Halle statt. Teilweise saß ich kopfüber im Flugzeug – unter Wasser“, erzählt der Pilot, der seit fünf Jahren im Cockpit sitzt. Er sei selten so fix und fertig gewesen wie nach diesem Training.

Co-Pilot Stief überlässt seine Egelsbacher Firma „N-flights“ in den nächsten Monaten seinen Kollegen: „Ich kenne die Fliegerei nur sehr zweckgebunden: irgendwo hinfliegen, wenden, wieder zurückfliegen. Aber loszufliegen und irgendwann auf der andern Seite der Erde wieder aufzutauchen, ist vollkommen neu – und sehr verlockend.“ Vor mehr als 35 Jahren lernte der heute 56-Jährige in Egelsbach das Fliegen, ist heute Fluglehrer und überführt hauptberuflich Flieger in alle Erdteile.

Am Freitag stellten die beiden ihr Vorhaben in Egelsbach vor, gestern dann begann das Abenteuer mit dem Start auf dem Siegerland-Flughafen. Die Piper Cheyenne ist nicht nur mit Gepäck und notwendigen Utensilien vollgestopft, sondern auch mit reichlich Geschenken für Kinder sowie Spendenchecks für die Hilfsprojekte. Hinzu kommen einige Extras: vom Rettungsboot über Astronautenkost und Kälteanzügen bis hin zu Glücksbringern.

Das Piloten-Duo ist gut vorbereitet und auf holprige Abenteuer gefasst: „Wenn man Bedenken hat, etwas Neues und Unbekanntes kennenzulernen, bleibt man besser zu Hause“, sagt Stief.

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