Tim Petersen

Als Internationaler Meister Entwicklungshilfe leisten  

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Tim Petersen ist keiner, der Staub aufwirbelt, aber ein Maurer, der weiß, dass Handwerk goldenen Boden hat und auch in Entwicklungsländern auf fruchtbaren Boden stoßen wird.

Eppertshausen - Nach Abitur, Maurerlehre, Meisterlehrgang, Ausbildung zum Restaurator und Abschluss zum Betriebswirt steht Tim Petersen nun der Sinn nach mehr: Er baut seinen „internationalen Meister“. Dazu zieht es den Eppertshäuser gen Afrika: Am 15. September geht er für ein Ausbildungsprojekt nach Sambia. Von Thomas Meier 

Auf eigenen Füßen stehen, die Welt kennenlernen, aber bodenständig bleiben – dies alles versteht der in Dieburg geborene und Eppertshausen aufgewachsene Tim Petersen unter einen Hut zu bringen. Der 26-Jährige besuchte die Stephan-Gruber-Schule, die Aue-Schule in Münster und baute sein Abi in der Alfred-Delp-Schule in Dieburg. Sein elftes Schuljahr absolvierte er in Minnesota. Nahe Minneapolis wollte er sein „Englisch aufbessern, eine andere Kultur kennenlernen und etwas für die persönliche Entwicklung tun“, sagt der allem gegenüber Aufgeschlossene.

Nach dem Abi hatte er wohl auch von der Schule zunächst einmal genug. Sein Vater hatte 1990 in Eppertshausen sein Bauunternehmen Lars Petersen gegründet, und Sohn Tim verdiente sich als Teenager „am Bau“ schon mal ein wenig zum Taschengeld hinzu. „Ich wusste also, was auf mich zukommt, als ich eine Maurerlehre bei Rodemich und Eckert in Langstadt begann“, sagt der handwerklich Vorbelastete. Direkt nach dem Abi griff er dort im August 2011 zu Hammer, Kelle und Wasserwaage, um nach zwei Jahren – durch die Fachhochschulreife verkürzte – Ausbildung als Innungsbester abzuschließen.

Auch hiernach keine Pause: Wollte er aus verständlichen Gründen nicht beim Vater in die Lehre gehen, so war von Anfang an klar, dass er den elterlichen Betrieb einmal ausgebildet freilich unterstützen wird. Mit der Arbeit dort begann er 2013 gleichzeitig, seinen Meister zu bauen. Nach eineinhalb Jahren war auch diese Prüfung, abgelegt bei der Handwerkskammer Rhein-Main, mit bestem Zeugnis bepackt.

„Nun war ich also Meister im Betrieb meines Vaters, ohne so recht berufliche Erfahrung vorweisen zu können“, sagt Petersen, der sich fortan auf etlichen Baustellen tummelte. Doch nicht, ohne nach Weiterbildung zu schauen: Restaurator im Maurerhandwerk zu werden war sein nächstes Ziel, wozu er die Propstei Johannesberg der Handwerkskammer Kassel bei Fulda aufsuchte. Die fachrichtungs- und gewerkeübergreifende Restauratorenfortbildung für die Meister des Maurerhandwerks beschäftigte ihn ein halbes Jahr. Und Ende 2016 begann der Wissbegierige dann seine Ausbildung zum Betriebswirt bei der heimischen Handwerkskammer, die er im Oktober 2017 abschloss.

Denke nun keiner, es reichte dem Lernbegierigen irgendwann einmal. Bei seinen zahlreichen Ausbildungswegen hörte er auch vom „Internationalen Meister“. Und er dachte zunächst, dies sei wohl etwas für jene, die sich auch für gehobene und gut dotierte Jobs im Ausland fit machen wollen. Als er dann aber recherchierte und ihm klar wurde, dass dies eher was mit Entwicklungshilfe zu tun hat, war er gleich noch mehr Feuer und Flamme für diesen Fortbildungsweg. Auch wenn ihm schlagartig bewusst wurde, das solche internationalen Meister nichts mit Meisterverdienern gemein haben: „Ich wusste aber sofort, dies bringt mich persönlich in meiner Entwicklung weiter.“

Die zehnmonatige berufsbegleitende Fortbildung, die Petersen im Januar in Weiterstadt begann, bereitet Handwerksmeister darauf vor, ihre praktischen Kenntnisse bei Einsätzen in Entwicklungs- und Schwellenländern einzubringen. „Handwerk schafft weltweit Beschäftigung und Einkommen“, sagt der Eppertshäuser, und dies sei heute wichtiger denn je. Gerade in Entwicklungsländern brauchen Menschen Perspektiven, um sich eine Zukunft aufbauen zu können. Für ihn ist dies „die beste Art der Fluchtverhinderung“.

Bilder: Passionsspiele in Eppertshausen

Nun, am 15. September geht es für den Entwicklungshelfer Petersen auf nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Dort lehrt er in einem Ausbildungszentrum – „Nicht zu vergleichen mit unseren, eher eine Lagerhalle mit ein paar Werkzeugen“ – junge Afrikaner das Maurerhandwerk. Über seinen Einsatz muss der Eppertshäuser berichten, dies ist Teil seiner Abschlussarbeit für diesen Meistertitel. „Ich muss schauen, was dort geht und was nicht, wie die Situation zu verbessern ist und wie man mit unserem Wissen die Menschen dort weiter bringt“, sagt der Meister in gespannter Vorfreude.

Verdienen wird er in Sambia nichts, im Gegenteil, er nimmt Urlaub. Nur die Unkosten für Flug und Unterbringung werden erstattet. „Wenn ich mal mehr weiß über Entwicklungshilfe und mich eingearbeitet habe, dann kann ich bei späteren Einsätzen auch mal mit Entlohnung rechnen“, sagt der Entwicklungshelfer in spe.

Dass sein erster nicht auch sein letzter Einsatz in solcher Mission sein wird, steht für Tim Petersen schon heute fest.

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