Erfolgreicher Start bei „Valentins Kids“

Neues Tagesmütter-Angebot in Eppertshausen

Erfolgreicher Start mit den „Valentins Kids“ (von links): Bürgermeister Carsten Helfmann und die Tagesmütter Nicole Sipos, Basma Izghoud und Antje Engert.
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Erfolgreicher Start mit den „Valentins Kids“ (von links): Bürgermeister Carsten Helfmann und die Tagesmütter Nicole Sipos, Basma Izghoud und Antje Engert.

Drei Tagesmütter betreuen im „Haus Valentin“ seit Mitte März zehn Kinder in zwei Fünfergruppen. Geplant ist nun der sukzessive Umbau in ein reines U3-Angebot.

Eppertshausen – Seit Mitte März ist die Kinderbetreuung in Eppertshausen um ein Angebot reicher – und die Warteliste unversorgter Kinder um sechs Mädchen und vier Jungen kürzer: Im „Haus Valentin“ neben der „Krone“ sind drei Tagesmütter mit den „Valentins Kids“ gestartet. Nach den ersten Wochen der Eingewöhnung haben Antje Engert (Otzberg), Basma Izghoud (Groß-Umstadt) und Nicole Sipos (Pfungstadt) im Beisein von Bürgermeister Carsten Helfmann (CDU) erste Einblicke in die neue Nutzung der vormaligen Gaststätte gewährt.

Was eingangs umgangssprachlich „Tagesmutter“ (in seltenen Fällen, etwa in Dieburg, gibt es in der Region auch Tagesväter) genannt wurde, heißt offiziell „Kindertagespflegeperson“. Sie stellen im U3-Bereich eine weitere Säule der Kinderbetreuung neben den Kindertagesstätten dar. In Eppertshausen sind die ersten Valentins Kids derweil allesamt älter als drei – dazu später mehr.

Vor einem Jahr startete im Landkreis Darmstadt-Dieburg der erste Kurs nach dem neuen Qualifizierungsmodell für Kindertagespflegepersonen. Das Programm garantiert die Qualitätsstandards in Aus- und Weiterbildung. Sie umfasst 300 Unterrichtseinheiten, davon 160 Stunden Grundqualifizierung. Diese haben vor dem Start im Haus Valentin auch die drei neuen Eppertshäuser Tagesmütter schon absolviert, in einem Kurs mit acht weiteren Teilnehmerinnen. Die restlichen 140 Stunden absolvieren sie berufsbegleitend in Wochenend-Seminaren.

Montags bis Freitags von 8 bis 14 Uhr hätten Engert, Izghoud und Sipos für die Theorie auch gar keine Zeit mehr: In diesem Slot betreuen sie die insgesamt zehn Kinder in zwei, räumlich klar voneinander getrennten Fünfergruppen. Bei Tagespflegepersonen zu Kindern ist ein Verhältnis von 1:5 vorgegeben; ein Raum ist für fünf Kinder genehmigt. So auch im Haus Valentin, das lange der Kirche gehörte und inzwischen einer Privatperson, von der die Gemeinde die Räumlichkeiten gemietet hat und den Tagesmüttern zur Verfügung stellt. Die Immobilie wurde in älterer Vergangenheit bereits für die Kinderbetreuung genutzt, dann vor allem für Veranstaltungen der Pfarrgemeinde St. Sebastian.

Zuletzt diente das Erdgeschoss als Gaststätte, die seit einer Weile geschlossen war. Vor dem Start der Tagesmütter musste erst mal die Theke weichen. Wo sie zu finden war, ist nun die eine Hälfte der Valentins Kids untergebracht. Die anderen fünf haben ihr Domizil im ehemaligen Gastraum nebenan gefunden. Zwei Durchreichen und die Treppe zur Küche des Lokals zeugen noch von seiner gastronomischen Vergangenheit.

