Öffentliche Liegenschaften

Alle wollen ins Haus Westermann

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Ist jedes Wochenende vermietet: das Haus Westermann mit seinem Außengelände im Norden Eppertshausens.

Eppertshausen/Münster -  Sie machen einen wichtigen Teil des Freizeitwerts einer Gemeinde aus: öffentliche Liegenschaften, etwa Bürgerhallen, Sportstadien oder Freizeitzentren. Auch Münster und Eppertshausen haben hierzu einiges vorzuweisen. Von Jens Dörr 

Doch wer nutzt diese Objekte und was kosten sie? Wo stehen in näherer Zukunft womöglich Veränderungen an? Unsere Zeitung hat sich die markantesten Liegenschaften in beiden Kommunen näher angesehen und beleuchtet sie in loser Folge näher.

Den Anfang machen wir ganz sachte. Denn das Haus Westermann am nördlichen Rand Eppertshausens, noch einmal rund zwei Steinwürfe vom Sportzentrum in der Nieder-Röder-Straße entfernt, steht eher selten im Blickpunkt der Öffentlichkeit. „Die Vereine haben sich mit Ausnahme des Odenwaldklubs und des Tischtennisclubs mit ihren Veranstaltungen rausgezogen“, hat nicht nur Bürgermeister Carsten Helfmann beobachtet. Was nicht daran liegt, dass das Haus Westermann und vor allem sein Außengelände unattraktiv wären, wovon gleich noch die Rede sein wird. „Für die Vereine ist es in der Bürgerhalle logistisch viel einfacher“, so der Rathaus-Chef.

Seit der Einweihung der Bürgerhalle vor einigen Jahren - Eppertshausens zentralen Veranstaltungsort rücken wir in unserer kleinen Reihe ebenfalls noch ins Rampenlicht - finden die Vereine infrastrukturell noch wesentlich bessere Bedingungen vor als früher in der Mehrzweckhalle. Nur noch selten nehmen es Veranstalter (wie mittlerweile wieder der OWK) auf sich, etwa ausreichend Tische und Bänke für Ereignisse zum Haus Westermann zu transportieren.

Dass zwischenzeitlich auch der OWK mit seinem „Waldfest“ an den so gar nicht am Gemeindeforst gelegenen Bahnhof umzog, hat mit der längeren Sanierungshistorie zu tun, die das Haus Westermann hinter sich hat. Vor wenigen Jahren schlugen 140 000 Euro Gesamtausgaben für die Instandsetzung dieser Liegenschaft zu Buche. Den Löwenanteil trug damals die Entega-Stiftung, die 100.000 Euro beisteuerte. In den Büchern der Gemeinde steht das Haus Westermann mit Blick auf das Gebäude heute mit einem Wert von 123.627 Euro. Der aktuelle Buchwert des Grundstücks beträgt 2381 Euro. Laufende Kosten fallen im Eppertshäuser Gemeindesäckel für das Haus Westermann kaum an: Neben einer abzuschreibenden Wertminderung von jährlich 3 642 Euro betrug der Zuschussbedarf im vergangenen Jahr lediglich 366 Euro. Andere Liegenschaften kosten Eppertshausen das Zighundertfache, wie sich in den nächsten Artikeln der Reihe noch zeigen wird.

Obgleich man auf den ersten Blick den Eindruck gewinnen könnte, das Haus Westermann friste mangels öffentlicher Veranstaltungen auch nach der Sanierung ein ruhiges Dasein, offenbart der zweite, nähere Blick etwas ganz anderes: Das Haus Westermann boomt, wird intensiv genutzt. „Es ist wirklich jedes Wochenende vermietet“, sagt Helfmann.

Blick ins Gebäude, das entweder Gruppen von bis zu 20 Personen Platz bietet oder - wie hier als Kuchentheke beim OWK-Waldfest - anderweitig genutzt werden kann.

Großer Pluspunkt: Auch nach 22 Uhr darf es dort wegen der Lage weit weg vom Ortsrand etwas lauter zugehen. Denn der Aufenthaltsraum für 20 Personen ist nicht der Hauptaspekt, der die Menschen ans Haus Westermann zieht: „Wenn es vermietet ist, wird dort meistens draußen gefeiert.“ Als Nutzer lässt die Gemeinde dabei keineswegs jeden zu: Nur Personen mit Erst- oder Zweitwohnsitz in Eppertshausen können das Haus Westermann mieten. Die erschwinglichen 75 Euro Miete pro Tag erleichtern auch kleineren Gesellschaften diese Entscheidung - und tragen ihr Scherflein dazu bei, dass das Haus Westermann ein lebendiger Teil Eppertshausens bleiben dürfte.

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