Eltern informieren sich in Eppertshausen über geplante Kinderbetreuung

Ein Zirkuswagen für die Wald-Kita

Über den geplanten naturnahen Kindergarten am Haus Westermann informierten Bürgermeister Carsten Helfmann und die beiden Erzieherinnen Julia Rieger und Tatjana Gotta
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Über den geplanten naturnahen Kindergarten am Haus Westermann informierten Bürgermeister Carsten Helfmann und die beiden Erzieherinnen Julia Rieger und Tatjana Gotta.

Über viele Jahre hat die TV-Kindersendung „Löwenzahn“ Jungs und Mädchen begeistert. Nicht zuletzt wegen des Bauwagens, in dem Löwenzahn-Moderator Peter Lustig wohnte, wenn er nicht gerade in seinem Garten an etwas baute oder experimentierte.

Eppertshausen - Nach wie vor verbinden viele mit ausgedienten Bauwagen Freiheit, Naturverbundenheit und eine gewisse Unbekümmertheit. Vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, warum in vielen Waldkindergärten ehemalige Bauwagen als Aufenthaltsräume dienen. In mehreren der 13 Natur-Kitas, die es im Landkreis gibt, sind die Wagen ein typisches Element. In Eppertshausen hat man sich etwas anderes überlegt. Falls dort im Sommer 2021 ein naturnaher Kindergarten eröffnet wird, soll ein ausgedienter Zirkuswagen oder ein „Air Stream“, also ein historischer Wohnwagen, der in den 50er Jahren auf den US-Highways fuhr, zur Unterkunft für die Kleinen umfunktioniert werden.

Doch bis es soweit ist, sind noch einige Dinge zu klären. Die Gemeindevertretung muss die Errichtung des Waldkindergartens beschließen, Erzieherinnen müssen eingestellt und Verwaltungsaufgaben abgearbeitet werden. Zunächst aber muss die Gemeinde wissen, ob es vonseiten der Eltern überhaupt ausreichend Interesse an einer naturnahmen Betreuungseinrichtung gibt. Wenn der Kindergarten im Sommer 2021 an den Start geht, werden in Eppertshausen 260 Kinder drei Jahre alt sein und somit das Regelkindergartenalter erreicht haben.

Die Eltern jener 260 Kinder hat die Gemeinde angeschrieben, um zu erfahren, ob der Wunsch nach einer Wald-Kita besteht. 40 Eltern hätten sich interessiert gezeigt, sagte Bürgermeister Carsten Helfmann am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung am Haus Westermann. 20 Eltern waren gekommen, um sich über das Vorhaben, das die SPD-Fraktion angeregt hatte, zu informieren. Wenn alle ihre Kinder in der naturnahen Einrichtung anmelden, könnte die Gemeinde im Herbst in die konkrete Planung einsteigen.

15 Kinder müssten mindestens angemeldet werden, sagte Helfmann und erklärte: „Wir haben das Haus Westermann und das umliegende Gelände als Standort ausgesucht, weil wir hier einen naturnahen Kindergarten relativ schnell einrichten könnten. Ein großer Teil der benötigten Infrastruktur ist bereits vorhanden. Das Gelände ist mitten in der Natur und trotzdem ist es nicht zu weit weg vom Ortszentrum.“ Es gebe außerdem viele Erzieherinnen, die gern im Bereich Waldkindergarten arbeiten und sich dafür fortbilden möchten. Für das künftige Betreuungsangebot, das weitgehend draußen stattfindet, gebe es einige Ergänzungen. Dazu gehört das benachbarte Sportzentrum, in dem Bewegungstage angeboten werden können. Zwei Spielplätze befinden sich im Umkreis von knapp einem Kilometer.

„Auf dem Gelände selbst könnte ein kleiner Gemüsegarten angelegt werden, in dem die Kinder ihr Gemüse selbst anbauen, ernten und mit den Erzieherinnen zubereiten“, erläuterte Julia Rieger. Die Erzieherin schilderte mit ihrer Kollegin Tatjana Gotta, wie der Tagesablauf in der naturnahen Betreuungseinrichtung aussehen könnte. „Wir möchten mit den Kindern regelmäßige Ausflüge in den Wald machen, Tiere beobachten, Material sammeln, um damit zu basteln und den Wald insgesamt kennenlernen“, sagte Rieger. Ein detailliertes Konzept gebe es noch nicht. „Das möchten wir mit Ihnen gemeinsam erarbeiten“, wandte sie sich an die Eltern.

Zwei Betreuungszeitfenster bis 12.30 Uhr und 14.30 Uhr sollen angeboten werden. Der Beginn ist jeweils für 7.30 Uhr vorgesehen. Am Info-Abend sprachen sich nur wenige Eltern für eine konkrete Zusage aus, da sie noch etwas Bedenkzeit bräuchten. Der Gesamteindruck schien bei den meisten jedoch positiv. Bis Mitte September haben die Eltern noch Zeit, dann werden die Gemeindevertreter den endgültigen Beschluss darüber fassen, ob die 100 000 Euro, die im Haushalt bereitstehen, in den naturnahen Kindergarten investiert werden. (zeta)

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