Leiter des eigenständigen Fachbereich „Soziales“ in Eppertshausen

Herzenssache für Ex-Banker Lutz Murmann

Den aus dem Hauptamt ausgegliederten Fachbereich „Soziales“ im Eppertshäuser Rathaus leitet seit April Lutz Murmann.
+
Den aus dem Hauptamt ausgegliederten Fachbereich „Soziales“ im Eppertshäuser Rathaus leitet seit April Lutz Murmann.

„Mit 60 musst du was fürs Herz tun“ – schon lange hatte sich Lutz Murmann vorgenommen, in den letzten Jahren seines Berufslebens der Leidenschaft für die Sache den Vorrang gegenüber anderen Karriereaspekten zu geben. Bereits im Alter von 58 hat er diesen Schritt in die Tat umgesetzt: Nach vier Jahrzehnten als Banker hat Murmann im Rathaus von Eppertshausen die Leitung des Fachbereichs „Soziales“ übernommen.

Eppertshausen - Dem gingen Umstrukturierungen auf der Gemeinde voraus, die personell noch nicht abgeschlossen sind. Bislang vereinte am Franz-Gruber-Franz das Hauptamt sowohl die Hauptverwaltung samt Personalwesen als auch den Sozialbereich. „Wir haben gemerkt, dass all das kein noch so engagierter Leiter allein abdecken kann“, sagt Bürgermeister Carsten Helfmann (CDU). 2019 war der damalige Hauptamts-Leiter Sebastian Köhler in die Verwaltung einer größeren Kommune gewechselt; zunächst Yvonne Seib und inzwischen Melanie Hartig leiten das Hauptamt seither kommissarisch. Die Leitungsstelle wurde schon vor einiger Zeit ausgeschrieben, „doch die Bewerbungen haben uns alle nicht zugesagt“, so Helfmann. Hartig wird das Hauptamt noch mindestens bis nächstes Jahr führen, „eventuell schreiben wir die Stelle dann erneut aus“.

Zuvor hatte die Verwaltung entschieden, den Fachbereich „Soziales“ aus dem Hauptamt auszugliedern – und für diesen nun solo zu betreuenden Bereich ebenfalls eine neue Führungskraft zu suchen. Die fand man Anfang des Jahres in Murmann: Er setzte sich in den Vorstellungsgesprächen mit dem Gemeindevorstand gegen neun Mitbewerber durch. Als Erster Beigeordneter und Vize-Bürgermeister hatte Christdemokrat Murmann dem Gremium bis zur Kommunalwahl selbst angehört. In der neuen Wahlperiode bekleidet er kein politisches Amt mehr, weil sich das Politmandat mit dem Verwaltungsjob im selben Ort (auch rechtlich) beißen würde. Auf der Kommunalwahl-Liste der CDU war Murmann zwar noch zu finden; dies hing aber lediglich damit zusammen, dass er die Stellenzusage der Gemeinde erst erhielt, als der Wahlleiter die Wahllisten festgestellt hatte.

Sein langjähriges Engagement in der Kommunalpolitik ist der erste von mehreren Belegen, dass Murmanns Aussage von der „Herzenssache Eppertshausen“ keine Floskel ist. Stärker im Ort verwurzelt und in die Aktivitäten des Gemeinwesens integriert sein als er kann man kaum: ob als Jugendlicher als Messdiener und Gruppenleiter in der katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian; ob als Mitglied der CDU; ob als Jugendtrainer der FVE-Kicker, nunmehr seit 41 Jahren; und nicht zuletzt ob seiner mitunter legendären Auftritte als Kerbvadder oder Büttenredner bei den närrischen Sitzungen des FVCA.

Sein jahrzehntelanger Arbeitgeber, die Volksbank Eppertshausen, konnte in Sachen Treue ebenfalls nicht über den gelernten Bankkaufmann und diplomierten Bankbetriebswirt klagen. Rund zwei Drittel seines Lebens war Murmann Volksbanker – zum Zeitpunkt der Fusion zwischen den Volksbanken Eppertshausen und Dreieich war er Prokurist und Marktbereichsleiter. Seit der Zusammenschluss 2018 perfekt war, habe er im neuen Institut sein „Plätzchen nicht mehr gefunden“, erzählt er. Murmann blieb zwar bis zu diesem Frühjahr an Bord, schaute sich aber anderweitig um, bewarb sich sogar als Geschäftsführer eines Altenheims. „Als dann die Position im Eppertshäuser Rathaus ausgeschrieben wurde, musste ich nicht lange überlegen.“

Der Gemeindevorstand, der zusammen mit dem Bürgermeister formal die Spitze der Verwaltung bildet, nahm sich für die Personalentscheidung derweil die nötige Zeit. Ein wichtiges Argument pro Murmann seien in diesem Verfahren seine vielfältigen Bezüge zum Ortsgeschehen gewesen, sagt Carsten Helfmann „Es ist von Vorteil, dass er überall bekannt ist.“ Den neuen Fachbereichs-Leiter müsse man in Eppertshausen im Grunde niemanden mehr vorstellen.

Dies ist umso wertvoller, da in den Sozialbereich unter anderem die Zusammenarbeit mit den Vereinen fällt. Nur eine Aufgabe eines breiten Spektrums: Auch die Kinderbetreuung via Kitas (allein in der Gemeinde-Kita „Sonnenschein“ beschäftigt die Kommune 20 Personen) und Kindertagespflege, das Asylwesen, die Jugend- und Seniorenarbeit, die Städtepartnerschaften und das Friedhofswesen gehören dazu. „Unser Fachbereich begleitet die Eppertshäuser von der Wiege bis zur Bahre“, fasst es Lutz Murmann schelmisch zusammen. (Jens Dörr)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare