Bürgermeister Helfmann stellt sich für Kolpingsfamilie bei kleinem Publikum den großen Fragen Eppertshausens

Auf Du mit dem Alleinkandidaten ohne Mitbewerber

Moderator Jörn Müller und Carsten Helfmann kennen sich schon aus Sandkstenzeiten.
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Moderator Jörn Müller und Carsten Helfmann kennen sich schon aus Sandkstenzeiten.

Eppertshausen – Es war zum wiederholten Mal eine One-Man-Show, die traditionelle „Podiumsdiskussion“ vor einer Bürgermeisterwahl in Eppertshausen, zu der die Kolpingsfamilie einlud. Doch dass sich Carsten Helfmann vor seiner vierten Wiederwahl nur einem versprengten Häuflein von gerade einmal zwei Dutzend besetzter Zuschauerstühle im kleinen Saal der Bürgerhalle würde stellen müssen, hatte wohl niemand erwartet. Die Corona-Pandemie erforderte erneut ihren Tribut, was „Entertainer“ Helfmann freilich nicht davon abhielt, das Publikum plus ein Dutzend Helfer und Gesprächsteilnehmer bestens zu unterhalten.

Die Moderation des Abends oblag Jörn Müller, Kolpingsfamilienmitglied mit großer Erfahrung in diesem Metier. Rund 40 Anmeldungen zum Vorstellungsabend unter besonderen Umständen habe man gehabt, berichtete er, doch am Donnerstag hätten doch noch einige, vor allem wohl eher ältere Eppertshäuser der hohen Neuinfektionszahlen wegen abgesagt.

Im kleinen Saal der Halle standen die Stühle einzeln und paarweise auf Abstand, auf allen lagen Werbekulis und Wahlprospekte das Alleinkandidaten. Maskenpflicht galt für die Besucher über die komplette Veranstaltung, einzig die jeweiligen Redner durften sich – auf Abstand – im Gesicht entblößen. Doch nicht nur die Pandemie stellte die Veranstalter vor Herausforderungen. Eine Podiumsdiskussion mit nur einem Kandidaten will gut vorbereitet sein. Noch dazu, wo sie über Live-Stream direkt auf die Facebook-Seite der Kolpingsfamilie übertragen werden sollte.

Und vorbereitet waren Kolpingsfamilie und Gast. Die Kolpinger hatten sich ein neues Format einfallen lassen. Es sollte Interviews in Blöcken geben und Fragen aus dem Publikum sowie per E-Mail eingegangene Stellungnahmen behandelt werden. Drei Jungkolping-Mitglieder standen so Gewehr bei Fuß, den Langzeitbürgermeister zu löchern, Thorsten Weber und Guido Böckelmann hatten sich für die Diskussion präpariert und Jörn Müller startete den Abend mit einem Kurzinterview zur Vorstellung von „Carsten“.

Das war keine Anbiederei, denn Müller stellte sofort klar: „Es würde blöd aussehen, würde ich unseren Bürgermeister hier siezen. Wir kennen uns schließlich schon aus dem Sandkasten.“

Den 46-jährigen Amtsinhaber dem Publikum großartig vorstellen zu wollen, wäre Eulen nach Athen zu tragen. Und so kam Müller gleich auf die inneren Befindlichkeiten Helfmanns in Zeiten von Corona zu sprechen: „Was hat Dich als Verwaltungschef am meisten umgetrieben in den vergangenen Monaten?“

Der Kandidat berichtete von vielen schlaflosen Nächten. Allerdings nicht wegen kommunaler Finanz- oder gar verwaltungstechnischer Schieflagen, sondern einzelner Schicksale wegen, auf die er als Bürgermeister qua Amt stieß. Beispielsweise das junge Paar, das im Neubaugebiet erst vor knapp einem Jahr mir seinen Kindern einzog und beide Eltern der Pandemie wegen kurz hintereinander arbeitslos wurden. Auch Hinterbliebenen von gerade Verstorbenen mitzuteilen, dass bei einer Beerdigung nur zehn Leute Abschied nehmen dürften, sei sehr schwer.

Weitere Fragen Müllers betrafen den Stellenabbau in den Gewerbegebieten („... hält sich zum Glück noch in engen Grenzen“) oder den kommunalen Haushalt. Vor allem zu letzterem bezog Helfmann ausführlich Stellung. Es gebe im Ort gar Branchen, die von der momentanen Situation wirtschaftlich profitierten, kam er auf Einnahmen zu sprechen. Einen Rückgang von 600 000 Euro an Gewerbesteuer verzeichne man zwar, aber übers Land würden einige Ausfälle ersetzt. Zwar würden die Haushaltsplanungen für 2021/22 schwer und das Jahr darauf noch schwieriger, aber eine Haushaltssperre schloss er für absehbare Zeit in Eppertshausen aus. Müller: „Bis 2022?“ Helfmann: „Bis 2022 sag ich ja, da kommen wir ohne aus.“

Und auch Helfmann duzte seine Gesprächspartner fast ausnahmslos. Wobei er eine Duzpartnerin erst kurz vor Veranstaltungsbeginn dazu kürte. Von den Jugendkolpingern stellten Johah Weber, Valerie Kramer und Eva Rosenfeld Fragen. Sie eruierten Themen rund um Jugend und soziale Kontakte, machten auf Vereinsamung vieler älterer Mitbürger durch Corona aufmerksam und regten Verbesserungen im kommunalen Miteinander der Generationen an. Aus dem Publikum meldete sich zuerst Pfarrer Harald Christian Röper zu Wort, die Ansinnen der Jugend unterstützend. Aus dem Publikum kamen Fragen nach dem Leerstand der Läden auf dem Landrat-Gruber-Platz und Anregungen, diesen wenig ansprechenden Raum doch anders zu gestalten, werde er als Platz als solcher doch einzig zum Weihnachtsmarkt an nur zwei Tagen des Jahres genutzt.

Für Helfmann gab es genügend Plattformen, um auf viele alte und neue Projekte der Kommune hinzuweisen, die soziale Verantwortung hervorzuheben, derer man sich bewusst ist, Seniorenausflüge und Partnerschaftstreffen zu bemühen und Landesprogramme zu erwähnen, die man für Ortsverschönerungen noch anzuzapfen gedenke.

Auch wenn es eine One-Man-Show war, um die sich alles drehte, hatten die wenigen Besucher vor Ort doch Einblicke bekommen können. Ohne Gegenkandidaten halt nur einseitig.

Von Thomas Meier

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