Große Feier in der Bürgerhalle

Erfolgsmodell Seniorenhilfe

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Die Seniorenhilfe wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Unser Bild zeigt von links die Vorstandsmitglieder Peter Langmaack und Christa Schmid sowie Hans Jürgen Böhmer und Klauspeter Winter.

Eppertshausen - Das Modell einer Seniorenhilfe in Offenbach übertrugen vor 20 Jahren zwei Beobachter nach Eppertshausen. Ein Glücksfall für die Gemeinde, denn es funktioniert hervorragend. Dies wird morgen groß gefeiert.

 Für Hans Jürgen Böhmer ist Klauspeter Winter ein Glücksfall. Letzte Woche stellte Winter sein Auto zur Verfügung und fuhr den Rollstuhlfahrer zu einem Arzttermin nach Urberach. Dass es in Eppertshausen viele solche Glücksfälle gibt, dafür sorgt die Seniorenhilfe. Das tut sie seit 20 Jahren, so dass 2018 ein Jubiläum ansteht. Am Sonntag (22.) wird mit einem Programm ab 14 Uhr in der Bürgerhalle gefeiert. Zu den Grußworten tritt das Mandolinenorchester des OWK und eine Gesangsformation der Germania auf. Alle Interessierten sind willkommen.

Die Idee zur Seniorenhilfe hatten einst Peter Langmaack und Gotthard Pohl. Sie sahen, dass es im Kreis Offenbach mehrere solcher Einrichtungen gibt und übertrugen das Modell auf Eppertshausen. Unterstützung ist unter anderem beim Einkaufen, bei Behördengängen, bei Arztterminen oder der Hauswirtschaft möglich. Auch pflegende Angehörige erhalten zeitweise Entlastung. Fahrdienste gehören ebenfalls zum Angebot. Hier betätigen sich Aktive der Seniorenhilfe mit ihrem Privatwagen als Fahrer. Das kostet 40 Cent pro Kilometer, die direkt an den Fahrer gehen. Für einen Helfer fallen drei Euro für die erste Stunde und zwei Euro für jede weitere an. Diese Beträge bekommt der gemeinnützige Verein. „Unsere Aktiven arbeiten ehrenamtlich. Sie sammeln jedoch Punkte, für die sie im Alter selbst Hilfe erhalten“, erklärt Peter Langmaack das durchdachte System. Zudem wird ihnen zweimal im Jahr beim Aktiventreffen mit Essen und Trinken gedankt.

Der Begriff „Seniorenhilfe“ ist genau betrachtet nicht völlig zutreffend, denn das Grundprinzip möchte, dass sich alle Generationen gegenseitig unterstützen. So heißt das Motto dementsprechend „Jung hilft Alt – Alt hilft Jung“. „Natürlich nehmen ältere Mitbürger die Hilfe deutlich mehr in Anspruch. Jüngere Menschen suchen vor allem bei der Kinderbetreuung eine helfende Hand“, weiß der Vorsitzende, der sein Amt bereits seit 19 Jahren ausübt. Derzeit verfügt die Seniorenhilfe über 319 Mitglieder, für die sechs Euro Jahresbeitrag anfallen.

Das Herzstück sind die Aktiven, momentan 52 an der Zahl. Sie haben sich zu unterschiedlichen Diensten bereit erklärt. Einige sind nur Fahrer, andere gehen mit Senioren spazieren oder besuchen Alleinstehende. Kleinere Reparaturarbeiten, wie das Wechseln einer Glühbirne, werden ebenfalls übernommen. Wiederum andere backen Kuchen für Veranstaltungen. Zudem gibt es jene, die für gleich mehrere Dienste zur Verfügung stehen.

2015 wurde die Arbeit der Seniorenhilfe 212 Mal nachgefragt, das Jahr darauf 256 Mal und 2017 waren es 152 Bitten. Der Rückgang ist mit der geringeren Zahl an Daueraufträgen begründet, die sich ebenfalls arrangieren lassen. Wer Hilfe benötigt, vereinbart mit der Koordinationsstelle im Haus der Vereine einen Termin. Montags, mittwochs und freitags ist das Telefon von 9.30 bis 11.30 Uhr besetzt. „Für die Planung ist wichtig, dass frühzeitig angerufen wird“, so Organisationsleiterin Christa Schmid.

Auch das Thema Einsamkeit bleibt bei der der Seniorenhilfe nicht außen vor. „Wir wissen, dass Einsamkeit im Alter ein großes Problem darstellt“, sagt Peter Langmaack. Dem wirkt man mit diversen Angeboten entgegen. Für alle Eppertshäuser Senioren gibt es jeden zweiten Donnerstag im Monat einen Spielenachmittag in den Räumen der evangelischen Gemeinde. Mit dem Frühlings- und Adventscafé wartet an gleicher Stelle ein weiteres Angebot. Im Haus der Vereine lädt zweimal im Jahr das Tanzcafé zu Bewegung im Alter ein. Den sozialen Zusammenhalt fördert der jährliche Vereinsausflug. Der führte in der Vergangenheit schon an den Rhein nach Oppenheim oder zur Bundesgartenschau nach Koblenz.

27 Jahre ist die jüngste Aktive bei der Seniorenhilfe alt. Der Vorstand hofft, dass die Eppertshäuser weiter in großem Umfang hinter der guten Sache stehen. „Unsere Arbeit wird immer gelobt und es erklären sich Leute zur Unterstützung bereit. Fragen wir Einsätze an, haben viele dann doch keine Zeit“, beschreibt Peter Langmaack eine Erfahrung, die nicht selten ist. Wie er sagt, bringe ein Einsatz nicht nur den Hilfesuchenden etwas. Auch der Helfer bekomme eine Menge zurück: „Es ist der Blick in glückliche Augen und viel Dankbarkeit, mit ein wenig Aufwand dem Nächsten einen großen Dienst erwiesen zu haben.“

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