Bürgerversammlung: Wichtige Arbeit der Kläranlage im Blickpunkt

109 Liter Wasserverbrauch pro Tag und Eppertshäuser

Hatte zur Bürgerversammlung beruhigende Informationen über die Eppertshäuser Kläranlage mitgebracht: Barbara Croissant vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Gewässerschutz referierte über die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des örtlichen Werks und nannte es „betriebssicher, da kann man gut schlafen, da brennt nichts an“.
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Hatte zur Bürgerversammlung beruhigende Informationen über die Eppertshäuser Kläranlage mitgebracht: Barbara Croissant vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Gewässerschutz referierte über die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des örtlichen Werks und nannte es „betriebssicher, da kann man gut schlafen, da brennt nichts an“.

Bei der Bürgerversammlung am Mittwoch in der Eppertshäuser Bürgerhalle hat Barbara Croissant vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Gewässerschutz die Einwohner über die Abwasserbehandlung in der Gemeinde informiert.

Eppertshausen – Sind Bürgerversammlungen vielerorts ein Sammelsurium von alldem, was die Bürger das ganze Jahr über mal von ihrer kommunalen Verwaltung wissen wollten, setzt Eppertshausen dabei gern selbst die Themen – freilich ohne sich dabei Fragen aller Art zu verweigern. Nachdem die in der Hessischen Gemeindeordnung mindestens jährlich vorgeschriebene Veranstaltung 2020 coronabedingt ausgefallen war, stand am Mittwochabend im großen Saal der Bürgerhalle bei der ersten derartigen Zusammenkunft seit zwei Jahren eine Eppertshäuser Liegenschaft im Blickpunkt, die jeden etwas angeht: Auf Einladung der Gemeinde referierte Barbara Croissant vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Gewässerschutz über die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit der örtlichen Kläranlage.

Die Michelstädterin ist diplomierte Ingenieurin der Fachrichtung Chemie und begleitet die Eppertshäuser Kläranlage als Expertin schon so lange, dass sie laut Bürgermeister Carsten Helfmann sogar noch die alte Anlage kennt. Ihr erstes Klärwerk baute die Gemeinde Eppertshausen 1969, damals eine zweistufige, mechanisch-biologische Anlage nach dem Belebtschlammverfahren. Nach Verschärfung der Reinigungsziele ab Ende der 80er – nun mussten im Abwasser auch Stickstoff und Phosphor Abwasser eliminiert werden, ehe man das gereinigte Nass wieder in die Gewässer leitete – brauchte auch Eppertshausen eine neue, größere Anlage. Sie ging 2004 in Betrieb.

In Eppertshausen gibt es derzeit fast durchweg eine Mischwasser-Kanalisation, was heißt: Dreckiges Abwasser aus Privathaushalten und Unternehmen fließt zusammen mit sauberem Regenwasser zum Klärwerk. Nur in den neusten Baugebieten wird das Regenwasser schon getrennt abgeleitet und ohne Umweg in den Wasserkreislauf zurückgeführt, ergänzte Helfmann den Vortrag von Croissant.

Im Klärwerk werden in einer mechanischen Reinigung zunächst Grob- und Sinkstoffe mit einem Feinrechen und einem Sandfang entfernt. Dann folgt die biologische Reinigung, „das ist das Herzstück unserer Kläranlage“, sagte Croissant. In verschiedenen „Belebungsstufen“ wird das Wasser biologisch und chemisch gereinigt, wird Kohlenstoff eliminiert und Ammonium-Stickstoff in Nitrat umgebaut (das später wiederum zu elementarem Stickstoff reduziert und in die Luft abgegeben wird). Ein „Fällungsmittel“ überführt parallel das gelöste Phosphat in eine wasserunlösliche Form. Danach kann das Phosphat mit dem überschüssigen Schlamm aus dem System entfernt werden.

Nach der Nachklärung fließt das dergestalt gereinigte Wasser in den Hegwaldbach – allerdings erst nach der bis zu zwölfmal täglichen Messung bestimmter Werte. Nach den Kontrollen 2020 arbeitete das Eppertshäuser Klärwerk so effektiv, dass die vorgeschriebenen Restwerte im abgeleiteten Wasser beispielsweise bei Stickstoff und Phosphat weit unter dem behördlich zugestandenen Maximum lagen. „Die Anlage ist betriebssicher, da kann man gut schlafen, da brennt nichts an“, gab Barbara Croissant den 30 Zuhörern im großen Saal der Bürgerhalle mit auf den Weg.

Etwas schlechter schlafen lässt die Anlage lediglich den Kämmerer: Allein 100 000 Euro Stromkosten verursacht sie jährlich. Und noch eine Zahl: Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 109 Litern Wasser pro Tag liegen die Eppertshäuser unter dem Schnitt von 120 Liter. (Jens Dörr)

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