Im Westen Egelsbachs:

Gewerbe weg, Wohnungen her

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Mehr als 40 Einfamilienhäuser, mehr als 100 Stellplätze, Begrünung sowie ein Spiel- und Grillplatz: So könnte nach Vorstellung des Investors die künftige Wohnbebauung im Bereich „Auf der Trift West“ aussehen. Ein Diskussionspapier, das der Gemeindevorstand der Gemeindevertretung vorlegt – „mit der Bitte um Zustimmung, aber in jeder Hinsicht ergebnisoffen“, betont der Bürgermeister.

Egelsbach - Überwiegend brach liegende Gewerbefläche im Egelsbacher Nordwesten soll Wohngebiet werden. Das ist das Ziel einer Vorlage des Gemeindevorstands, die am Dienstag im Bauausschuss der Gemeindevertretung erstmals diskutiert wird. Von Holger Borchard 

Ein Plan sagt mitunter mehr als tausend Worte – um was es geht, lässt sich aus der nebenstehenden Skizze entnehmen: Der Gemeindevorstand empfiehlt der Gemeindevertretung die Aufstellung eines Bebauungsplans für den westlichen Teil des Ortsgebiets. Dieser würde „Nummer 49 Auf der Trift West“ heißen und wäre mit Abschluss der Bauleitplanung die Grundlage für einen Bauträger, um zur Tat zu schreiten.

Der Bauträger – man ahnt es fast – scharrt bereits mit den Hufen. Es handelt sich um die grund-immobilien-bau-GmbH aus Stuttgart; in ihrem Auftrag hat ein Frankfurter Architekturbüro den nebenstehenden Plan zur Eingabe bei der Gemeindeverwaltung erstellt. Die in zwei Varianten vorgelegte Skizze bildet eine in drei (Zeit-)Abschnitte unterteilte Bebauung ab, mit 45 oder 48 Einfamilienhäusern, mehr als 100 Autoabstellplätzen, Begrünung sowie einem Spiel- und Grillplatz. Stand heute ist das freilich nicht mehr als Wunschdenken des Investors, dem etwa 70 Prozent der bezeichneten Flächen gehören.

Mit ihrem Wohnbaukonzept sind die Stuttgarter im vergangenen Jahr an die Gemeindeverwaltung herangetreten. „Die Geschichte hat inzwischen ein knappes Jahr Vorlauf, nun bringen wir sie in die Gemeindevertretung – und zwar in jeder Hinsicht ergebnisoffen“, sagt Bürgermeister Jürgen Sieling. Er persönlich erachte die Konversion von Gewerbe- zu Wohngebiet am westlichen Ortsende als sinnvoll. „Das dürfte den dort schon wohnenden Egelsbachern besser gefallen als Gewerbe in der Nachbarschaft und trägt in attraktiver Lage dem steigenden Wohnraumbedarf Rechnung.“ Vonseiten des Kreises Offenbach sei ebenfalls kein Störfeuer zu erwarten, hat laut Rathauschef eine Voranfrage ergeben.

Nach der Schaffung des Baurechts (bei Startschuss in diesem Jahr würde die Formalien das komplette Jahr 2019 in Anspruch nehmen) wäre die Ausführung an klare Festsetzungen zu knüpfen. „Mit dem Investor wäre ein städtebaulicher Vertrag über die Kostenträgerschaft des Verfahrens und aller Folgekosten zu schließen, wonach diese komplett der Investor trägt – die übliche Vorgehensweise“, betont Jürgen Sieling. Seine persönliche Einschätzung zur obigen Skizze mag er ebenfalls nicht verhehlen. „Mein erster Eindruck war: Die gewünschte Bebauung ist schon massiv. Aber so sind Investoren halt, egal, ob sie eine Grünfläche oder ein Parkdeck bebauen wollen.“ Konsequenterweise gehe er davon aus, „dass wenn eine Wohnbebauung im Bereich Auf der Trift gewünscht ist, diese in deutlich aufgelockerter Form realisiert wird“.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Zuletzt etwas Bauhistorie: Südlich der Straße „Auf der Trift“ ist in den 1950er-Jahren ein Kleinsiedlungsgebiet mit lockerer Wohnbebauung entstanden. Westlich davon hat sich das kleine Gewerbeareal entwickelt, das heute überwiegen brach liegt. Firmen wie Brandchemie oder Melk-Bälle sind Geschichte. Aktuell noch in dem Bereich ansässig sind die Firma DVS Eventtechnik sowie ein Recyclingunternehmen. „Ihr Bestandsschutz ist im Rahmen der Verträge mit der grund-immobilien-bau-GmbH gesichert, deren Mieter sie sind“, sagt Sieling. In den Geltungsbereich des künftigen Bebauungsplans mit aufgenommen werden sollen auch die Grundstücksstreifen, die das Wohngebiet aus den 50er-Jahren vom Gewerbegebiet trennen. Zu diesen zählt auch das Gemeindegrundstück 200/1, das der Vogelschutz- und Zuchtverein gepachtet hat.

Der Bauausschuss befasst sich am Dienstag, 24. April, ab 20 Uhr in öffentlicher Sitzung im Rathaus mit der Vorlage.

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