Eppertshäuser Pizzabäcker Ciro Visone freut sich auf Fastnachtssaison auch unter 2G

„So schön, wenn die Hallen voll sind“

Warum Italiener wesentlich mehr unter dem Masken-Tragen leiden? „Weil wir so gern Spaghetti aglio e olio essen. Mit viel Knoblauch“, sagt Ciro Visone verschmitzt.
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Warum Italiener wesentlich mehr unter dem Masken-Tragen leiden? „Weil wir so gern Spaghetti aglio e olio essen. Mit viel Knoblauch“, sagt Ciro Visone verschmitzt.

Helau! Heute ist es so weit, heute ist Schluss mit der Ernsthaftigkeit der fastnachtsfreien Monate – die Narren starten die neue Saison 2021/2022.

Eppertshausen – In den Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf gibt es erstmals seit Coronabeginn wieder Auftaktveranstaltungen zur fünften Jahreszeit. Ein Grund zur Freude sollte man meinen. Jedenfalls dann, wenn nicht heftige Diskussionen über 2G- oder wie in Köln wenigstens 3G+-Regelungen die Stimmung trüben und die Fastnachter spalten würden.

Der Eppertshäuser Ciro Visone, Deutschlands bekanntester Spaß-Pizzabäcker – typisch, mit roter Schürze, grünem Schultertuch und weißer Kappe –, bedauert diese Spaltung sehr. Der Karnevalist, unter anderem bekannt aus „Hessen lacht zur Fassenacht“, kann sich im Gegensatz zu manchem Kollegen mit 2G und mit 3G arrangieren. Als Mitglied des Mainzer Narrenclubs (MNC) wird er somit auch heute bei 2G am Mainzer Schillerplatz auftreten. Einige seiner Kollegen, darunter Entertainerin Woody Feldmann und der in Hanau geborene Comedian Andy Ost, haben dagegen ihre Auftritte abgesagt. Feldmann in einem Video auf den sozialen Medien: „Mein Team und ich werden an keiner Veranstaltung mit 2G teilnehmen.“ Der Grund: Vermeintliche Ungerechtigkeit gegenüber Ungeimpften und Diskriminierung.

„Diskriminierung ist für mich etwas anderes“, meint Ciro Visone und erzählt von seinen Anfangsjahren in Deutschland. 1966 kam der heute 61-Jährige mit seinen Eltern aus Neapel hierher. Ins neu gebaute Schwimmbad ließ ihn der Bademeister nicht ein – das Argument: „Du bist Italiener.“ Auf den Kindergeburtstag seines Klassenkameraden durfte der Grundschüler nicht. Die Entschuldigung: „Mein Vater sagt, Du bist Italiener.“ Und als ein Fahrrad im Ort geklaut worden war, fiel der Verdacht sofort auf? Natürlich! Auf die zugezogenen Italiener. „Das damals war Diskriminierung“, findet Visone. Im Gegensatz dazu sind 2G-Veranstaltungen für ihn vielmehr ein Schutz für Ungeimpfte. Denn schließlich sei keiner der Geimpften und Genesenen zusätzlich getestet. Und keiner wisse, wie schlimm eine Corona-Erkrankung ohne Impfung ausgehe.

Die Veranstalter – das fastnachtliche Erwachen in Mainz organisiert der Mainzer Carneval-Verein (MCV) – versuchen mit 2G, Sicherheit und Feierlaune zu verbinden. In Mainz darf so heute abstandsfrei und ohne Mund- und Nasenbedeckung geschunkelt werden, allerdings kostet der Spaß das erste Mal Eintritt, und hinter Absperrzäunen sind laut Andreas Schmitt, Sitzungspräsident der Sendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“, maximal 4 500 Besucher zugelassen. Auch die Eppertshäuser Fastnachter planen für ihre im nächsten Jahr wieder stattfindende Saalfastnacht mit 2G. „Wir wollen Fastnacht so feiern, wie wir sie kennen“, begründet der FVCA-Vorsitzende Eric Seib in einer Videobotschaft. 3G würde zu viele Einschränkungen mit sich bringen. Zudem könnten dadurch weniger Leute den Sitzungen beiwohnen.

„Es ist so schön, wenn die Hallen ausverkauft sind und normal gefeiert werden kann.“ Ciro Visone, der derzeit Hessens dienstältester Fernsehfastnachter ist (erster Auftritt 1996), gerät ins Schwärmen. Und er führt noch ein weiteres Argument für 2G an, eins das ihm in der nahen Vergangenheit immer wieder aufgefallen ist. Beispielsweise auf einer Veranstaltung, die ursprünglich als 2G-Version für 600 Zuschauer gedacht war. „Es gab einen Aufschrei, und man hat dann doch 3G zugelassen“, erzählt er. „Für nur noch 360 Personen.“ Hinterher stellte man jedoch fest, dass lediglich vier Menschen einen negativen Test vorgewiesen hatten. „240 Leute durften also völlig umsonst nicht rein“, bedauert er. Und das sei beileibe kein Einzelfall gewesen, selbst bei von Anfang an als 3G-deklarierten Events.

Visone selbst ist geimpft und erhält im Januar seinen dritten Piks. Entscheidet sich jemand gegen eine Impfung, hat er dafür aber ebenfalls Verständnis. Und Witze zu dem Thema sind für ihn ein Tabu. Warum Italiener wesentlich mehr unter dem stundenlangen Tragen von FFP2-Masken zu leiden haben, ist der einzige Spaß, den er sich erlaubt. Die Antwort? „Weil wir so gern Spaghetti aglio e olio essen. Mit viel Knoblauch“, meint er verschmitzt. Auf die Angst vor Impotenz so manches Impfgegners hat er – er war nicht umsonst einst Witzbold der Saison bei „Verstehen Sie Spaß?“ – seine eigene Form der Beruhigung: „Das stimmt nicht, das hab ich vermehrt ausprobiert.“ (zkn)

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