Gemeinden bitten Bürger um Hilfe

Alles lechzt nach Wasser

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Münster überlässt das Ergebnis ihrer speziellen Aussaat auf den Verkehrsinseln seit Tagen bereits sich selbst. Auch die sonst so starken Sonnenblumen lassen nur noch die Köpfe hängen in der Hitze.

Eppertshausen/Münster - Die Trockenheit der vergangenen Wochen fordert ihren Tribut: Die Entnahme von Wasser aus der Gersprenz ist verboten, kann wegen drohendem Fischsterben mit Strafen geahndet werden. Von Thomas Meier

In Eppertshausen bittet die Verwaltung die Bürger um Hilfe beim Bewässern der Gemeindebäume, in Münster werden keine Pflanzinseln oder Blumenkübel mehr mit frischem Nass versorgt.
Der Wasserverband Gersprenz sowie die Untere Naturschutzbehörde weisen darauf hin, das die Entnahme von Wasser aus der Gersprenz aufgrund des niedrigen Wasserstandes „bis auf Weiteres untersagt“ ist. Und das Regierungspräsidium in Darmstadt bekräftigt, dass Zuwiderhandlungen geahndet werden können: „Das normalerweise zulassungsfreie Entnehmen von Wasser aus der Gersprenz und allen ihren zahlreichen Nebenarmen ist momentan wasser- und naturschutzrechtlich unzulässig.“ Wer seinen Garten mit Gersprenzwasser gieße, verschärfe die bedrohliche Situation für Fische, Krebse, Muscheln und Schnecken.

Sebastian Deffner vom Bauhof Eppertshausen goss gestern den ganzen Tag auf bepflanzten Gemeindeflächen und vor allem dürstende Bäume. Doch sickert das Wasser wie hier auf der Verkehrsinsel am Ortseingang kaum noch in den steinhart gewordenen Boden ein. -  Fotos:

In ganz Hessen besteht derzeit hohe Wald- und Wiesenbrandgefahr. „Aufgrund der fehlenden Niederschläge in den letzten Monaten ist auch der Boden unseres Gemeindewaldes und der landwirtschaftlichen Flächen sehr trocken,“ erklärt Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann. Um einen Wald- oder Wiesenbrand in Eppertshausen zu verhindern, bittet er, im Wald weder zu rauchen noch brennende Zigaretten wegzuwerfen. Alle Waldbesucher werden zudem aufgefordert, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren: „Autos dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen“, rät der Feuerwehrmann.

Und den Verwaltungschef treibt die Sorge um, schaut er auf die gemeindeeigenen Bäume: „Aufgrund des ausbleibenden Regens machen viele der Schattenspender den Eindruck, als ob ihnen ein ordentlicher Schluck Wasser bei der aktuell anhaltenden Hitze mal ganz gut tun würde. Es wäre aber eine nicht lösbare Aufgabe für den Bauhof alle Bäume und Grünflächen zu wässern.“

Eppertshäuser, die vor der Haustür einen Baum oder eine Grünfläche haben, verrichteten ein gutes Werk, wenn sie ihm täglich oder alle paar Tage mehrere Eimer Wasser spendierten, befindet Helfmann. Auch wenn damit der Flüssigkeitsbedarf nicht komplett gedeckt sei, werde dadurch zumindest die Umgebung der Wurzeln etwas abgekühlt und die weitere Verdunstung reduziert.

Anke Otto unterstützt die Gemeinde schon lange bei der Bewässerung. Die Bäume um ihr Haus im Niederfeld sind gut versorgt.

In der Nachbargemeinde fiel als erstes die „Münsterer Mischung“, respektive die zahlreichen damit eingesäten Verkehrsinseln und Pflanzkübel der Wasserknappheit zum Opfer. Die Mischung mit dem Ortsnamen ist eine exklusive Samenmixtur bunter Wildblumen, zusammengestellt von Gemeindegärtner Stephan Simon. Sie lässt jedes Jahr die Verkehrsinseln im Ort in bunten Farben erstrahlen und für diese blühenden Landschaften gibt es regelmäßig viel Lob von Einheimischen und Besuchern. Die fällt zumindest die nächste Zeit wohl aus, denn für schmucke Verkehrsinseln ist das Wasser momentan einfach zu knapp.

Wie es aus der Verwaltung heißt, würden vom gemeindlichen Bauhof derzeit nur noch diejenigen Bäume bewässert, die Gefahr liefen, zu vertrocknen. Auch das Sicherheitsrisiko gebiete es, zumindest innerörtlich auf die Standsicherheit großer Bäume zu achten. Im Baumkataster Münsters sind rund 4500 Bäume verzeichnet, in der Kerngemeinde 3895, um die sich die Verwaltung zu kümmern hat. „Freilich freuen wir uns da über jeden Bürger, der uns bei der Pflege hilft“, heißt es aus dem Rathaus.

Schwere Unwetter und extreme Waldbrandgefahr

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