„Jeder ist besiegbar, auch ich“

Eppertshausens Bürgermeister Helfmann strebt als Alleinkandidat vierte Amtszeit an

„Jeder ist besiegbar, auch ich“, sagt Carsten Helfmann. Die politische Konkurrenz sieht das offenbar anders: Bei der Eppertshäuser Bürgermeister-Wahl am 1. November ist der 46-Jährige der einzige Kandidat und strebt seine vierte Amtszeit an.
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„Jeder ist besiegbar, auch ich“, sagt Carsten Helfmann. Die politische Konkurrenz sieht das offenbar anders: Bei der Eppertshäuser Bürgermeister-Wahl am 1. November ist der 46-Jährige der einzige Kandidat und strebt seine vierte Amtszeit an.

Interview: Bürgermeister Carsten Helfmann hofft für die Wahl am 1. November auf 75 Prozent Zustimmung und fürchtet für die One-Man-Show eine Wahlbeteiligung von unter 40 Prozent.

Eppertshausen – Am 1. November findet in Eppertshausen die Direktwahl des Bürgermeisters statt. Außer Amtsinhaber Carsten Helfmann (CDU) gibt es keinen Kandidaten. Der 46-Jährige strebt seine vierte Amtszeit an. Im Interview spricht er über seine One-Man-Show der nächsten Wochen und seine Pläne für die Gemeinde.

Herr Helfmann, angesichts von Konkurrenzlosigkeit, Corona und der Bekanntheit aus fast 18 Jahren im Amt: Inwiefern planen Sie für die letzten Wochen bis zum 1. November überhaupt Wahlkampf?

Selbstverständlich betreibe ich Wahlkampf, insbesondere, um eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen. Glücklicherweise leben wir in einem demokratischen Land, das Wahlrecht ist eines der höchsten Güter und sollte genutzt werden. Durch die Corona-Pandemie gibt es natürlich Einschränkungen. Sollte es die Pandemie zulassen, versuche ich in den letzten beiden Oktober-Wochen möglichst viele Eppertshäuser kurz an der Haustür zu besuchen. Um trotz Pandemie für Fragen zur Verfügung zu stehen, werde ich an zwei freien Nachmittagen – 23. und 27. Oktober, jeweils von 14 bis 18 Uhr – von zu Hause ausschließlich für E-Mail- und Telefonanfragen zur Verfügung stehen. Die geplanten CDU-Veranstaltungen wurden leider alle aus Sicherheitsgründen abgesagt. Ob wir Wahlkampfstände anbieten, ist noch offen. Wir werden eine geringe Anzahl von Plakaten aufstellen, um an den Wahltermin zu erinnern. In jedem Fall erhält jeder Haushalt einen Flyer mit meinem Zukunftsprogramm 2020 bis 2026. Zudem freue ich mich auf die Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie. Aktuell ist sie für Donnertag, 22. Oktober, in der Bürgerhalle geplant. Hier können alle Fragen gestellt werden.

Welche Wahlbeteiligung und welchen Zustimmungsgrad wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir, von mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten gewählt zu werden. Das ist leider aber nicht realistisch, da ich von einer Wahlbeteiligung von unter 40 Prozent ausgehen muss. Ich wünsche mir, dass mindestens 75 Prozent der Wähler mir ihr Vertrauen schenken und somit ihre Stimme geben. Dies ist ein schlechterer Wert gegenüber von 2014. Denn mir ist bewusst, dass nicht jede Entscheidung und jedes Vorhaben bei jedem einzelnen Bürger immer positiv aufgenommen werden.

Hand aufs Herz: Empfinden Sie Ihren Soloritt gen vierte Amtszeit als erfreulichen Komfort und Bestätigung, dass Sie schwer zu besiegen sind? Oder eher als traurig, weil ein Wahlkampf mit mehreren Kandidaten die Bevölkerung ja immer ein Stück stärker politisieren und für lokale Themen interessieren kann als das Alltagsgeschäft?

Natürlich wäre die Wahlbeteiligung bei mehreren Kandidaten höher. Ich empfinde es als Bestätigung meiner Arbeit und meines Engagements der letzten 18 Jahre, dass die politischen Mitbewerber keinen Kandidaten stellen. Jeder ist besiegbar, auch ich. Wenn es so wäre, müsste ich mir aber keinen Vorwurf machen, da ich mich immer 110 Prozent für Eppertshausen eingesetzt habe, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

Wählen jene Eppertshäuser, die Ihnen ihre Stimme geben, einen Bürgermeister mit der festen Absicht, die nächsten sechs Jahre im Eppertshäuser Rathaus zu arbeiten? Oder einen Bürgermeister auf Abruf, der bei entsprechenden anderen politischen Perspektiven – etwa in der Landespolitik – offen für eine neue Aufgabe ist, auch wenn sie Ihnen mitten in der Amtszeit angeboten würde?

