Kiloschwere Hinterlassenschaften

Eppertshausen: Tonnenschwerer Müll im Wald nahe Thomashütte gibt Behörden Rätsel auf

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Woher stammen die Betonblöcke im Staatsforst bei Eppertshausens Thomashütte? Niemandem im Umfeld wollen sie gehören. 

Seit Monaten versucht Hessen Forst in Eppertshausen herauszufinden, wem vier Betonblöcke im Staatswald bei Dieburg gehören. Das gestaltet sich schwierig - und der Müll bleibt einfach liegen.

Eppertshausen – Illegale Müllentsorgung im Wald sorgt oft für Entsetzen, etwa wenn halbentleerte oder gar volle Fässer mit Öl oder anderen chemischen Rückständen zwischen Fichten und Buchen auftauchen. Und Stefan Rickert von Hessen Forst hat sich schon manchen frevelhaften Müllhaufen, darunter auch schon hunderte von Alt-reifen, aus seinem Beritt entfernen lassen müssen. Doch nun traf er zwischen Thomashütte und Meck’schen Wiesen auf wahrlich Schwergewichtiges: vier tonnenschwere Betonblöcke liegen unweit des Wegesrandes, zwei rot lackiert, zwei in naturgrau. 

Wem sie gehören? Dies versucht der Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit von Hessen Forst in Dieburg seit Monaten herauszufinden. Vergebens. Und nicht nur diese Hinterlassenschaft beschäftigt ihn: Nahe bei den Blöcken liegen auch noch hunderte Plakate lange vergangener Zirkusvorstellungen in Darmstadt, Bierzeltgarnituren und anderes.

Eppertshausen: Müll im Staatsforst

Wanderer machten die Forstbehörde auf die „Riesenablagerung“ im Staatsforst aufmerksam. Und Rickerts erster Weg führte nach einer Begutachtung monumentaler Betonblöcke zunächst zum Ordnungsamt Eppertshausens. Dass die schweren Brocken illegal dort abgesetzt wurde, stand außer Frage, wer dafür verantwortlich zeichnet, indes schon.

Doch einfach wegräumen lassen kann man solche „Fundsachen“, immerhin fremdes Eigentum, nicht so einfach. Also bekam der unbekannte Eigentümer tonnenschwerer Altlast amtlichen Brief an einen in den Betonbrocken eingelassenen Henkel aus Armierungseisen gehängt. Am 16. Juli dieses Jahres übermittelte Rickert, Betreffs „Illegaler Ablagerung“, an „Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr, sehr geehrte Frau“ ein Ultimatum. Wenn die Blöcke nicht innerhalb von drei Wochen entfernt seien, sehe man das Eigentum als aufgegeben an und werde zur Ersatzvornahme schreiten.

Hunderte Plakate längst vergangener Zirkusvorstellungen in Darmstadt liegen unweit der Thomashütte im Wald.

Eppertshausen: Müll gehört "niemandem"

Die „angemessene Frist“ von drei Wochen ist mittlerweile verstrichen, es zogen drei Monate ins Land, nichts bewegte bislang den gewichtigen Unrat. Von einer „Ersatzvornahme“ – also einer für den Eigentümer der Blöcke kostenpflichtigen Entsorgung durch die in Vorleistung tretende Behörde – sah Hessen Forst bislang ab. Einmal hätten Versuche der Eigentumsklärung in der unmittelbaren Nachbarschaft nichts ergeben – „Niemandem wollen die Blöcke gehören“ – noch habe man derzeit Geld oder Kapazitäten frei, selbst tätig zu werden. Die Schadensbeseitigungen durch die jüngsten Stürme im Wald beschäftigen die Behörden bis zum Anschlag.

Eppertshausen: Müll soll abgeholt werden

Wären es gefährliche Güter, die dort Wald und Natur bedrohten, man wäre umgehend aktiv geworden, versichert Rickert, doch in diesem Falle habe man auf Einsicht des Eigentümers gehofft, dem die Blöcke auch etwas wert gewesen sein mussten, denn solche Gewichte bekomme man sicher nicht geschenkt. Und Eppertshausens Ordnungsamtschef Volker Murmann warf gar ein, man habe bereits erwogen, die Blöcke nicht etwa zum Müll zu transportieren, sondern sie als Absperrmittel einzusetzen. 

Etwa, um die Zufahrt zum beliebten, aber fürs Baden verbotenen Steinbruchsee im Wald nahe Eppertshausen zu blockieren. Dem Forstmann wär’s sicher recht gewesen. Allein die Nachfrage beim Bauhof ergab, die zwischenzulagernden Lasten seien für den Gemeindefuhrpark doch etwas zu massiv.

Letzter Stand zur erdrückenden Altlast im Staatsforst: Sie wird abgeholt. Sobald Dringlicheres erledigt sei. 

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Die Zukunft der Thomashütte ist gesichert: Der Gutshof an der Kreisstraße zwischen Eppertshausen und Messel, zu dem Restaurant, „Pavillon“, Eventscheune und ein riesiger Außenbereich gehören, wechselt Anfang 2020 den Besitzer.

VON THOMAS MEIER

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