Gottesdienst und Gedenkveranstaltung erinnern an Brian Paxten

Nach dem gewaltsamen Tod des Wirts: Kein „Brianachten“ mehr

Ein Bild von Brian Paxten erinnert am Wochenende bei einer Gedenkveranstaltung an den Kultwirt des „Touch Down“. -   Foto: mj
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Ein Bild von Brian Paxten erinnert am Wochenende bei einer Gedenkveranstaltung an den Kultwirt des „Touch Down“. 

Eppertshausen - Es war über Jahre ein geliebtes Ritual: Am Heiligabend ging es nach der Bescherung ins „Touch Down“, um bei Wirt Brian Paxten den 24. Dezember ausklingen zu lassen. Nach dem gewaltsamen Tod Paxtens Ende August wird es diesen Kult nicht mehr geben. Von Michael Just

„Wir nannten das ,Brianachten’. 150 bis 180 Leute bewiesen, dass die Sache Kult war“, erzählt Tobias Franze. Der 23-Jährige gehörte am Samstag zu den vielen Eppertshäusern, die erst in einem Gottesdienst und anschließend in einer Halle im Eppertshäuser Industriegebiet Abschied von dem beliebten Wirt nahmen, der vor gut fünf Wochen von einem seiner Söhne auf tragische Weise im Affekt getötet wurde.

Die Idee zu der privat organisierten Gedenkveranstaltung hatte Steffen Albl. Nach der Messe lud er in die große Halle seiner Kfz-Werkstatt, die als „Motodom“ bekannt ist. Hier war ausreichend Platz und Gelegenheit, sich noch einmal in persönlichem Gesprächen an den 71-Jährigen von der Insel zu erinnern, der mit seiner Kneipe britisches Flair auf äußerst sympathische Weise in Eppertshausen versprühte. Die erzielten Erlöse vom Wochenende, unter anderem vom Verkauf der Getränke, waren für Paxtens zweiten Sohn Christopher bestimmt.

Dem Treff im „Motodom“ war ein Gottesdienst in der Kirche St. Sebastian vorausgegangen. Vor voll besetzten Reihen hielt Pfarrer Harald Christian Röper mit Kritik am Staat nicht hinter dem Berg. Wie er sagte, sei es schwer nachvollziehbar, dass der Staat das Autofahren ohne Gurt hart verfolgt und betraft, während Alkoholismus und das ruinöse Verspielen von Hab und Gut ohne Konsequenzen bleibt. Röper spielte damit auf den Täter an, der regelmäßig Polizeieinsätze auslöste, die allesamt ohne Konsequenzen blieben.

Der Tod des Wirts, der von seinem Sohn erstochen wurde, löste im Ort Entsetzen und Bestürzung aus. „Er war wie ein Vater für mich. Mit 15 Jahren war ich das erste Mal bei ihm in der Kneipe“, erinnert sich Steffen Albl. Wie der Organisator der Gedenkveranstaltung ergänzt, habe er in der Wirtschaft von Brian viel Zeit verbracht. Dementsprechend nahe sei ihm dessen Tod und die schrecklichen Umstände gegangen.

Die Zusammenkunft war von keinen Reden oder Ansprachen gekennzeichnet. Nach dem Gottesdienst bestand schlichtweg die Möglichkeit, sich in ungezwungener Atmosphäre mit einem Drink an Brian zu erinnern und ihm – nach der Beerdigung im engsten Familienkreis – auf diese Weise die letzte Ehre zu erweisen.

Natürlich fiel dabei der Blick auch zurück auf den letzten Monat, als binnen weniger Stunden das Gewaltverbrechen geschah und kurz darauf der Täter Selbstmord beging. „Die Polizei hatte die Straße zwischen Ober-Roden und Eppertshausen total abgesperrt. Wir mussten drehen und über Urberach fahren“, erinnern sich Gabriele und Uwe Oberhack. Die Polizei hätte keinerlei Gründe und Informationen preisgegeben. Erst am nächsten Tag sei klar gewesen, was vorgefallen war. Die Erzieherin und der Maschinenbautechniker wohnen in der Schulstraße und damit um die Ecke des „Touch Down“, wo sie öfters mal zum Dartspielen verweilten. Frauke Iloge blieben jene Stunden in Erinnerung, als sie bei Geburtstagen oder Jubiläen als Bedienung im „Touch Down“ aushalf. Marius Murmann, Verwaltungsmitarbeiter und Feuerwehrmann, weiß zu berichten, dass die Aktiven einmal nach einem Einsatz in Brians Kneipe kamen und alle Getränke für das geleistete, ehrenamtliche Engagement aufs Haus gingen. Sogar in die Feuerwehr sei Brian danach eingetreten. „Jetzt wo er weg ist, fragen sich viele aus der jüngeren Generation, was in Eppertshausen zum Ausgehen noch bleibt“, sagt der 28-Jährige.

Archivbilder

Übung der Feuerwehren Eppertshausen und Münster: Bilder

Der Abschied von Brian erlebte am Wochenende eine beeindruckende Resonanz. „Die Kirche ist selten so voll“, bemerkte ein Besucher. In der Halle im Industriegebiet hatte man auf einem Tisch eine Karten- und Spendenbox für Sohn Christopher platziert. Daneben war ein Foto von Brian Paxten und Kerzen. Das Bild wurde von zwei Whiskyflaschen eingerahmt. Sie erinnerten bewegend an ein außergewöhnliches Eppertshäuser Original, in dessen Kneipe viele unvergessene Stunden verbracht wurden. Nicht nur in Bezug auf „Brianachten“ war der Tenor am Wochenende klar: Das „Touch Down – und allen voran die persönliche Art von Brian Paxten – wird Eppertshausen in Zukunft mehr als fehlen.

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