Coronavirus-Pandemie

Olympia-Kämpfer zu Corona: „Wir schaffen auch diese Krise!“

Mit seinen Katas (Formenläufen) war er auf einem guten Weg, muss sich bis zu den Olympischen Spielen nun aber ein Jahr länger gedulden: Karateka Wael Shueb vom GKV Lotus Eppertshausen ist seit Frühjahr 2018 qualifiziert.
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Mit seinen Katas (Formenläufen) war er auf einem guten Weg, muss sich bis zu den Olympischen Spielen nun aber ein Jahr länger gedulden: Karateka Wael Shueb vom GKV Lotus Eppertshausen ist seit Frühjahr 2018 qualifiziert.

Der für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizierte Karateka Wael Shueb vom GKV Lotus Eppertshausen findet es richtig, dass die Wettkämpfe wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben worden sind. Im Fokus ist jetzt erst einmal der Berufsabschluss.

  • Olympische Spiele in Tokio wegen Corona verschoben
  • Karateka Wael Shueb vom GKV Lotus Eppertshausen findet die Entscheidung richtig
  • Der 31 Jahre alte Syrer war in starker Form

Eppertshausen – Für die Verlegung der Olympischen Sommerspiele in Tokio um ein Jahr auf den 23. Juli bis 8. August 2021 hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) fast durchweg Zustimmung geerntet – auch wenn sich mancher eine frühere Entscheidung der Organisation unter dem deutschen Präsidenten Thomas Bach gewünscht hätte. Obgleich in der weltweiten Corona-Krise an eine normale Fortführung der Qualifikationswettkämpfe und der Spiele selbst nicht mehr zu denken war, sehen viele Sportler den Beschluss auch mit einem weinenden Auge. Wie der bereits für das IOC-Flüchtlingsteam qualifizierte Karateka Wael Shueb vom GKV Lotus Eppertshausen. Der 31-jährige Syrer befand sich in starker Form, will aus der Not aber eine Tugend machen und weiß seinen Traum lediglich verschoben.

Eppertshausen (Kreis Darmstadt-Dieburg): Olympia-Kämpfer findet die Entscheidung der Verschiebung gut

„Die Entscheidung ist für manche Athleten gut und für manche nicht“, differenziert Shueb die rein sportlichen Auswirkungen der Verlegung. Sich selbst zählt er in dieser Hinsicht eher zu den Verlierern, auch wenn seine Qualifikation bestehen und die Teilnahme in Fernost gesichert bleibt: „Ich persönlich habe in der letzten Zeit sehr intensiv gearbeitet und war auf einem guten Niveau“, sagt der aus Damaskus stammende, 2015 nach Deutschland geflüchtete und mittlerweile fast perfektes Deutsch sprechende Kampfkünstler, der im Karate-Mutterland Japan in der Kata (Formenlauf) teilnehmen darf. Die Qualifikation hat er über eine Sonderregelung des IOC-Flüchtlingsteams schon länger in der Tasche als die meisten Konkurrenten. Seit dem Frühjahr 2018 weiß Shueb bereits, dass er in Tokio antreten darf.

Kreis Darmstadt-Dieburg: Training und Spannung müssen wegen Corona nun ein Jahr aufrechterhalten werden

Das einstige Mitglied des syrischen Nationalteams, das in Urberach wohnt, in einem Eppertshäuser Sportstudio eine Ausbildung zum Fitnesskaufmann absolviert und sich beim GKV Lotus Eppertshausen als Karate-Trainer engagiert, fokussiert sich schon entsprechend lang auf den Sommer dieses Jahres. Nun muss er Trainingsintensität und Spannung ein Jahr länger aufrecht erhalten. Trotz der geschlossenen Sporthallen und des Versammlungsverbots, das auch die Einheiten mit Coach Mohammed Abu Wahib in dessen Dojo in Höchst im Odenwald unmöglich macht, trainiert Shueb weiter zweimal am Tag. Beim Laufen schnallt er sich Gewichte um, feilt nach Monaten des intensiven Techniktrainings gerade an Kraft und Dynamik. Letztere hatten mit Blick auf die Durchführung der verschiedenen Katas auch Videoanalysen als relativen Schwachpunkt ausgemacht. Auch sonst übt Shueb jetzt unter freiem Himmel an allem, was möglich ist. „Meine Wohnung ist dafür leider zu klein“, lächelt er.

