Unternehmen im Park 45 als „Arbeitgeber des Mittelstandes 2020“ ausgezeichnet

Damit"s gut läuft: Ins Kloster für AC-Motoren

In der 16 000 Quadratmeter großen Halle in der Einsteinstraße lagern rund 150 000 Elektromotoren. Fotos: Th. Meier

Eppertshausen – Von der Gründung in Rödermark zum europaweit tätigen Motorenspezialist im Park 45: Bereits seit zwei Jahrzehnten läuft bei der AC-Motoren GmbH der Motor rund. Das familiengeführte Unternehmen expandierte in zwei Jahrzehnten auf 16 000 Quadratmeter. VON THOMAS MEIER

Doch was treibt das Unternehmen an? Seine Mitarbeiter. Sie und ihre Zufriedenheit im Betrieb sind es, die zu einer besonderen Auszeichnung führten: Das Magazin Focus-Business verleiht AC-Motoren die Auszeichnung „Arbeitgeber des Mittelstandes 2020“. Grund für Timo (35) und Nina Klussmann (33), Nachkommen des Firmengründers Jürgen Alexander Klussmann, der im November verstarb, Betrieb und Konzept vorzustellen.

Seit der Gründung 1998 wurde das Motorenlager des Unternehmens stetig aus- und umgebaut. Heute bietet das 2014 fertiggestellte riesige Lager in der Einsteinstraße Platz für rund 150 000 Elektromotoren. „Die Größe unseres Lagers ist einzigartig in Deutschland – das bringt unseren Kunden den Vorteil, dass die meisten Motoren sofort verfügbar sind”, so Geschäftsführer Timo Klussmann.

Im Lager, zwischen Motoren und Frequenzumrichtern, ziehen Gabelstapler unermüdlich ihre Runden. Es herrscht rege Geschäftigkeit. Die Aufträge kommen unter anderem aus den Bereichen Ventilatoren, Pumpen, Kompressoren und allgemeinem Maschinenbau und halten die 80-köpfige Belegschaft in Bewegung. Für den nötigen Durchblick sorgen dabei die Fachleute hinter den Kulissen von AC-Motoren. 40 Beschäftigte arbeiten im Lagerbereich, die anderen im Büro und Außendienst. Und alle sind der Firmenleitung wichtig.

„Was treibt AC-Motoren an? In welche Richtung wollen wir uns entwickeln? Wie wollen wir untereinander und mit unseren Kunden umgehen?“, sagt Nina Klussmann, die Marketingspezialistin des Unternehmens. Diese wichtigen Fragen müsse sich jedes Unternehmen irgendwann stellen. „Bei AC-Motoren werden Werte aufgestellt und umgesetzt, damit das Unternehmen funktionieren und wachsen kann“, erklären Klussmanns. Weil die Unternehmenswerte aber jeden Einzelnen betreffen und von allen Mitarbeitern verstanden und gelebt werden sollten, ist das Festlegen der Werte bei AC-Motoren keine Chefsache, sondern Teamwork.

Und damit das ebenso rund läuft wie die aus Fernost importierten und in ganz Euro pa gefragten Motoren aus Eppertshausen, hat sich die junge Firmenleitung für die Belegschaft im ebenfalls jungen Durchschnittsalter von 38 Jahren einiges einfallen lassen.

So nahmen zwischen Mai und August 2019 verschiedene Gruppen von AC-Mitarbeitern an einem freiwilligen Werte-Workshop teil. Jeder, der die Zukunft von AC mitgestalten und sich in die Gemeinschaft einbringen will, war willkommen. Gruppen von einem Dutzend AC’lern wurden interdisziplinär zusammengestellt und dann ging es an das Definieren eines gemeinsamen Werte-Verständnisses. Ausgearbeitet wurden verschiedene Arten von Werten: Von persönlichen über Gruppenwerte, bis hin zum allgemeinen Wertebild der gesamten Gruppe.

Dann hieß es: Persönlichkeitsentwicklung durch Gründung einer Firmenband und gemeinsames Schreiben eigener Songs. „Die Idee war, dass auf einer Bühne jeder etwas anderes darstellt als an seinem Arbeitsplatz“, sagt Timo Klussmann. Die vier Songs, die die AC-Band seit April gemeinsam gecovert hat, handeln von AC-Motoren, den Mitarbeitern und dem Werteworkshop. Dazu wurden jedes Mal eigene Texte geschrieben und einstudiert. Von dem ersten Song „Der Motor kommt“ – ein Cover des Klassikers „The Lion Sleeps Tonight“ – wurde eigens ein Video gedreht.

Zuvor bereits engagierten Klussmanns den in Dieburg beheimateten Fotografen Patrick Liste, der für den neuen Web-Auftritt von AC-Motoren Bilder machte. Wobei die Motoren nur kurz im Fokus des Lichtbildners standen, er sich im Wesentlichen der Belegschaft widmete, die schließlich das Firmenporträt maßgeblich ausmachen. Die Mitarbeiter wurden so nicht nur am Arbeitsplatz vorgestellt, sondern auch mit Utensilien ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Lustige bis rätselhafte Bilder kamen zustande, deren Offenheit jedoch durchaus Rückschlüsse aufs Vertrauen in die Belegschaft zulassen.

Nicht nur die Motoren aus Eppertshausen sollen laufen: Die Firma beteiligt sich in großer Gruppenstärke an Läufen beispielsweise in Dieburg und Frankfurt. „Work in Progress“ lautet die Devise, und für Persönlichkeitsbildung wurde nicht nur eine kleine Ausleihbibliothek in den Aufenthaltsraum gestellt. Wer möchte, kann auf Kosten der Firma gar ins Kloster gehen. Der Kurs „Zeit für Veränderung“, der in der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg angeboten wird, hat ein klares und doch wenig greifbares Ziel: Es geht darum, sich fernab vom Alltagsstress intensiv mit der eigenen beruflichen Situation auseinanderzusetzen. „Zu welchem Ergebnis das letztlich führt, hängt ganz vom Teilnehmer ab“, sagt Nina Klussmann. Wer sich mit dem Thema Veränderung und berufliche Neuorientierung befasse, könne ja auch auf die Idee kommen, die Arbeit bei AC-Motoren sei nichts für ihn. Zehn Beschäftigte nahmen das Angebot bislang wahr. Alle gehen noch im Park 45 ihrer Arbeit nach.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare