Mit Eier-Aktie den Birkenhof unterstützen

Wohnwagen für glückliche Hennen

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Wenn Arno Eckert die Hennen versorgt, hilft Enkelin Leonie (7) gerne mit. Die Bio-Eier des Egelsbacher Birkenhofs sind nicht nur angesichts des aktuellen Skandals sehr gefragt, sodass Eckerts nun ein zweites Hühnermobil anschaffen wollen.

Egelsbach - Bio-Eier, die gar keine sind, Betriebe, in denen tausende Hühner auf engstem Raum zusammengepfercht sind, Antibiotika-Rückstände, das Schreddern männlicher Küken und nun auch noch Fipronil: Skandale rund ums Ei gibt es regelmäßig. Von Markus Schaible

Doch es ist auch möglich, Tierschutz und leckeres Frühstücks-Ei unter einen Hut zu bekommen. Zum Beispiel mit der neuen Eier-Aktie des Egelsbacher Birkenhofs.
Wer ab und zu mal im Süden Egelsbachs unterwegs ist, hat es bestimmt schon mal gesehen: das Hühnermobil des Bio-Bauernhofs Birkenhof. Für die Familie Eckert ist diese Form der Haltung die bestmögliche Art, um Bio-Eier zu erhalten. Deshalb will sie nun ein zweites Mobil anschaffen – zur Anschubfinanzierung können Menschen beitragen, die eine der Eier-Aktien erwerben.

Dass die Werbekampagne für diese Aktie mitten in den aktuellen Skandal rund um Eier, die mit dem Insektengift Fipronil belastet sind, hinein kommt, ist Zufall (die Entscheidung war bereits zuvor gefallen), bringt aber zusätzliche Aufmerksamkeit, weiß Juniorchefin Annika Eckert. „Wir suchen Menschen, die für eine transparente Erzeuger-Verbraucher-Beziehung eintreten und der anonymen Discounter-Kultur etwas entgegensetzen möchten“, erklärt sie.

Lange waren die Eckerts auf der Suche nach einer geeigneten Haltungsform für ihre Hühner gewesen, bis sie 2013 erstmals auf das Hühnermobil aufmerksam wurden. „Hühner können nur etwa 20 bis 30 Meter weit sehen und bleiben deshalb zumeist unmittelbar in Stallnähe“, erläutert Annika Eckert. Folge: Der Auslaufbereich in der üblichen Freilandhaltung um den Stall herum werde massiv genutzt; Probleme der intensiven Freilandhaltung seien etwa Parasitenbefall und eine Überdüngung des Bodens. Weil die Freilandfläche oft gesperrt werden müsse, um einer Zerstörung der Vegetation vorzubeugen, stehe der Auslauf häufig nur theoretisch zur Verfügung.

Das Hühnermobil dagegen ist quasi ein Wohnwagen für Hennen; es bietet Futter, Wasser, Sitzstangen, Gemeinschaftslegenester, Sandbad und einen sicheren Platz für die Nacht. Alle 14 Tage wird diese Stalleinheit versetzt, die Hühner haben somit praktisch immer eine „jungfräuliche“ Auslauffläche in unmittelbarer Stallnähe. „Der Stall erfüllt bei entsprechender Belegung alle Anforderungen für die Erzeugung von Bio-Eiern“, sagt Annika Eckert.

Rund 225 Hennen leben im ersten Hühnermobil des Birkenhofs. Nun möchten Eckerts die Kapazität verdoppeln – und dabei Menschen beteiligen, die sich für Tier- und Umweltschutz einsetzen. Dazu entstand die Idee der Eier-Aktie. Wobei der Name, wie Annika Eckert erklärt, symbolisch gewählt ist: Denn die Aktie ist eigentlich ein Gutschein; ein Risiko für den Investor gibt es nicht.

Und so funktioniert es: Wer eine Aktie kauft, erhält zwei Jahre lang Bio-Eier vom Birkenhof: Für die Aktie „Klein“ gibt es 14-tägig sechs, für „Standard“ zehn Eier. Und wer die Premium-Version „Klassik“ kauft, kann sich gar wöchentlich zehn Eier im Hofladen abholen. Die Kunden begleiten darüber hinaus die Hennen durch die etwa 15 Monate dauernde Legeperiode: Zuerst gibt es S-, dann M- und am Schluss L-Eier. Und dann geht es wieder von vorne los. Sogar eine „Dividende“ wird ausgezahlt – in Form eines Suppenhuhns nach Ende einer Legeperiode. Wer zwischendrin in Urlaub ist, erhält seine Eier hinterher in Form von Nudeln, die Eckerts mit den Eiern herstellen lassen.

Eier vom eigenen Bauernhof: Hühner im Garten halten

Zwischen 170 und 510 Euro kosten die Aktien – die Eier damit zwischen 49 und 55 Cent. Annika Eckert weiß, dass dies angesichts des Preises beim Discounter viel Geld ist. Aber sie ist sich sicher, ausreichend Interessenten zu finden, schließlich sei die Nachfrage nach den Eiern im Hofladen auch jetzt schon groß und habe durch den aktuellen Skandal noch zugenommen.

Es seien mehrere Faktoren, warum die Menschen Birkenhof-Eier kaufen: Dazu zähle beispielsweise die Transparenz, da der Kunde genau nachverfolgen könne, woher die Eier stammen. „Die Menschen bekommen mehr Respekt vor dem Lebensmittel. Sie haben einen Bezug dazu, sie sehen die Hühner und identifizieren sich damit“, weiß Annika Eckert. So hätten eines Morgens, als sich beim vorhandenen Hühnermobil die Klappen nicht ordnungsgemäß öffneten, gleich mehrere Leute angerufen, weil die Hennen nicht draußen waren.

Der Preis der Eier ergebe sich aus einem deutlich höheren Arbeitsaufwand als bei einem festen Stall, erläutert sie. Auch seien Bio-Hühner in der Anschaffung deutlich teurer, ebenso das Futter.

Sobald sich 50 Aktionäre gefunden haben (sie decken die Anschaffungskosten ohne Hühner etwa zu einem Viertel), wollen Eckerts das Projekt starten. Und sie sind zuversichtlich, dass dies nicht allzu lange auf sich warten lässt. „Es läuft gut an“, freut sich Annika Eckert: „Es trifft die Zeit.“ 

Infos unter www.birkenhof-egelsbach.de.

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