Zweiter Aktionstag von Vereinen und Verbänden

Zeichen setzen für Naturschutz

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Bei Kindern das Verständnis für die Natur zu wecken, funktioniert bestens über Spiele und Basteleien.

Egelsbach - Die Premiere im vorigen Jahr war ein so großer Erfolg, dass rasch feststand: Auch 2018 werden die Naturfreunde Egelsbach/Erzhausen zum „Aktionstag Umwelt“ einladen. Von Paul Dieler 

Am Sonntag war es soweit – ein Dutzend Vereine und Verbände aus der Region sowie weitere im Naturschutz Aktive beteiligten sich mit Informationen und Mitmachangeboten. Zum zweiten Mal sind die Naturfreunde Gastgeber dieser Themenbörse rund um ihr Waldheim zwischen Flugplatz und Bruchsee. Information, Gespräche und Verweilen stehen für die erwachsenen Besucher auf dem Programm, der Nachwuchs kommt beim Spielen und Basteln auf seine Kosten. Dauerbrenner bei den Umweltschützern bleibt die fortschreitende Rodung des Langener Bannwalds.

In Zeiten wie diesen gehen den Aktivisten die Themen nicht aus. Zwölf Vereine aus Langen und Egelsbach, unter ihnen der Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) oder die Initiative „Langen gegen Atomkraft“, machen an ihren Ständen auf die wichtigsten Themen aufmerksam. Fledermauskästen und Insektenhotels bauen derweil am BUND-Stand die Kinder. „Mit solchen Aktionen wollen wir sie früh für die Umwelt begeistern“, sagt der Vorsitzende des BUND-Ortsverbands, Rainer Klösel.

Beim BUND etwa wurden „Ohrwurm-Hotels“, Fledermauskästen und Insektenhotels gebaut. Anti-Atomkraft-Aktivist Franz Scheidel tischte derweil Keks-AKW zum „Wegputzen“ auf.

Erstmals dabei sind der bekannte Pilzberater Dietmar Krüger und Wildkräuterexperte Peter Becker, der unter anderem Eis aus Springkraut anbietet. Das ist bei dem warmen Wetter ein echter Renner und spiegelt Beckers Philosophie wider, mit „invasiven Neophyten“ – eingewanderten Pflanzenarten – umzugehen. Der Mix aus Infos und leiblichem Wohl kommt an: „Schön, dass es hier so etwas gibt“, findet Astrid Elm aus Langen. „Wir kommen oft zum Naturfreundehaus.“ Besonders gefällt ihr die Arbeit des Waldpädagogen Jean Beetz. Der „Waldschrat“, wie er sich augenzwinkernd nennt, bietet Kurse und Ferienspiele unter Bäumen an.

Den neuen Ideen und der gewollten Geselligkeit zum Trotz bleibt die Bannwaldrodung ein zentrales Gesprächsthema. „Das Schlimmste daran ist die Verschlechterung des Grundwassers. Die Trinkwasserqualität wird schlechter werden, was sich auch in höheren Wasserkosten für die Bürger zeigen wird“, prophezeit Udo Rach vom BUND. Anders als per Klage, die der Landesverband derzeit gegen die Rodung der restlichen Waldgebiete vor dem Verwaltungsgericht Kassel führe, könne man sich trotz aller Proteste nicht helfen, so Rach.

Das Streitthema Kiesabbau beherrschte schon den ersten Aktionstag, woraufhin sich das „Aktionsbündnis Langener Bannwald“ aus verschiedenen lokalen Umweltverbänden und der Dreieicher Grünen-Fraktion bildete. „Kooperationen wie diese zu ermöglichen, ist auch ein Antrieb für unsere Veranstaltung“, sagt Naturfreunde-Sprecher Rainer Elsinger. „Vorher kannten wir uns nur flüchtig, seit vorigem Jahr herrscht nun intensiver Kontakt zwischen den ganzen Vereinen.“

Effektiv Müll vermeiden: So geht's

Ein weiteres Anliegen: die Sensibilisierung der Bevölkerung für einfache Wege, den Planeten weniger zu belasten. „Da fangen wir bei uns selbst an“, gibt der ehrenamtlich aktive Rentner zu. Elsinger berichtet vom „Klimafrühstück“, mit dem der Tag für die Mitglieder der Naturfreunde anfing: „Wir haben so gegessen, wie wir es immer tun und anschließend erklärte uns ein Berater, welche Auswirkungen unsere Lebensmittel auf das Klima haben.“ Es zeigte sich: „Selbst gestandene Naturfreunde greifen eher zur irischen Butter oder zu den perfekten Äpfeln aus Argentinien als zu den mitunter etwas schrumpeligen Exemplaren aus dem Vorgarten.“

Dass weite Transportwege ökologischer Wahnsinn sind, weiß auch Annika Eckert vom Egelsbacher Birkenhof. Dort baut sie mit der Familie ungespritztes Obst und Gemüse an – lokal und mit Bioland-Siegel zertifiziert. „Wenn wir noch lange auf der Erde leben wollen, müssen wir auf unsere Umgebung achten. Das fängt beim Essen an“, sagt sie. Reich werde man davon nicht. Aber wenigstens könne man dahinter stehen. Optimistisch ist Eckert dennoch: „Ich denke, es vollzieht sich im Moment ein Wandel in der Gesellschaft“. Hoffnung auf stärkere Repräsentation von Umweltanliegen in der Lokalpolitik macht sich auch Rainer Elsinger – „immerhin ist Egelsbachs neuer Bürgermeister ja ein Grüner ...“

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