Nach sechs Wochen

Eppertshausen: Friseursalon wieder geöffnet - Strenge Maßnahmen gegen Corona

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Gewöhnungsbedürftiger Anblick: Maskenträger im Friseursalon von Harald Kolb.

Seit 1930 werden an der Eppertshäuser Hauptstraße Haare geschnitten. Schon der Vater und auch der Urgroßvater von Harald Kolb übten diesen Beruf aus. Momentan liegen Arbeitsbedingungen vor, die es in der Firmengeschichte noch nie gegeben hat. 

Eppertshausen – Zum Ungewohnten gehören – neben den Nase-Mund-Schutzmasken – nicht zuletzt Kunden, die nach sechs Wochen coronabedingter Schließung selten so froh waren, von einem Friseur bedient zu werden. Mit „Was für ein Glück!“, bringt es am Montag eine Seniorin im Salon von Kolb auf den Punkt.

Corona-Maßnahmen sorgen für Spannung im Friseursalon

Am Montagmorgen liegt Spannung in der Luft des Salon Kolb. „Die Vorgaben zum Schutz vor Corona im Friseurhandwerk sind äußerst umfangreich. Da macht sich fast schon ein wenig Angst breit, dass man auch alles richtig umsetzt“, sagt Inhaber Harald Kolb. Hinzu kommt die Kundenlawine, die auf ihn und seine zwei Angestellten hereinbrechen wird. 18 Anmeldungen hat er alleine bei den Herren zwischen 8 und 18 Uhr zu bewältigen. Um die Ecke im Damenbereich, wo Andrea Heilmann und Jessica de Kaste agieren, hat sich die gleiche Menge angekündigt.

Friseure mussten wegen Corona wochenlang schließen

Sechs Wochen mussten die Friseure in ganz Deutschland schließen. Seit Wochenbeginn darf wieder geschnitten, gewaschen, gelegt oder gefönt werden. Mit der Öffnung ist ein riesiger Berg von Vorschriften verbunden, die der Salon Kolb von der Innung per E-Mail erhalten hat. Dazu gehört unter anderem, dass sowohl Friseur und Kunde eine Maske tragen müssen oder dass jeder Kunde die Haare gewaschen bekommt. Auch existieren keine Wartebereiche mehr, womit dichtes Nebeneinandersitzen vermieden wird. Ohne Anmeldung geht erst mal nichts mehr. „Das ist für uns ziemlich ungewohnt. Wir haben sowohl bei den Herren als auch bei den Damen immer ohne Termin gemacht“, erläutert der Eppertshäuser Barbier. Kommt es trotz Termins doch zu einer Wartezeit, hat man in der Hauptstraße zumindest einen „Notsitz“ parat, auf dem sich alleine und abseits des Geschehens die Zeit überbrücken lässt.

Strenge Corona-Vorgaben im Friseursalon

Zu den weiteren Vorgaben zählt, dass jeder Kundenname aufgeschrieben werden muss um bei einem Corona-Fall den Virus-Träger zurückverfolgen zu können. Ebenfalls neu: Jeder Kunde erhält einen frischen Umhang. „Glücklicher Weise haben wir genug Umhänge, trotzdem läuft im Prinzip permanent die Waschmaschine“, weiß Andrea Heilmann. Wie ihre Kollegin findet sie das Arbeiten mit Maske etwas beklemmend: „Man kriegt beim Arbeiten kaum Luft und regelmäßig Hitzewallungen. Damit ist eine enorme Umstellung verbunden.“ Für ihren Chef ist das Maske-Tragen eine noch größere Herausforderung: „Ich mag es nicht eingeengt und habe bisweilen Platzangst. Das macht die Sache äußerst unangenehm“, sagt der 60-Jährige. Die neuen Maßnahmen bleiben nicht ohne Zusatzkosten, etwa bei den Desinfektionsmittel. Doch werden diese durch Preiserhöhungen auch umgelegt? „Wir berechnen lediglich drei Euro mehr fürs Haarewaschen. Das entspricht unserem gewohnten Preis“, informiert der Friseurmeister.

Wiedereröffnung trotz Corona: Fazit nach wochenlanger Schließung des Friseursalons

Am Montagabend zieht Harald Kolb ein erleichtertes Fazit unter den ersten Arbeitstag nach der sechswöchigen Schließung. Das Einhalten der vielen Vorschriften habe trotz einem mulmigen Gefühl gut geklappt und auch der Ansturm wurde bewältigt. „Meine Einteilung mit fünf bis zehn Minuten Freiraum zwischen den Kunden hat es mir ermöglicht, dass ich die Maske immer mal wieder absetzen und durchatmen konnte“, sagt der Eppertshäuser. Trotzdem sei er geschafft und freue sich riesig auf den Moment, wenn er endlich im Bett oder auf der Couch „alle Viere“ von sich strecken kann.

VON MICHAEL JUST

In Eppertshausen (Kreis Offenbach) sollen Eltern für die Corona-Notbetreuung in Kitas bezahlen.

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