Viel Arbeit trotz trügerischer Ruhe

Feuerwehr hat einsame Dienste

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Und ständig gibt es was zu desinfizieren: Marius Murmann, stellvertretender Ortsbrandinspektor in Eppertshausen, weiß von den einsamen Arbeiten der Feuerwehrleute ein Lied zu singen.

Eigentlich läuft derzeit alles sehr ruhig bei der Freiwilligen Feuerwehr. Doch ist dies in Zeiten der Corona-Pandemie auch gleichsam ein Problem. Es ist eine trügerische, nervlich belastende Ruhe. 

Eppertshausen - Der Ausnahmezustand beunruhigt, führt zu ungewohnt einsamen Abläufen. Darüber berichtet unserer Zeitung Marius Murmann, stellvertretender Ortsbrandinspektor in Eppertshausen, der hauptberuflich als Leiter des Parlamentarischen Büros im Rathaus momentan wegen des Virus seine Arbeit im Feuerwehrgerätehaus versieht.

Seit dem 16. März haben gerade einmal vier Einsätze die Feuerwehr auf den Plan gerufen. Sehr wenig war los seit dem großen Lockdown für die Brandschützer und Einsatzleute: Ein Heckenbrand, einmal eine Fahrt durch den Ort für Lautsprecherdurchsagen, ein kleiner Brand von Dämmmaterial und ein Hilfseinsatz für die Polizei. Das war‘s auch schon. Und dies fand dann auch noch unter den ganz besonderen Umständen der Corona-Krise statt, denn die Pandemie fordert gerade von der Wehr besondere Vorsichtsmaßnahmen.

Seit fünf Wochen gelten die „Handlungsempfehlungen zur Sicherstellung des Dienstbetriebs“, erstellt von den Innenministern der Bundesländer. Auch Beschäftigte von nicht-medizinischen Hilfeleistungsunternehmen und Einsatzkräfte der Feuerwehr sind durch die Art ihrer Tätigkeit besonders betroffen von der Ausbreitung des Coronavirus. Und zu den Fragen „Wie können sie sich schützen und was können Feuerwehren und Hilfeleistungsorganisationen tun, um die eigene Arbeitsfähigkeit aufrecht zu erhalten“, haben sich die Verantwortlichen in den Ministerien einiges einfallen lassen.

Kommt das Virus auf welchen Wegen auch immer in einen Feuerwehrverein, setzt es ihn schachmatt. „Deshalb sind gerade unter den so wichtigen Einsatzkräften die Kontakte auf das Nötigste zu beschränken“, sagt Murmann.

Und genau dies tue richtig weh. „Wir gehen doch gern zur Feuerwehr“, bekräftigt der überzeugte Floriansjünger. Und zwar nicht nur zu Einsätzen, sondern eben auch in die Schulungen, zu den Übungen, an die Wartungsarbeiten und in die Abteilungen bei geselligen Anlässen. Letztere sind komplett gestrichen, erstere aufs Minimalste heruntergefahren worden. Doch auch hierfür ist im Vorfeld eine immense Logistik zu stemmen.

Zunächst einmal mussten die Vorräte an Schutzausrüstung sichergestellt werden. Waren Anfangs die benötigten Mund-Nase-Schutzmasken für den Kontakt untereinander etwa in Fahrzeugen noch knapp, so wurde sukzessive aufgerüstet, sagt Murmann, auch an Handschuhen und Schutzbrillen sei man mittlerweile gut versorgt.

Doch kommt es zu einem kleinen Einsatz wie beispielsweise dem relativ harmlosen Heckenbrand, sei alles viel komplizierter und aufwändiger als früher: „Es dürfen nur noch sechs Leute in einem Einsatzwagen fahren, mit dem zuvor neun Mann transportiert werden konnten.“ Die Abstandswahrung bedinge dies. Was bedeutete, dass zum Buschbrand vier Autos ausrückten, wohin im Normalfall zwei gefahren wären.

Doch nicht nur hier wird hoher Aufwand betrieben. Auch wenn die Ausrüstung der Wehr wenig genutzt wird, will sie gewartet sein. Beispielsweise stand jetzt turnusgemäß die Prüfung der Wandbrandausrüstung an. „Normalerweise machen das mehrere Kameraden miteinander. Jetzt schauten wir nur zu zweit unter Einhaltung des nötigen Abstands alles durch. Schwierig und wenig die Kameradschaft förderlich“, sagt Murmann.

Doch ist dies nur ein kleines Beispiel: Aggregate der Wehr müssen auch in Zeiten laufen, in denen Gruppenübungen wegen der Pandemie abgeblasen werden müssen. Das Wasser in den Löschfahrzeugen, sonst immer mal bei Jugendübungen oder denen der Einsatzabteilungen ge- und verbraucht, muss nun gewechselt werden, damit es nicht etwa brackig wird in den Tanks. Die Schläuche obliegen Prüfungsintervallen, die Warngeräte und viele andere Werkzeuge müssen auf ihre Tauglichkeit hin untersucht werden.

Und dem großen Fuhrpark der Feuerwehr obliegt ebenfalls in Pandemiezeiten großes Augenmerk. Nach jeder Fahrt und jeder Überprüfung muss alles, was berührt wurde, auch wieder desinfiziert werden. Das gilt für Lenkräder und Türgriffe, aber ebenso für die vielen Hebel und Halter, die mit den unzähligen Geräten solcher Wagen verbunden sind. Und immer sorgt sich ein Feuerwehrmann allein auf weiter Flur um solche Aufgaben, des Abstand haltens wegen.

Es muss einiges getan werden, um die nötige Einsatzbereitschaft herzustellen. Auf rund 40 Feuerwehr-Einsatzkräfte kann Eppertshausen zurückgreifen, an den Kreis kann die Gemeinde derzeit sogar 20 Kräfte melden, „fast doppel so viele wie sonst“, sagt Murmann. Weil viele Wehrleute derzeit im Homeoffice sitzen, ist dies möglich.

Von Thomas Meier

In Eppertshausen (Kreis Offenbach) sollen Eltern für die Corona-Notbetreuung in Kitas bezahlen.

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