Wird NetJets der neue Herr am Flugplatz?

Egelsbach -  Wird der Geschäftsfliegerei-Konzern NetJets neuer Herr am Flugplatz Egelsbach? Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Hessischen Flugplatz-GmbH (HFG) sollen am morgigen Mittwoch grünes Licht für die Entscheidung geben, die den Betrieb des größten deutschen Verkehrslandeplatzes grundlegend verändern würde.

„Wir haben ausgehandelte Verträge zum 100-prozentigen Anteilserwerb durch NetJets vorliegen. Ich gehe fest davon aus, dass die Vertreter der fünf Gesellschafter sie vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Gremien befürworten werden“, formuliert HFG-Geschäftsführer Peter Lehmann klare Erwartungen. Zugleich bestätigt er, dass ein Einstieg der englischen Corovest Ltd. vom Tisch ist: „Unser einziger Verhandlungspartner ist NetJets, weil er ganz einfach das beste Paket zur Flugplatz-Entwicklung bietet.“ Der zum Imperium des US-Milliardärs Warren Buffett zählende Konzern will laut Lehmann bis 2015 gut 30 bis 40 Millionen in den Flugplatz investieren, um ihn zu seiner „Europa-Drehscheibe“ zu machen.

Die Politiker in Langen und Egelsbach gehen die HFG-Sitzungen derweil ähnlich und doch unter unterschiedlichen Vorzeichen an: „Es gab ein Infogespräch zwischen Magistrat und Fraktionsvorsitzenden“, sagt Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt, der die Stadt im HFG-Aufsichtsrat repräsentiert. „Eine Weisung zum Abstimmungsverhalten für unseren Vertreter in der Gesellschafterversammlung, Helmut Simon, resultiert daraus aber nicht.“

Anders in Egelsbach: Dort treffen sich heute Abend Gemeindevorstand und Fraktionschefs, um zunächst die Ausführungen eines Gutachters zu hören. Der heißt Dieter Faulenbach da Costa und steht unter anderem der Stadt Offenbach im Widerstand gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens zur Seite. „Er hat den Auftrag, Pro und Kontra von Privatisierung und Ausbau gegenüberzustellen“, sagt Bürgermeister Rudi Moritz. „Nach dem Vortrag inklusive Diskussion wird der Gemeindevorstand eine Abstimmungs-Weisung für unseren Vertreter in der Gesellschafterversammlung, Christian Jaensch, aussprechen“, kündigt der Rathaus-Chef an.

Wie die ausfallen sollte, steht für den Chef der Egelsbacher Grünen außer Frage: „Ich hoffe auf ein eindeutiges Signal, dass die Gemeinde nicht gewillt ist, ihre Anteile zu verkaufen“, sagt Harald Eßer. „Der Widerstand der Egelsbacher gegen den Ausbau wird immer größer“, betont Eßer und verweist auf einen Infoabend der Grünen mit mehr als 150 Besuchern in der vergangenen Woche.

Spreche sich die Gemeinde gegen die HFG-Pläne aus, biete der Flugplatz-Gesellschaftervertrag Handhabe, um den Einstieg eines Investors vorneweg bis 2011 zu verzögern, so Eßer. „Der Vertrag bestimmt, dass ein verkaufswilliger Gesellschafter seine Anteile erst den anderen Gesellschaftern anbieten muss. Die haben ab dem Ende des Jahres, in dem das Angebot erfolgt, eine einjährige Bedenkfrist.“ Danach folge ein Schiedsverfahren, das die Angelegenheit noch weiter hinauszögere. „Wenn die Gemeinde sich querstellt und auf Zeit spielt, geht für den Investor nichts“, gibt sich der Grünen-Chef zuversichtlich.

Peter Lehmann kennt den Passus – und ebenso einen Schlüssel zur Lösung dieses „Problems“: „Die Regelung zum Verkauf der Geschäftsanteile ist ein Teil des Pakets, das im Ganzen zur Abstimmung steht und letztlich ein einstimmiges Ja bedingt“, räumt der HFG-Boss ein. „Also muss der Gesellschaftervertrag dahingehend geändert werden, dass der Adhoc-Verkauf der Anteile an den Investor möglich ist.“

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