Offene Rathaustür für Kinderrechte

Mira-Lobe-Schüler lernen zum Jubiläum der UN-Konvention was fürs Leben

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Wie man seine Rechte einfordern kann, lernten Mira-Lobe-Schüler gestern im Sitzungssaal des Eppertshäuser Rathauses. 

Jedes Kind hat das Recht auf Äußerung und Berücksichtigung seiner Meinung: Heute jährt sich die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention zum 30. Mal. 

Eppertshausen – An der Schule mit Förderschwerpunkt Sprachförderung wurden die Kinderrechte bereits seit einigen Wochen thematisiert. Getreu dem Motto, „nicht für die Schule ...“ wurde das Gelernte auch gleich lebensecht umgesetzt: Gestern Morgen statteten 15 Schüler dem Bürgermeister im nahegelegenen Rathaus einen Besuch mit Plakaten und einer Bitte ab. Im Sitzungssaal des Kommunalparlamentes lernten sie dann gleich noch viel mehr: angewandte Demokratie.

Lehrerin Viola Gantner wollte die Kinderrechte nebst ihrem Jubiläum nicht nur feiern: „Gemeinsam mit meiner Ethik-Lerngruppe habe ich mich entschieden, bis zum Tag der Feierlichkeiten allen Kindern der Mira-Lobe-Schule ihre Rechte näher zu bringen.“ So wurden bereits Plakate zu den einzelnen Kinderrechten in der Schule gemacht und aufgehängt.

Und nicht nur als Wandschmuck sollten die Plakate dienen. Gestern nahmen 15 Kinder im Grundschulalter sie in die Hand, um in einem – freilich angemeldeten – Protestmarsch laut demonstrierend vom Niederfeld auf den Franz-Gruber-Platz zum Rathaus zu laufen, laut skandierend: „Kinder haben Rechte, Kinder haben Rechte!“

Vor den Rathaustüren rief die Lehrerin noch kurz zur Ordnung: „Wir wollen freundlich empfangen werden. Was sagen wir?“. Die Antwort kam stante pede: „Gude morsche!“ Und genau dies kam bei Bürgermeister Carsten Helfmann an. Er begrüßte seine muntere Gästeschar, um sie gemeinsam mit Jugendpflegerin Stephanie Groh in den „Saal der Entscheider“ zu führen. Und dort wartete der Amtschef gar mit trefflichem Gastgeschenk auf: Einem Bildband des Bundes-Jugendwerks der AWO. Titel: Wir Kinder haben Rechte. Die „Kinderrechte in leichter Sprache“ dienten so auch gleich als Diskussionsgrundlage.

„Hier werden wichtige Entscheidungen getroffen“, bat der Bürgermeister die staunenden Kinder, Platz zu nehmen: „Beispielsweise, ob die Mira-Lobe-Schule einen Scheck für eine Unternehmung bekommt. Oder ob ein Kinderspielplatz neu gebaut wird, oder aber zunächst der Bolzplatz saniert werden muss“, verdeutlichte Helfmann das Dilemma, in dem Lokalpolitiker manchmal stecken können.

54 Artikel hat der weltweit gelten sollende Vertrag über die Rechte des Kindes. Sie wurden nicht alle in der lockeren Runde erörtert, doch die wichtigsten kamen schon zur Sprache: Recht auf gesundes Essen, niemand darf einem Kind wehtun, Kinder sollen sicher aufwachsen. Und freilich wurde einem Artikel in solch symbolträchtigen Raum besondere Aufmerksamkeit geschenkt; Nummer 12: „Du sollst mitentscheiden können.“

Überraschung: Auch damit rannten die Besucher bei Helfmann offene Rathaustüren ein. Die Kinder kamen mit dem Wunsch, einmal einen Spieltag gemeinsam mit Stephanie Groh ausrichten zu dürfen. „So einen, wie es früher schon mal bei Aktion Schule-im-EM-Fieber gegeben hat“, sagte ein Mädchen. Sie hatte wohl vom älteren Bruder davon gehört.

Untermauert wurde der Herzenswunsch mit vielen Bildern, die zum Ereignis gemalt worden waren. Vor allem viel Fußball müsse es geben, sagte Noah, ein Quiz ums Leder wäre fein. Alexandra mahnte eine Snack-Ecke an und Ahmed erinnerte, dass auch ein Erste-Hilfe-Stand nicht fehlen sollte.

Die Wünsche hörte Helfmann wohl, allein – er hatte auch eine Bitte: „Würdet ihr dabei auch alle mithelfen? Wenn ja, bin ich dabei.“ Hellauf begeistert war die Gästeschar, gleich wurde ein Termin mit der Jugendpflegerin und dem Bürgermeister festgeklopft. Da half auch der Einwand von Lehrerin Gantner nicht viel, dass doch zunächst Schulleiterin Jutta Meier auch noch ihr Okay geben müsse. Jubelnd wurde der Termin auf den 10. Juni gelegt. „Um 8.30 Uhr geht’s am Jugendzentrum und dem Bolzplatz los.“ Mit dieser guten Nachricht lässt es sich heute noch mal trefflich über Kinderrechte in der Mira-Lobe-Schule debattieren.

VON THOMAS MEIER

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