Zeppeliner im Griene Boam

Odenwaldklub Eppertshausen zelebriert seinen 100. Geburtstag

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Fast auf den Tag genau 100 Jahre nach der Gründung des Odenwaldklubs lud der Verein zur Gründungsfeier am „Grünen Baum“. Dort trat auch die Volkstanzgruppe auf.

„Es Wirtshaus zum Griene Boam“ war in Eppertshausen ein Ort, der Geschichte prägte. In der Gaststätte in der Schulstraße traf man sich zum Plaudern und zum Kartenspiel, zum Singen und Zuprosten.

Eppertshausen –  Mancher wärmte sich an einem kalten Winterabend am Ofen die Füße, und man erfuhr im „Grünen Baum“ stets Neues aus dem Ort.

Für den Odenwaldklub (OWK) Eppertshausen hat die einstige Gaststätte eine ganz besondere Bedeutung, denn hier wurde die Ortsgruppe aus der Taufe gehoben. Am 9. September 1919 gründete der Wirt des „Grünen Baums“, Balthasar Müller, mit Bernhard Gruber, Johann Krickser, August und Josef Müller, Adolf Müller, Jakob Murmann und Jakob Sattler die „Sportgesellschaft Zeppelin“.

Zeppelin deshalb, weil im frühen 20. Jahrhundert die Entwicklung in der Fliegerei begann und die Menschen sich stark für die Flugpioniere und die neuen Objekte am Himmel interessierten. Auch in Eppertshausen. Noch100 Jahre nach Gründung des Vereins werden die Mitglieder des heutigen Odenwaldklubs „die Zeppeliner“ genannt.

Die Sportgemeinschaft hatte zunächst Aktivitäten wie Fußball und Turnen sowie die Pflege der Geselligkeit im Ort als Hauptziele formuliert. Am 1. Mai im Jahr 1920 trafen sich die Mitglieder erstmals zu einer gemeinsamen Wanderung. Von der Tour in den Spessart waren die Wanderer so begeistert, dass nun das Wandern und die Heimatpflege den Fußball und das Turnen als Vereinszwecke ablösten.

In den folgenden Jahren unternahmen die „Zeppeliner“ mehrere größere Fahrten – natürlich mit der Bahn und dem Fahrrad. Die Gitarren und Mandolinen, die der Verein schon zwei Jahre nach der Gründung angeschafft hatte, taten hierbei gute Dienste. Denn die Zupfmusik begleitete viele Wanderungen, und das ist bis heute so geblieben. Das Mandolinenorchester des Eppertshäuser Odenwaldklubs hat in der Vereinsgeschichte schon viele Veranstaltungen musikalisch umrahmt und eigene, Konzerte gegeben.

Zur Jubiläumsfeier am Sonntag hatten die OWKler vor dem ehemaligen Wirtshaus in der Schulstraße ein Banner gespannt, auf das ein Bild der Kerb aus dem Jahr 1923 gedruckt war. Dort spielte nun das Orchester unter Leitung von Katja Berker auf und die Gäste waren eingeladen, Lieder wie die heimliche Vereinshymne „Wir sind die Zeppelins Leut´“ mitzusingen. Auch die Gruppe „Saytensprung“, die sich aus einigen Mitgliedern des Mandolinenorchesters zusammensetzt, trat zum Jubiläum auf und erklärte musikalisch und humorvoll, wo die Spitznamen einiger Eppertshäuser ihren Ursprung haben.

Das Orchester nahm mehrfach und erfolgreich an Mandolinenwettbewerben des Wanderverbands teil. Auch die Volkstanzgruppe im Odenwaldklub Eppertshausen ist bekannt für ihre farbenfrohen und traditionellen Auftritte. Am Sonntagnachmittag zeigten die Tänzerinnen und Tänzer ihren Bändertanz erstmals in neuen, selbst geschneiderten Trachten.

Wanderer, Musiker und Tänzer gehören seit 1933 zum Odenwaldklub. Davor hatte der Verein bereits einmal seinen Namen geändert und nannte sich „Wanderklub 1919 Eppertshausen“. Das Vereinsleben ruhte während des Zweiten Weltkriegs, aus dem auch einige OWK-Mitglieder nicht mehr zurückkehrten. 1946 wagte der Eppertshäuser Odenwaldklub einen Neuanfang. Jugendliche kamen hinzu, Musik, Gesang und Volkstanz wurden wiederbelebt.

Heute hat der Odenwaldklub unter Vorsitz von Norbert Anton zudem eine überaus aktive Naturschutzgruppe, die zwei Biotope betreut und Zahlen über die Bestände der Tierarten dort liefert. Nachdem Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann dem Vorsitzenden einen Scheck über 1 000 Euro für die Jugendarbeit des Vereins überreicht hatte, zog die Festgesellschaft zum Haus der Vereine weiter.

Dort wurde 100 Jahre nach der Gründung ein Jubiläumsbaum gepflanzt, gezogen aus einer Stieleiche, die die „Zeppeliner“ schon im Jahr 1919 gesetzt hatten.  

zeta

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