Immer wieder eine interessante Frage. Wenn beim Lesen dieser Frage jeder für sich behaupten kann, immer bei seinem Ausbildungsbetrieb in Rente gehen zu wollen, würde es keinen Wechsel in den Betrieben und Unternehmen geben. Klar ist, ich liebe meine Arbeit und bin auch zukünftig mit vollem Engagement und Herz dabei. Derzeit kann ich mir keine schönere Aufgabe vorstellen.

Kommt für Sie eine Bürgermeister-Kandidatur in einer größeren Stadt nach den Erfahrungen in Rödermark prinzipiell noch einmal in Frage?

Aus heutiger Sicht nicht. Dafür arbeite ich zu gerne als Bürgermeister in meiner Heimatgemeinde Eppertshausen.

Welche Eppertshäuser Projekte und „Dauerbrenner“ wollen Sie in den kommenden sechs Jahren besonders voran oder zu Ende bringen?

Oje, das ist jetzt schwierig Prioritäten zu setzen. Es gibt so viel, was ich zusammen mit den kommunalen Gremien umsetzen möchte. Dauerbrenner sind Umbau und Verschönerung unserer Hauptstraße sowie die Ortseinfahrten aus Richtung Ober-Roden und Urberach. Bei den neuen Projekten freue ich mich für unsere lebenserfahrenen Eppertshäuser auf das „Caritas-Zentrum“ mit Tagespflege, Pflegeplätze und seniorengerechtem Wohnen. Für unsere Jüngsten möchten wir eine dritte Kindertagesstätte bauen, damit es keine Warteliste mehr geben muss, jeweils eine Mensa in allen Einrichtungen vorhanden ist und die Qualität durch kleiner Gruppen noch weiter gesteigert werden kann. Nach dem Glasfaser-Ausbau möchten wir nun noch die Gehwege sanieren und barrierefreie Straßenquerungen herstellen.

Corona wirkt sich auch auf den Eppertshäuser Gemeinde-Haushalt negativ aus, wenngleich noch nicht dramatisch. Ist da bei den kommunalen Steuern oder den Vereinszuschüssen etwas zu befürchten?

Mit einer weiterhin soliden Haushaltsführung können wir uns die niedrigsten Hebesätze der Grundsteuer und Gewerbesteuer leisten. Unsere Ortsvereine leisten eine tolle Kinder- und Jugendarbeit. Sie sollen weiterhin das Sportzentrum, die Bürgerhalle und das Haus der Vereine kostenfrei nutzen dürfen. Mein größtes und unbezahlbares Projekt ist aber „Miteinander und nicht übereinander Reden“, daran arbeite ich Tag für Tag …

Auf welche drei Erfolge aus Ihrer dritten Amtszeit sind Sie besonders stolz?

Erstens: Auf das Neubaugebiet am Abteiwald, hier wurden alle gemeindeeigenen Bauplätze mit Kinderrabatten an Eppertshäuser Familien vergeben. Damit konnten viele Träume ermöglicht werden. Zweitens: Als erste Kommune in der Region wurde ein flächendeckender Ausbau in ganz Eppertshausen mit Glasfaser durchgeführt, damit sind beste Voraussetzungen für Home-Schooling und Home-Office geschaffen worden. Drittens: Auf die solide Haushaltsführung, die es uns trotz der derzeitigen Pandemie und den damit verbundenen geringeren Einnahmen ermöglicht, auch künftig soziale Projekte zu erhalten und auszubauen.

Welches Vorhaben, auf das Sie persönlich Einfluss hatten, konnten Sie in Ihrer dritten Amtszeit nicht wie gewünscht umsetzen, was also hat Sie am meisten ernüchtert?

Leider wurde die Sanierung unserer Hauptstraße nicht in die Sanierungsoffensive des Landes Hessen aufgenommen. Aus diesem Grund konnten wir auch zwei Ortseinfahrten umbauen, um die Geschwindigkeit deutlich zu reduzieren. Nachdem die Gewerbemeile 2010 und 2013 ein super Erfolg war, kann ich bis heute noch nicht nachvollziehen, warum sie 2016 von Münster abgesagt wurde.(Das Gespräch führte Jens Dörr)

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