Eppertshausen – Olympia-Kämpfer über Corona-Krise: „Eine intensive Zeit“

Generell sei es gerade „eine intensive Zeit, ich bin nur am Trainieren und am Lernen“. Denn die Abschlussprüfungen seiner Ausbildung zum Fitnesskaufmann, die ihm der Groß-Zimmerner Unternehmer Prinz Michael von Anhalt (Michael Killer) ermöglicht hat, sollen nach wie vor Ende April stattfinden. Drei schriftliche Tests und eine mündliche Prüfung warten dann auf den längst bestens integrierten Syrer. Dem es zu sagen wichtig ist, dass er bei allen persönlichen Herausforderungen durch die Olympia-Verlegung die Entscheidung aus einem schlichten Grund richtig findet: „Die Gesundheit geht vor.“

Der Vorsitzende des GKV Lotus Eppertshausen: „Die Gesundheit ist das Wichtigste.“

Dies sieht auch Ernes Erko Kalac so. Der Vorsitzende des GKV Lotus Eppertshausen, der Wael Shueb von Anfang an begleitete und ihm diverse Türen – auch zu Sponsoren und Verbandsförderungen, die die teure, mal mit Gesamtkosten von 100 000 Euro bezifferte Olympia-Vorbereitung und -Reise überhaupt erst ermöglichen – öffnete, sagt ebenfalls: „Die Gesundheit ist das Wichtigste.“ Welche Auswirkung die Verschiebung auf die finanzielle Förderung Shuebs durch private Gönner, das IOC und den nationalen Karate-Verband haben wird, könne er zwar noch nicht absehen. „Wie ich Thomas Bach kenne, wird er seine Sportler aber nicht sitzen lassen“, glaubt Kalac etwa an eine Verlängerung der Förderung durch das IOC. Das schickte Shueb und ihm vor zwei Wochen übrigens noch die Akkreditierungsunterlagen – was die Rasanz der Corona-Krise in der zweiten März-Hälfte zeigt.

Eppertshausen – Olympia-Kämpfer zu Corona: Wir schaffen auch diese Krise!“

Kalac verhehlt derweil nicht, dass in seiner Brust mehrere Herzen schlagen und die Verlegung durchaus einen harten Einschnitt bedeutet. „Ich bin Sportler, Funktionär und auch Vorsitzender eines Vereins. Ich weiß, wie schwer es ist, selbst eine kleine Veranstaltung wie den Nikolaus-Cup in Eppertshausen zu organisieren“, zeigt er Verständnis dafür, dass das IOC bei der Verlegung der milliardenschweren, extrem aufwendigen Spiele erst mal zögerte. Und: „Wael wäre im August fit gewesen.“ Die weltweite gesundheitliche Gefahr durch das Corona-Virus gerade für die Risikogruppen nimmt Erko Kalac freilich nicht nur zur Kenntnis, sondern geht im eigenen Verein auch verantwortungsvoll damit um: „Natürlich fällt auch bei uns das Training derzeit aus und wir haben ein paar Videos vorbereitet, damit unsere Kinder weiter üben.“

Coronavirus-Pandemie: Kämpfer sind überzeugt: „Wir schaffen auch diese Krise!“

Kalac, der einst selbst aus Montenegro nach Deutschland geflüchtet war, in der neuen Heimat seinen Weg gemacht hat und selbst zum Anker für viele andere Menschen geworden ist, prognostiziert bei allen aktuellen Einschränkungen und vorhersehbaren Nachwehen der Pandemie aber auch: „Wael und ich haben Krieg und Flucht überstanden. Wir schaffen auch diese Krise!“

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VON JENS DÖRR

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