Unrühmlicher Auftritt

„Hässliches in Hessen“ mit Hauptstraßen-Tristesse

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Eppertshausens Hauptstraße gerät zur unrühmlichen Kulisse von Teil 5 der HR-Serie „Hässliches in Hessen“. Der Spruch auf dem Werbeplakat bedeutet dennoch nicht den Untergang für den Straßenzug.

Eppertshausen - Einen eher unrühmlichen Auftritt hat Eppertshausen jetzt im Hessischen Rundfunk. In Holger Weinerts Rubrik „Hässliches in Hessen“ wird die Hauptstraße des Ortes gnadenlos auseinander genommen. Von Thomas Meier

Bürgermeister Carsten Helfmann gelobt im gut fünfminütigen Beitrag baldige Besserung. Schon der Titel „Hässliches in Hessen“ verheißt nichts Gutes. Doch die Anmoderation Weinerts war vernichtend: „Die Hauptstraße ist unglaublich heruntergekommen“, tönt der langjährige Hessenschau-Moderator in sein Mikro. Nachsatz: „Was für eine Visitenkarte.“ Und dazu serviert der HR Bilder geballter Eppertshäuser Hauptstraßen-Tristesse. Gut, Eppertshausen ist nicht gerade als malerischer Ort bekannt. Und Weinert, gebürtiger Berliner, der in Köln aufwuchs und in Baden-Baden erste journalistische Erfahrungen sammelte, nahm die wohl unschönste Meile des Ortes unter seine scharfe Lupe: die Hauptstraße. „Ein desolates Bild und leider kein Einzelfall in Hessen“, erkennt der Reporter ländlicher Unschönheiten.

Nur kurz ins Bild gerückt wurden die drei schmucken Fachwerkhäuser am Ortseingang Eppertshausens gegenüber der Kirche. So geht es allerdings leider auch nicht weiter mit den Häuserfrontenansichten.

Die Kamera fährt durch die Straße, von der Kreuzung am Fitnesscenter bis zur katholischen Kirche gen Münster, ohne Erbarmen desolate Fassaden per Weitwinkel und en detail einfangend. „Handwerksbetriebe, Gehöfte und Traditionsläden“ – alle verloren, moniert Weinert aus dem Off, die ganze alte Architektur sei „wegmodernisiert“. Und zur Bekräftigung seiner Beobachtung hat sich der Moderator mit Wolfgang Dunkelau einen Planer und Architekten an die Seite geholt, der genau diese Eindrücke in die Kamera bestätigt: „Es ist ein Desaster, das wir hier vorfinden.“ Um dann genau das zu beschreiben, was keiner sehen kann, weil vielleicht auch nie vorhanden. Man vermisse einen alten Ortskern mit Fachwerk und aufgearbeiteten Fassaden, mit einer zurückgebauten Straße, mit Grün vor den Häusern. Zur nicht nachgefragten Entschuldigung meint der Experte, es fehle wohl auch an Fördermitteln im Land für solche Wünsche.

Die letzten an der Hauptstraße noch sichtbaren Fachwerkhäuser am Ortseingang gegenüber der Kirche werden dann im Vorbeifahren ins Bild gerückt. Es folgt eine Einstellung aufs einzige perfekt restaurierte Gehöft im Ort, ein Haus in der parallel verlaufenden Schulstraße, was nicht erwähnt wird. Dafür aber die bissige Bemerkung: Restauriert von Privatleuten.

Nach soviel niederschmetternder Betrachtung muss wohl auch Weinert erkannt haben, dass seinem Beitrag eines fehlt: Wo, bitte, bleibt das Positive? Dies soll der Bürgermeister richten, den der HR indes zunächst vergeblich sucht, weil er das alte Rathaus nahe der Hauptstraße zwar in unschönem Lichte ausgemacht, aber das neue auf dem Franz-Gruber-Platz nicht gefunden hatte. Vor der Bürgerhalle sieht man den Dokumentarfilmer Weinert ins Handy flehen. Und dann eilt auch schon der angerufene Bürgermeister herbei.

Zehn Dinge, die jeder Hesse kennen sollte

Begrüßt wird Helfmann mit der Feststellung: „Geld ist vorhanden“, um dann mit der Frage konfrontiert zu werden, wie man Mittel für die Hauptstraße locker machen könnte. Klar, dass der Verwaltungschef da erst mal andere – in diesem Falle das Land – in der Pflicht sieht. Schließlich sei die Haupt- ja auch Landesstraße. Und dann liefert er dem HR-Team auch noch eine Steilvorlage: Seit 15 Jahren sei er im Amt, seitdem bemühe er sich, Gehwege auf kritisierter Strecke zu verbreitern und Parkplätze für die Autos zu schaffen.

Nachdem ein Intermezzo bei einem Friseur gezeigt wird, der zu seiner Einfach-Eternit-Fassade steht, kommt kurz vor dem Abspann Weinert nochmals aus dem Off: Überall werden Dorfstraßen zurückgebaut und nicht umgekehrt wie hier geplant ...“ Und Helfmann darf kurz vor dem Hässliches-in-Hessen-Logo-Abschied nochmals in die Kamera versichern: „Ich nehme gerne ihren Rat mit auf, dass wir die Gestaltung der Häuser uns mit ansehen und nicht nur die Verkehrsplanung, die wir schon vor über zehn Jahren umgesetzt haben, aber auch auf die Fassaden noch mal eingehen.“

Die gute Nachricht Weinerts, der – na klar – nach dem Bürgermeister das allerletzte Wort haben muss, an die Eppertshäuser: „Euer Dorf kann schöner werden.“ Zu sehen ist der für Eppertshausen unschöne Beitrag in der Hessenschau noch unter www.hessenschau.de/tv-sendung/haessliches-hessen-teil-5,video-68668.html.

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