Insgesamt hat die Gemeinde rund 180 Quadratmeter angemietet. Tagesmütter und Kinder haben sich drinnen bereits weitgehend eingerichtet. Perspektivisch soll es das Trio infrastrukturell noch leichter haben, das Mittagessen vor Ort zuzubereiten. Derzeit bereitet es das Essen zuhause vor und wärmt es im Haus Valentin lediglich auf. Auch im großzügigen Außenbereich hinter dem Haus Valentin ist noch was zu tun, fehlen noch die Spielgeräte. Finanziell werden die Eppertshäuser Gemeindevertreter die Erweiterung der örtlichen Kinderbetreuung in ihrer nächsten Sitzung durch die überplanmäßige Einstellung von 75 000 Euro für Miete, Zuschüsse und anderes in den aktuellen Haushalt absichern.

Unter dem Strich haben Gemeinde und Tagesmütter in den vergangenen Wochen schon viel erreicht – stets in Abstimmung mit dem Jugendamt des Landkreises. Das hat zum Beispiel genehmigt, dass die Tagesmütter (vorerst bis Februar 2022) auch Ü3-Kinder betreuen dürfen. Vor allem in diesem Alter verzeichnete Eppertshausen zuletzt 22 Kinder ohne Betreuungsplatz. Die Valentins Kids gehören den Jahrgängen 2015 bis 2017 an.

Ziel der Gemeinde ist es, die Kinder bei frei werdenden Plätzen nach und nach in den örtlichen Kitas Sonnenschein und St. Sebastian unterzubringen. Auf diese Weise sollen im Haus Valentin sukzessive U3-Kids nachrücken und die Tagesmütter in einiger Zeit vor allem für diese jungen Eppertshäuser da sein. So soll es bei den Valentins Kids auch zu einer stärkeren sozialen Durchmischung kommen. Bislang waren in Eppertshausen vor allem Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, oft Flüchtlingen, unversorgt. Dies bildet sich zum Auftakt auch bei den zehn Valentins Kids ab, von denen neun einen Migrationshintergrund haben und die aus Ghana, Eritrea, Nigeria, Somalia, Indien, Afghanistan und dem Kurdengebiet stammen. Ihr peu à peu geplanter Wechsel in die Kitas soll die Integration fördern. Die Tagesmütter haben schon in den ersten beiden Monaten deutliche Fortschritte der Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache, von der einige zu Beginn kaum ein Wort verstanden, registriert.

Dadurch, dass sie zu dritt sind, stellen Antje Engert, Basma Izghoud und Nicole Sipos sicher, dass im Krankheits- oder Urlaubsfall immer eine Vertreterin verfügbar ist. Alle drei sind übrigens Quereinsteigerinnen, die als Tagesmutter ein neues berufliches Kapitel aufgeschlagen haben: Engert war zuvor Sachbearbeiterin in einer Stickerei; Sipos arbeitete im Außendienst und begab sich vor einiger Zeit fürs eigene Kind selbst auf die (schwierige) Suche nach einer Tagespflegeperson; Izghoud kam 2012 aus Marokko nach Deutschland, hat die Sprache inzwischen perfekt gelernt und zieht die neue Aufgabe ihrer einstigen Ausbildung in der Pflege vor.

Stichwort Ausbildung: Alle elf Kindertagespflegepersonen beendeten im Januar erfolgreich den ersten Qualifizierungsdurchgang nach dem QHB und bieten für den Landkreis nun weitere familiennahe Betreuungsplätze an. Kreisweit gibt es inzwischen mehr als 150 Kindertagespflegepersonen.

Bliebe nur noch zu klären, wie Eppertshausen die letzten zehn, zwölf Kinder unterbringt, denen die Gemeinde aktuell keine Betreuung anbieten kann. Antwort: Hier arbeitet man im Rathaus und in den politischen Gremien an der Einrichtung einer „naturnahen Gruppe“, die man im Haus Westermann unterbringen und organisatorisch an eine der beiden Kitas andocken will. (jens Dörr)

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