Zukunft der Tierherberge

Klare Linie und ein Funken Hoffnung

Wie geht’s weiter mit der Tierherberge? Den Fellnasen vor Ort bleibt wie gehabt nicht mehr als die Statistenrolle.
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Wie geht’s weiter mit der Tierherberge? Den Fellnasen vor Ort bleibt wie gehabt nicht mehr als die Statistenrolle.

Egelsbach - Wird der April zum „Monat der Wahrheit“ für die Tierherberge? Während die Verantwortlichen im vom Abriss bedrohten Hundeheim am Rande des Flugplatzes im Gerichtsstreit mit Bau- und Veterinäramt des Kreises den ersten Schiedsspruch erwarten, dringen aus dem Dietzenbacher Kreishaus neue Signale an die Öffentlichkeit. Von Holger Borchard

Sie künden von Kompromisslosigkeit und wecken doch Hoffnung auf eine „Egelsbacher Lösung“.

Es war kein kleiner „Aufmarsch“, den ehrenamtlich Aktive und Unterstützer des Tier-Rettungsdienstes Frankfurt eine Woche vor Ostern vor der Kreisverwaltung in Dietzenbach inszeniert haben. Der geballte Protest von rund hundert Zwei- sowie zahlreichen Vierbeinern sollte der Behörde um Landrat Oliver Quilling (CDU) veranschaulichen, dass der Verein um sein Domizil für rund 70 Hunde kämpft und dabei von zahlreichen Tierfreunden nach Kräften und allemal moralisch unterstützt wird.

Was war die Demonstration wert?

Was diese Demonstration wert war, die in ein Gespräch des Tierherbergen-Vorstands mit Oliver Quilling und Erster Kreisbeigeordneter Claudia Jäger im Rahmen der üblichen Bürgersprechstunde mündete, bleibt abzuwarten. „Wir haben die Begegnung als durchaus freundlich, aber eben einmal mehr als unverbindlich, weil uns nicht wirklich weiterhelfend, empfunden“, fasst Tierherbergen-Sprecherin Cornelia Finkbeiner zusammen. Der Verein wollte insofern die Zeit über die Osterfeiertage nutzen, um sich „zu sammeln“, so Finkbeiner, und das weitere Vorgehen zu besprechen.

Das ist vor allem auf den für Mitte des Monats avisierten Schiedsspruchs am Verwaltungsgericht Darmstadt ausgerichtet. Dort steht der Verein bekanntlich nicht mehr nur der Bauaufsicht des Kreises gegenüber, sondern inzwischen auch dem Kreis-Veterinäramt. Letzteres hat den Dauerstreit um die Legalisierung der vor rund vier Jahrzehnten illegal im so genannten Außenbereich gebauten Hütten um den Vorwurf des gewerbsmäßigen Tierhandels erweitert. Nun hat Justitia das Wort, doch bis zu einem abschließenden Urteilsspruch wird noch längere Zeit vergehen. Aktuell geht es für den Tierrettungsdienst darum, im Eilverfahren die Auflösung im Sofortvollzug zu verhindern. Erster Schritt ist ein Vergleich zwischen Verein und Kreis. Dieser besagt, dass die Tierschützer bis auf weiteres keine neuen Hunde aufnehmen und im Gegenzug der Bestand bis auf weiteres Schutz genießt.

Unterredung zum Thema Tierherberge

Interessant klingt freilich, was sich rund um die Osterfeiertage im Kreishaus getan hat. Dort wurde unter anderem ein Anruf im Egelsbacher Rathaus getätigt und Bürgermeister Jürgen Sieling zu einer Unterredung zum Thema Tierherberge eingeladen. Die findet schon heute Nachmittag statt; mit welchem Tenor, ließen Kreishaus- und Rathaus-Chef offen, nur so viel: Man wolle sondieren, ob eine Lösung an anderer Stelle in Egelsbach möglich sei.

Das lässt der Fantasie einigen Spielraum – und kommt beim Tier-Rettungsdienst Frankfurt entsprechend positiv rüber: „Wir haben die Entwicklung der vergangenen Tage mit gewissem Erstaunen, aber natürlich auch sehr erfreut zur Kenntnis genommen“, sagt Cornelia Finkbeiner. „Bislang hat es sich für unseren Verein ja immer so dargestellt, dass hier in Egelsbach kein geeignetes Grundstück für uns vorhanden ist.“

Video: Tierherberge Egelsbach vor dem Aus

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Wer da wie an welchem Rad dreht, wo von Zauberhand ein geeignetes Areal auftauchen könnte und wie viel Optimismus zum jetzigen Zeitpunkt angezeigt scheint, steht auf einem anderen Blatt. Mit Blick auf die aktuellen Realitäten jedenfalls nimmt der Landrat kein Blatt vor den Mund: „Aus Sicht unserer Behörde hat die Tierherberge Egelsbach am jetzigen Standort keine Zukunft.“ Dort sprächen Bau- und Planungsrecht und der übergeordnete regionale Flächennutzungsplan eine unmissverständliche Sprache. „Am Flugplatz wird es keine Legalisierung geben“, bekräftigt Oliver Quilling. Abgesehen davon könne es beim besten Willen nicht sein, „dass man den Langmut, den unsere Behörden gegenüber der Tierherberge immer wieder an den Tag gelegt haben, sozusagen als Fluch der guten Tat argumentativ ins Gegenteil verkehrt“.

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Gleichwohl stehe er für faires Miteinander und konstruktive Suche nach einem Ausweichgelände. „Wir sind immer noch nur in der Theorie“, relativiert Quilling. „Aber allen muss klar sein, dass ohne planungsrechtliches Fundament, das von der Gemeinde zu schaffen sein wird, nichts laufen kann.“ Falls jedoch tatsächlich eine Ersatzlösung absehbar und deren Umsetzung realistisch sei, „dann werden wir vom Kreis die Letzten sein, die auf dem jetzigen Gelände die Abrissbagger anrollen lassen“, schließt Quilling durchaus versöhnlich.

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