Ehehölle im Bannkreis

Eris und Kratos, Göttin der Zwietracht und Gott der Macht, zirkeln einen Kreis des Unentrinnbaren ab. Irgendwann sitzen sie selbst darin. Den Göttern der Antike ist ja nichts Menschliches fremd gewesen. Einen Kratos aber gab es damals nicht. Autor Ulf Schmidt, Jahrgang 1966, hat ihn für sein beim Frankfurter Autorentheater in der Brotfabrik aufgeführtes dramatisches Debüt „Heimspiel“ erfunden. Von Stefan Michalzik

Die Demokratie verwitzelt Kratos als „Herrschaft der Demos“, die Bürokratie als herrschende Machtinstanz. „Arbeitslose“ vom Amt flattern auf das Paar hernieder. Lauter Nieten, vom göttlichen Botenpaar Cornelia Niemann und Erich Schaffner mit einem sardonischen, mitunter auch hesselnd kabarettistischem Humor zugestellt.

Hübsch ungemütlich hat es sich das Paar, Ricarda Klingelhöfer im Brautkleid und Erich Schaffner mit Weste über nackter Brust, in der vermüllten Hartz-IV-Tristesse gemacht. Er säuft, sie leidet an epileptischen Anfällen, im Dauerzwist ist man einander verbunden. Alles, was von außen kommt, medizinische Betreuung etwa, hat den Charakter eines gewaltsamen Eingriffs. Was nach außen geht, ist gleichfalls Gewalt.

Eine Komödie, über die man nicht lachen kann. Die überraschende Wendung – per Arbeitslos wird der Mann zum Bankdirektor berufen – ist keine wirkliche. Das traute Unglück ist bloß in eine neue Phase übergegangen. Sabine Loew hat das schlaglichthaft aufgebaute Stück im skizzenhaften Bühnenbild von Cornelia Falkenhan mit formaler Klarheit und Strukturwillen inszeniert. Wie im Text angelegt, begreift sie die Figuren als Spielmarken, das Ensemble ist quer durch die Positionen erfreulich präsent.

„Es sind diesem Debüt beachtliche Stärken eigen. Es verbindet die Strindbergsche Ehehölle mit dem Sozialdrama, will Wirklichkeit fassen ohne naturalistische Darstellung. Schmidt ist fraglos ein Talent. Man sollte ihn im Auge behalten.

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