Erst 23 Jahre alt

Vincent Krampol ist zum Oldtimer-Restaurator berufen

Vincent Krampol (rechts) und Karosserie- und Fahrzeugbauer Nick Zimmer bauen einen alten EMW wieder auf.
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Vincent Krampol (rechts) und Karosserie- und Fahrzeugbauer Nick Zimmer bauen einen alten EMW wieder auf.

Vincent Krampol aus Heusenstamm erarbeitet sich mit Energie und Transparenz anspruchsvollen Kundenstamm.

Eppertshausen – Er ist mit 23 Jahren ein ganz Junger in einer Branche, die sich intensiv mit Oldtimern beschäftigt, und doch bekommt Vincent Krampol wertvolle Schätzchen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland in seinen „Fachbetrieb für historische Fahrzeuge aller Hersteller“ in die Oberwaldstraße 4 gebracht.

 Seine Karriere als Restaurator von Auto-Veteranen aller Art plante der gebürtige Mainzer schon mit 18 Jahren minutiös. Und sein großer Plan vom soliden Geschäft scheint aufzugehen, jedenfalls haben er und zwei Mitarbeiter – ein dritter ist bereits verpflichtet und stößt bald zum Team hinzu – genügend Arbeit in der stets picobello aufgeräumten, rund 500 Quadratmeter großen Werkstatt. Der Laden brummt wie seine betagten Autos, wenn sie das Werksgelände verlassen. 

Schon lang lebt der Mainzer in Südhessen, besuchte die Schule in Ober-Roden und absolvierte eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker an der Landrat-Gruber-Schule in Dieburg. „Mit 18 hatte ich meinen Abschluss, da durfte ich gerade einmal Auto fahren“, lacht der Fachmann, der schon frühzeitig als Berufswunsch „Chef“ hatte.

Doch langsam: „Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich einmal werden wollte“, sagt Krampol. Er absolvierte als Schüler mehrere Praktika, darunter eines bei einem Auto-Restaurationsbetrieb. Und da hatte es wohl „klick“ gemacht: „Das war mein Ding.“ Nach seinem Mechatroniker-Abschluss startete er auch in einem Restaurationsbetrieb durch, allerdings mit der Absicht, sich baldmöglichst auf eigene Beine zu stellen. Die Selbstständigkeit war das große Ziel, dem er fortan viel an Privatleben hintanstellte.

„Ich habe weder Geld geerbt noch konnten mich meine Eltern großartig unterstützen. Also musste ich sehen, wie ich meinen Traum finanziert bekomme“, sagt der Selfmademan, der einen 150-seitigen Businessplan für sein Projekt erstellte. Und die Bank, wohl überzeugt vom Fleiß und vor allem der Kompetenz des jungen Mannes, der sich zwischenzeitlich zur „staatlich geprüften Fachkraft für die Restaurierung historischer Fahrzeugkarosserien“ weiterbildete, segnete die Firmen- und Lebensplanung des jungen Oldtimerfachmannes ab.

Egal ob Pflege, Teil- oder Vollrestauration – bei Krampol sorgt man sich ums betagte Automobil. Und zwar in praktisch allen Stadien der Anlieferung. Derzeit beispielsweise steht ein EMW in der Werkstatt. Anfang der 1950er Jahre lief die blaue Karosse vom Band der Eisenacher Motoren-Werke, äußerlich bis auf kleine Details an den Kotflügeln einem BMW gleichend. Angeliefert wurden die Überreste einst stolzer Karosse in einem Zustand, der unter Sammlern einen Wert von um die 40 000 Euro darstellt. Verlässt der Oldtimer die Eppertshäuser Werkstatt, wird er im sechsstelligen Bereich liegen. Doch bis dahin werden die Krampol-Experten wohl auch rund 400 Stunden Arbeit ins ehemalige Autowrack gesteckt haben, verdeutlich Krampol.

Viele Projekte laufen im Restaurationsbetrieb gleichzeitig, so etwa zehn Wagen pro Monat durchlaufen den Betrieb. Weiteres derzeitiges Projekt ist etwa ein VW T1. Am „Bulli“ sollte „nur“ ein Dach neu aufgebaut werden. Die rollende Legende aus brasilianischer Produktion wurde bereits in Südamerika einmal restauriert. „Doch einmal bei uns zerlegt, traten immer mehr Schäden zutage“, sagt Krampol. Eimerweise habe man Sand aus Rahmen und anderen Bauteilen geholt. „So ein Pfusch würde hier keinen Sicherheitsstandards entsprechen. Der Wagen würde nur mit neuem Dach sicher nicht zugelassen werden.“ Ein Edel-Oldtimer ist eine AC Cobra, die derzeit „in Pflege“ in Eppertshausen ist. Der britische Sportwagen glänzt, als hätte er gerade das Produktionsband verlassen.

Der VW-„Bulli“ bekommt ein neues Dach. 

Krampols Kundschaft kommt aus dem weiten Um- und Ausland. Seinen Bekanntheitsgrad erarbeitete sich der Chef des Fachbetriebs durch Einsatz moderner Kommunikation. Jeden Abend dokumentiert er für seine Kunden (und sich) die Arbeit des Tages an den Autos, schickt den Kunden Bilder und Analysen vom Werk. „Das schafft Vertrauen“, weiß Krampol, der nicht zuletzt auch deshalb großen Wert auf peniblen Zustand aufgeräumter Werkstatt legt. „Und diese vertrauensbildende Maßnahme spricht sich schnell herum in der Oldtimer-Szene“, sagt der Chef. Da die Kundschaft der Firma Krampol-Oldtimer hohe Sach- und noch größere Liebhaber-Werte anvertraut, fühlt sie sich in Eppertshausen eben gut aufgehoben. VON THOMAS MEIER

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