Voller Saal bei der Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie

Großes Interesse an den Kandidaten

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Diskutierten im voll besetzen kleinen Saal der Bürgerhalle (von links): Mara Perica (AfD), Manfred Pentz (CDU), Moderator Jörn Müller (Kolpingsfamilie), Catrin Geier (SPD), Tim Dreyer (Linke) und Sebastian Stöveken (Grüne).

Eppertshausen - Wenn die Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie am Donnerstagabend ein Indikator für die Wahlbeteiligung am 28. Oktober war, dann dürfte es die Hessen zur Landtags-Wahl in Scharen an die Urne ziehen. Von Jens Dörr

Im kleinen Saal der Bürgerhalle, wo die Kolpingsfamilie unter Regie von Vorstandsmitglied und Moderator Jörn Müller vor Wahlen regelmäßig die Kandidaten antreten lässt, war es in den vergangenen Jahren selten so voll. Mehr als 150 Zuhörer lauschten den Ausführungen von fünf der sieben Direktkandidaten des Wahlkreises Darmstadt-Dieburg II. Mit von der Partie waren Manfred Pentz (CDU, Groß-Zimmern), Catrin Geier (SPD, Groß-Zimmern), Sebastian Stöveken (Grüne, Dieburg), Tim Dreyer (Linke, Schaafheim-Mosbach) und Mara Perica (AfD, Darmstadt). FDP-Kandidat Kay Hamacher (Groß-Zimmern) hatte sich zwei Stunden vor der Veranstaltung krankheitsbedingt entschuldigt; die FW-Direktkandidatin Petra Mehrlein (Schaafheim) war vom Veranstalter deshalb nicht eingeladen worden, weil die Freien Wähler in Hessen nach den neusten Umfragen kaum Aussichten auf den Einzug in den Landtag haben.

Dem übrig gebliebenen Quintett räumte Jörn Müller zunächst jeweils fünf Minuten ein, um die wichtigsten politischen Vorhaben zu skizzieren. Manfred Pentz, der das Direktmandat verteidigen will, nannte Erhalt und Ausbau der Infrastruktur in den Bereichen Straßen, Gesundheit und Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) an erster Stelle. Zudem plädierte er für den Erhalt des mehrgliedrigen Schulsystems mit Gymnasium, Realschule und Hauptschule – Sitzenbleiben und Kopfnoten inklusive. Die Förderschulen solle man ausbauen, so der Christdemokrat. Man dürfe die Lehrer mit der Inklusion nicht überfordern. Außerdem machte sich der bisher einzige im Landtag vertretene Kandidat und Generalsekretär der Hessen-CDU für die Stärkung des Campus’ Dieburg der Hochschule Darmstadt stark, „nicht nur als Mediencampus, sondern auch als BWL-Standort“.

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Catrin Geier, die eigenen Angaben nach schon 9000 Hausbesuche im Ostkreis Darmstadt-Dieburg absolviert hat, nannte ihr vor einigen Monaten eröffnetes „Bürgerbüro“ als sehr wichtig: „Ich will die Lebensqualität in der Region verbessern und ansprechbar sein.“ Vor allem wolle sie „machen“, wie sie immer wieder betonte und der CDU-Grünen-Koalition in Wiesbaden damit indirekt Untätigkeit vorwarf. Bildung, Wohnen und Mobilität besäßen als Themen herausragende Bedeutung. „Ich will die B 45 und B 26 ausbauen und den Lärmschutz bei Babenhausen voranbringen.“ Bildungspolitisch müsse man etwa die Schulen in Dieburg und Münster „durch den technisch neuesten Stand auf die Zukunft vorbereiten“, sagte die Sozialdemokratin und ehemalige Schulsprecherin des Dieburger Alfred-Delp--Gymnasiums.

Sebastian Stöveken lobte derweil Gastgeber Eppertshausen dafür, dass man im sozialen Wohnungsbau das Vorhaben an der Mozartstraße trotz gestiegener Kosten realisieren wolle. Der Grüne regte die Verbesserung der Hausärzte-Situation an, will Medizinische Versorgungszentren (MVZ) auch im Kreis Darmstadt-Dieburg stärken und bei der Auftragsvergabe durch die Öffentliche Hand nicht nur die Kosten als zentrales Kriterium eingesetzt wissen, sondern auch soziale Aspekte. „Zudem möchte ich für eine lebenswerte Umwelt kämpfen“, sagte er.

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Den Mosbacher Tim Dreyer bewegte das Thema ÖPNV „schon aus Eigennutz“, weil es für ihn unkomfortabel sei, vom Schaafheimer Ortsteil in die Frankfurter Uni zu kommen. Die erste Zahl des Abends ging ebenfalls auf das Konto des Linken: Jährlich 500 Millionen Euro solle das Land Hessen in seine Schulen investieren. Außerdem profilierte sich Dreyer, in seiner Heimatgemeinde auch aktiver Feuerwehrmann, als Anhänger des lebenslangen Lernens.

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AfD-Kandidatin Mara Perica war gesundheitlich angeschlagen, hatte Probleme mit der Stimme und blieb nach ihrer etwas konfusen Selbstvorstellung, in der sie eher auf ihren wechselhaften beruflichen Werdegang denn auf Entwicklungsziele für den Wahlkreis einging, in der anschließenden Diskussion weitgehend außen vor. Das Publikum, das Fragen stellen durfte, sprach insbesondere die Themen Bildung (mehr Einsatz für Erwachsenenbildung und die Gesamtschule), Verkehr (zum Beispiel die zu schwache Taktung in der S-Bahn-Anbindung Eppertshausens) und Energie (Windkraftanlagen-Bau versus Waldabholzung) an.

Vorkommnis am Rande: Jeder Fragesteller konnte zwei Kandidaten benennen, die antworten sollten. Nicht gefragte Kandidaten konnten zudem per „Europakarte“ zwei Joker nehmen und sich bei zwei Themen ebenfalls ins Gespräch einschalten. Auch Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann ergriff in der Fragerunde das Wort und lieferte mit einer Frage zum Ehrenamt seinem Parteikollegen Manfred Pentz (und Sebastian Stöveken vom Koalitionspartner Grüne) eine Steilvorlage. CDU-Politiker Helfmann ist im Wahlkreis der Ersatzkandidat von Pentz.

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