Hörbücher, Krimis und Kinderbücher sind besonders gefragt

Bücherei in Eppertshausen wird digitaler

Das Team der Katholischen Öffentlichen Bücherei Eppertshausen mit Pfarrer i.R. Harald Christian Röder
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Die KÖB Eppertshausen hat ihre Digitalisierung eingeleitet. Das Foto zeigt das ehrenamtliche Büchereiteam und den kürzlich in den Ruhestand verabschiedeten Pfarrer Harald Christian Röper, der immer mal wieder ausgelesene theologische Literatur beisteuert. 

Das Team der Katholischen Öffentlichen Bücherei Eppertshausen im Haus Sebastian hat in Handarbeit alle 6 000 Medien codiert. Außerdem soll bald noch mehr Service für die Leser möglich sein.

Eppertshausen – Welche Werke in der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) Eppertshausen besonders gefragt sind, kann Claudia Fink aus dem Stegreif beantworten: „Hörbücher, Krimis und Kinderbücher.“ Künftig kann die Leiterin des ehrenamtlich betriebenen Angebots der Kirchengemeinde St. Sebastian derlei Wissen mit wenigen Klicks statistisch untermauern: Die Bücherei, Eppertshausens einzige, hat in den vergangenen Monaten ihre Digitalisierung vorangebracht. Dies könnte bald auch in mehr Service für die Leser münden.

Zunächst einmal: Die KÖB bleibt im Haus Sebastian (hinter der Kirche St. Sebastian) auch in naher Zukunft in ihrem aktuellen Raum. Grundsätzlich ist innerhalb der Immobilie ein Umzug in andere Räumlichkeiten geplant, was im Zuge der Renovierung des Objekts geschehen soll. Diese verschiebt sich aber noch. Entsprechend wartet der Stoff zum Schmökern – und teils auch zum Hören – fürs Erste weiter im gewohnten Domizil rechts des Eingangs.

Eppertshausen: 6000 Ausleihen pro Jahr in der Bücherei

Mit der Nachfrage war das Bücherei-Team, dem neben Claudia Fink auch Jana Levatic, Petra Dewes-Renner, Rozalia Ryszewski, Gabi Keiner, Dagmar Murmann, Claudia Winter, Gregor Ries und – ganz neu – Heidi Anton angehören, in den vergangenen Jahren zufrieden. Jährlich 6 000 Entleihungen habe man verzeichnet, sagt Fink, „nur in der Corona-Zeit waren es weniger“. Generell verbuche man – rein rechnerisch – also eine Entleihung pro Jahr und Einwohner Eppertshausens. Wobei sich das Verhältnis von Leseratten zu geliehenen Büchern faktisch ganz anders verhält: 400 Leseausweise, deren (mehrheitlich weibliche) Besitzer die KÖB nutzen, habe man ausgestellt. Hinzu kämen nochmals so viele Ausweise, die Fink aber als „Karteileichen“ einordnet. „Insgesamt sind wir weiter attraktiv und werden gut angenommen“, resümiert sie.

Gerade bei Familien mit Kindern steht das kostenlose Angebot laut Fink hoch im Kurs. Leseausweis und stückzahlmäßig unlimitierte Ausleihen sind gratis; lediglich bei zu später Rückgabe (spätestens nach vier Wochen) wird pro Buch eine Strafgebühr von 25 Cent fällig. Jährlich stehen der KÖB 3 000 Euro für neue Medien zur Verfügung. Dieses Budget stellt hauptsächlich ein Zuschuss der (politischen) Gemeinde Eppertshausen sicher. Die finanzielle Unterstützung des Bistums Mainz fällt derweil marginal aus. „Dadurch, dass wir im Team regelmäßig über Neuanschaffungen beraten und diese tätigen, sind wir immer aktuell“, sagt Fink. Da der Platz in der derzeitigen Räumlichkeit begrenzt ist, müssen im Gegenzug veraltete oder kaum noch gefragte Bücher weichen. Einen Schwung losgeworden ist man beispielsweise beim zweiten Eppertshäuser Hofflohmarkt vor zwei Wochen.

Büchereiteam in Eppertshausen plant eigene Website

Inhaltlich war die Katholische Öffentliche Bücherei Eppertshausen also schon immer up to date. In Sachen IT-Infrastruktur hat sie nun nachgerüstet: neue EDV, neuer Scanner, Drucker und PC. Finanziell möglich machten dies im Herbst 2020 ein Crowdfunding und größere Einzelspenden, insgesamt eine mittlere vierstellige Summe. Die moderneren Zeiten sind dabei kein Selbstzweck, sondern sollen die Arbeit in der Bücherei erleichtern, die donnerstags (16 bis 17 Uhr, nicht in den Sommerferien), samstags (18 bis 19 Uhr) und sonntags (11 bis 12 Uhr) für alle – nicht nur Eppertshäuser – geöffnet ist.

Denn parallel zum Kauf des neuen Equipments schulte sich das KÖB-Team, um die digitalen Möglichkeiten in ihrer Bücherei künftig auch kompetent anwenden zu können. Zu den Vorarbeiten hinter den Kulissen gehörte, dass Jana Levatic und Petra Dewes-Renner in exakt dokumentierten 254 Stunden ehrenamtlichen Einsatzes jedes der 6 000 Medien in die Hand nahmen, mit einem Code zum Scannen versahen und am PC erfassten. Anschließend sortierten sie die Werke wieder ein – und in Einzelfällen auch aus. „Bisher haben wir jede Ausleihe im Buch gestempelt“, schildert KÖB-Leiterin Fink den Unterschied.

Künftig wird derlei im Computer gespeichert und ermöglicht zum Beispiel einen schnellen Überblick, was wann wie oft nachgefragt wurde. Das „Wunschbuch“, in das die Leser jene Titel notieren dürfen, die die Bücherei demnächst mal anschaffen könnte, bleibt zwar erhalten. Doch wird nun noch rascher klar, was sich das Jahr über so alles als Renner oder als Ladenhüter entpuppt hat.

Darüber hinaus soll der eingeleitete, aber noch nicht abgeschlossenen Digitalisierungsprozess in der KÖB Eppertshausen bald auch den Lesenr ganz direkte Vorteile bringen: In einiger Zeit soll es Claudia Fink zufolge möglich sein, sich den Medienbestand von daheim aus anzusehen, vielleicht ergänzt um eine Reservierungsmöglichkeit. Dazu soll eine eigene Website erarbeitet werden. Per E-Mail an buecherei-eppertshausen@gmx.de ist das Team schon jetzt erreichbar, was Leser auch nutzen sollten, wenn sie Bücher einmal nicht rechtzeitig vor Ende der Ausleihfrist zurückgeben können. (Von Jens Dörr)

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