Neue Besitzer hoffen noch

Corona trifft Gastronomen hart: Wie geht die Thomashütte mit der Krise um?

Die Thomashütte in Eppertshausen in der Corona-Krise.
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Die Thomashütte in Eppertshausen in der Corona-Krise.

Seit Oktober 2019 betreiben Jens Kleiner und Ilhan Erdogan die Thomashütte nahe Eppertshausen.

  • Unter der Coronavirus-Pandemie leidet die Wirtschaft in Hessen massiv
  • Gastronomen sind besonders betroffen
  • Wie gehen die neuen Besitzer der Thomashütte in Eppertshausen mit der Corona-Krise um?

Eppertshausen – Seit Jahresbeginn ist der Gutshof an der Kreisstraße zwischen Eppertshausen und Messel, zu dem Restaurant, „Pavillon“, Eventscheune und ein riesiger Außenbereich gehören, vom vorherigen Eigentümer Peter Possmann in den Besitz der beiden Investoren übergegangen. Schon 2018 erwarb das Duo gegenüber dem Eppertshäuser Sportgelände zudem das Hotel und Restaurant Johannishof. Unsere Zeitung wollte wissen: Wie gehen die beiden Unternehmer mit der Corona-Krise um – und welche Auswirkungen hat sie schon jetzt auf Thomashütte und Johannishof?

Corona-Krise in Eppertshausen: Im April wollte die Thomashütte durchstarten

Gerade wollten Kleiner und Erdogan mit der Thomashütte so richtig loslegen. Die bisherigen Monate mit dem Betrieb der dortigen Gaststätte waren eher der Prolog. „Die Thomashütte lebt vom schönen Wetter“, sagt Kleiner. „Im April und Mai wollten wir durchstarten.“ Zwar sei das Geschäft drinnen im Dezember gut gelaufen, „wir hatten viele Weihnachtsfeiern“. Januar und Februar seien die erwartet ruhigen Monate gewesen. Anfang März verbreitete die Thomashütte frühlingshafte Aufbruchsstimmung, wollte mit der Außenbewirtung Fahrt aufnehmen, rüstete sich für den Ansturm etwa am 1. Mai und am Vatertag. 

Beide Tage fallen für das Ausflugsziel nun weitgehend flach. Weitgehend, weil die Thomashütte täglich von 11 bis 20 Uhr zumindest einen Abhol- und Lieferservice anbietet und auch Radfahrern und Wanderern Bratwurst, Eis und Co. „to go“ über die Fensterbrüstung reicht. „Man darf sich damit allerdings nicht länger bei uns aufhalten“, betont Kleiner. Am sonnigen ersten April-Wochenende habe man so eine Reihe von Kunden bedient. Der Lieferservice werde derweil „wenig“ nachgefragt.

Thomashütte in Eppertshausen in der Corona-Krise: Hochzeiten und Geburtstage komplett storniert

Trotzdem halten die neuen Betreiber des Gutshofs, dessen Geschichte bis ins Jahr 1698 zurückreicht, an den üppigen Öffnungszeiten fest. „Wir sind ja neu und wollen für die Gäste da sein.“ Kontinuität soll Vertrauen schaffen, das der vorherige Betreiber gegen Ende seiner Geschäftstätigkeit verspielt hatte. Den „Neuen“ wollten die Menschen aus Eppertshausen und Umgebung in den nächsten Monaten mit einigen größeren Privatveranstaltungen eine Chance geben.

„Für April und Mai sind Hochzeiten, Konfirmationen und Geburtstage leider komplett storniert“, bedauert Kleiner deshalb besonders. Und: „Ein 50. Geburtstag wird auch nicht ein paar Monate später nachgeholt.“

Das Duo Ilhan Erdogan (links) und Jens Kleiner besitzen und betreiben bei Eppertshausen die Thomashütte und den Johannishof. Sie hoffen auf schnelle Lockerungen der Vorschriften für Gastronomiebetriebe und Hotels.

Stichwort „Monate“: Wie lange die Thomashütte das Verbot der Vor-Ort-Bewirtung noch verkraften könne? „Es wäre wichtig, in einem Monat wieder zu öffnen“, sagt Kleiner. „Wenn das noch zwei oder drei Monate so weitergeht, wird es hingegen schwierig.“ Dann sei vom Saisongeschäft bereits zu viel abgegraben, das man es danach nicht mehr retten könne. Kosten könne man auch nur bedingt reduzieren, zumal als Eigentümer.

Eppertshausen: Thomashütte in der Corona-Krise – Investitionen fallen weg

Im Gegenteil: Eigentlich wollten und müssten Jens Kleiner und Ilhan Erdogan weiter in den Gutshof und das Areal investieren. „Wir haben die Thomashütte ja in keinem so guten Zustand übernommen und wollten nach der Gaststätte jetzt auch die anderen Gebäude herrichten. Momentan können wir aber nur Dinge machen, die kein Geld kosten.“

Zumindest im Johannishof im Eppertshäuser Norden sieht es für die beiden Geschäftsleute aktuell etwas besser aus. „Das Restaurant ist zwar geschlossen, das Hotel aber noch ganz gut ausgelastet“, berichtet Erdogan. Von den 50 Zimmern sind noch einige belegt, „weil unsere Klientel hauptsächlich aus Monteuren besteht“. Die dürfen weiter auch abseits ihrer Heimat arbeiten und in Hotels übernachten. „Das rettet uns.“

Freilich hoffen die beiden Betreiber, möglichst schnell wieder mit weniger Beschränkungen unternehmerisch tätig sein zu dürfen. Immerhin: Im Falle von Lockerungen könnten sie den Betrieb sehr schnell wieder hochfahren: „Das Personal ist in Wartestellung, den Einkauf könnten wir innerhalb von ein, zwei Tagen erledigen.“

VON JENS DÖRR

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