Proben für ersten interaktiven Online-Gottesdienst

Ein Bildschirm in der Kirche

Eppertshausen - „5015 – Ruf nach mir!“ heißt der neue Online-Gottesdienst, der von der evangelischen Friedensgemeinde in Eppertshausen live ins Internet übertragen wird.

Die virtuellen Teilnehmer und die Kirchenbesucher vor Ort sollen dabei miteinander auch noch ins Gespräch kommen. Wie das funktioniert, zeigte kürzlich der Probedurchlauf. Über das Internet nach Gott rufen – das will die evangelische Gemeinde mit ihrem Online-Gottesdienst. Den Namen für das Projekt „5015 – Ruf nach mir!“ leiteten die Verantwortlichen deshalb von Psalm 50, Vers 15 ab: „Und wenn du in Not bist, rufe nach mir! Dann rette ich dich, und du wirst mich dafür ehren.“ Die Kirchengemeinde vor Ort und über das Internet zugeschaltete Teilnehmer sollen in Interaktion miteinander treten. Möglich ist das durch eine App – ein Programm für Smartphones und Computer.

Das Konzept ist neu in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Die Idee dazu hatte der Dieburger Ralf Friedrich, der seine Doktorarbeit über virtuelle Kommunikation geschrieben hat. Im evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald ist er seit 2007 als Prädikant in verschiedenen Kirchengemeinden präsent. Seit knapp drei Jahren arbeitet er außerdem als ehrenamtlicher Notfallseelsorger. „Ich bin überzeugt davon, dass auch die Menschen in der heutigen Zeit ein tiefes Bedürfnis nach Spiritualität haben, sich aber vom normalen Gottesdienst abgeschreckt fühlen“, sagt Friedrich. Der Online-Gottesdienst aus Eppertshausen soll den Einstieg erleichtern. „Ich kann mir vorstellen, dass dadurch auch Leute motiviert werden, wieder in die Kirche zu gehen“, so Friedrich.

Ein ähnlich neuartiger Gottesdienst ist mit „sublan.tv“ bereits im April im EKHN-Gebiet auf Sendung gegangen. Dieser wird von einem Studio in Wetzlar aus ins Internet übertragen. Zuschauer können von ihrem Computer oder Mobiltelefon aus Fragen stellen oder Anregungen zur Predigt geben, die dann gleich umgesetzt werden. Auch Gebete werden prompt für alle zugänglich gemacht. Zudem können Kerzen digital entzündet werden. Bei Bedarf stehen Seelsorgerinnen und Seelsorger per Live-Chat zur Verfügung, die ebenfalls sofort reagieren können. In Eppertshausen spielt ein großer Bildschirm die wesentliche Rolle für die Interaktion zwischen der virtuellen Gemeinde und den Gläubigen in der Kirche vor Ort. Dort werden die Kommentare der Internetnutzer eingeblendet.

Um den Online-Gottesdienst überhaupt zu ermöglichen, wurde der Gottesdienstraum umgebaut und unter Federführung von Tobias Reichert mit drei Kameras, Mikrofonen, Beleuchtung und Beamer ausgestattet. Bedient wird die Technik von Schülern der Landrat-Gruber-Schule, dem beruflichen Schulzentrum in Dieburg. Ansprechpartner ist Schulpfarrer Hubertus Naumann. Der trägt beim Probe-Gottesdienst ein Headset und steht mit Ko-Moderator René Grögor an einem Bistrotisch. Die beiden sprechen über Hoffnung. Dazu sind auf dem Bildschirm Kommentare von Internetnutzern zu lesen. „Hoffnung ist für mich das Wort des Frühlings“, schreibt Tom.

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

Die Predigt ist kurz, der Dialog mit der echten und der virtuellen Gemeinde nimmt dafür sehr viel mehr Raum ein – zum Beispiel, indem die Statements aus dem Netz direkt in die Ansprache des Pfarrers eingebaut werden. Die Liturgie des Online-Gottesdienstes unterscheidet sich ebenfalls deutlich von herkömmlichen Gottesdiensten. Sie wird von Stefan Claaß, Professor für Gottesdienste am Theologischen Institut in Herborn und Sprecher des „Wortes zum Sonntag“, betreut. Auch Fürbitten können von außen kommen. Sebastian Strunk spielt Stücke auf der Gitarre; in den Gottesdiensten ab Januar soll noch eine Cajón (Kistentrommel) dazukommen. Außerdem werden noch Sänger gesucht. Die Eppertshäuserin Kornelia Schuler ist zum Probe-Gottesdienst gekommen. Sie sagt: „Ich habe schon die Hoffnung, dass es Menschen erreicht, die sonst nicht kommen oder nicht kommen können.“ (rin)

Der erste Online-Gottesdienst ist am Freitag, 13. Januar, 18 Uhr, in der Friedensgemeinde, Friedensstraße 2, Eppertshausen; Stream und Chat unter www.rufnachmir.de.

Rubriklistenbild: © p

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare