Katharina Schröder aus Eppertshausen

Jungköchin träumt von Restaurant

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Jungköchin mit dem Traum vom eigenen Restaurant: die Eppertshäuserin Katharina Schröder, die in diesem Jahr auch als Kerbmutter fungieren wird.

Eppertshausen - Die Innungsbeste Jungköchin Südhessens behauptet sich in einem harten Beruf. Doch fühlt sich Katharina Schröder berufen, schreckt auch die „Wanderschaft“ durch die Weiten der Gastronomie nicht. Von Jens Dörr

Und sie findet trotzdem noch Zeit für ihren Heimatort und ist dort bald Kerbmutter. Kaum etwas ist mehr Geschmackssache als das Essen. Über lecker oder fad, medium oder durch, zu scharf oder zu wenig Salz lässt sich trefflich streiten. Bei jenen Menschen, die sich zum Koch ausbilden lassen, gibt es allerdings objektive Kriterien, wie gut sie ihr Handwerk beherrschen. Besonders gut, im vergangenen Winter am besten in ganz Südhessen, machte es eine junge Frau aus Eppertshausen: Katharina Schröder ragte mit ihrer Prüfung und der Note 2 aus ihrem Ausbildungsjahrgang heraus. Inzwischen ist die 19-Jährige, die in diesem Jahr auch Eppertshausens Kerbmutter sein wird, beruflich auf Wanderschaft gegangen. Und schildert in klaren Worten das Spannungsfeld, in dem sie sich bewegt: zwischen enormer Leidenschaft für ihren Traumberuf – und einer knüppelharten Arbeitswelt in den Küchen der Republik.

Nach der dreijährigen Ausbildung, wie sie Schröder in der „Alten Werkmühle“ in Dreieichenhain absolvierte und mit Bravour meisterte, darf sich die Eppertshäuserin nun „Jungköchin“ nennen. „Als Jungköchin zieht man mehrere Jahre lang von Restaurant zu Restaurant, um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Schröder, was in der Branche verbreitet sei. „Alle sechs bis zwölf Monate wechselt man den Arbeitgeber und versucht, nach und nach die besten Restaurants abzuklappern.“ Sie selbst war in diesem Jahr bereits einige Monate lang bei Thomas Kellermann in der Oberpfalz tätig. Der 46-Jährige besitzt zwei Sterne im hoch angesehenen „Guide Michelin“. Bei Kellermann bildete sich Schröder insbesondere in der Pâtisserie fort. Inzwischen ist sie am Tegernsee gelandet, in einem Hotel, zu dem mehrere Restaurants gehören. Nur zur Kerb Ende September wird sie für einige Tage nach Eppertshausen zurückkehren: Dann wird sie sonntags die Kerbrede halten, beim Familiennachmittag mitwirken und der Presse Rede und Antwort stehen.

Das tut das selbst ernannte „Kerbmädel aus Leidenschaft“ („Das steht fast noch über dem Beruf“) im Gespräch auch hinsichtlich ihrer jungen Karriere als Köchin. Dabei fällt auf, wie reflektiert sie über die Gastronomiebranche spricht. Schröder wählt stets klare Worte. Einerseits mit Blick auf ihre eigene Berufswahl: Mit der habe sie ins Schwarze getroffen und ihre Leidenschaft entdeckt. „Ursprünglich wollte ich mich für Modedesign bewerben“, blickt sie auf jene Zeit nach der zehnten Gymnasialklasse zurück, als sie statt weiter Schule etwas „Handfestes“ machen wollte. Das angestrebte Stipendium bekam sie allerdings nicht, woraufhin ihre Mutter ihr Plan B empfahl: die Ausbildung zur Köchin. „Das war nicht verkehrt“, gibt Schröder, die problemlos einen Ausbildungsplatz fand, rückblickend zu. Mehr noch: „Schon nach drei Wochen wusste ich: Das ist es!“ Aus Plan B wurde Plan A, den die Eppertshäuserin bis heute ehrgeizig verfolgt. Demnächst wird sie in Kroatien arbeiten, für die Wintersaison 2018/19 ist eine Phase in der Schweiz angedacht. Ihren Plan für den beruflichen Werdegang hat Schröder im Kopf aber zumindest grob schon für die nächsten zehn Jahre fortentwickelt.

Auf die Frage, wie sie sich ihre Zukunft optimalerweise ausmalen würde, antwortet die Jungköchin: Sie würde nun gern noch einige Jahre in verschiedenen Restaurants arbeiten, sich weiter verbessern, Geld beiseite legen und in einigen Jahren, womöglich mit Ende 20, ein eigenes Restaurant eröffnen. Das mit den ständigen Wechseln sei eine sichere Bank, meint Schröder: „Es gibt bei den Köchen kaum noch Nachwuchs. Ich kann mir meinen Arbeitsplatz aussuchen.“ Hinsichtlich des eigenen Restaurants müsse man freilich abwarten, wie sich die persönliche Lebenssituation – etwa die Familienplanung – eines Tages mit dem großen Vorhaben in Einklang bringen lasse.

Es gibt also die eine Seite, auf der Katharina Schröder voll in ihrem Tun in der Küche aufgeht, wo der Beruf zur Berufung wird. „An sich ist Kochen nicht schwer, du musst aber ein gewisses Talent haben, schmecken können und experimentierfreudig sein.“ Die Lust auf neue Kombinationen auf dem Teller zählt zu jenen Aspekten, die die Eppertshäuserin antreiben.

Es gibt aber auch die andere Seite: „Kein Koch rät jemandem anderem, Koch zu werden“, bringt es Schröder auf den Punkt. Die Gründe seien vielfältig: „In der Gastro herrscht noch die alte Schule. Als Azubi bist du ganz unten, musst zu allem Ja und Amen sagen. Es gibt wegen der Arbeitszeiten und wegen Überstunden oft keinen geregelten Schlaf und keine geregelten Essenszeiten. Drogen sind in der Gastronomie inzwischen normal.“ Sie selbst nehme keine, habe in der Berufsschule aber etliche andere Azubis kennengelernt, die sich aufputschten, um den harten Joballtag zu meistern.

Auch habe sie beobachtet: „Viele werden durch die Gastronomie krank. Man muss am Wochenende arbeiten und manchmal auch an seinem Geburtstag. Vor einem freien Tag erfährt man oft kurzfristig, dass man doch arbeiten muss. Die Gastronomie ist auch alles andere als familienfreundlich.“ Zudem verliere man nach und nach seine alten Freunde, da man meist arbeite, wenn diese Freizeit hätten. „Köche sind oft nur noch mit anderen Köchen befreundet.“

Deshalb sagt Katharina Schröder unumwunden: „Ich würde es auch keinem raten, in die Küche zu gehen. Man muss dafür einfach geschaffen sein.“ Sie selbst sei es, die meisten Menschen seien es wohl nicht. In ihrem eigenen Elan scheint sie all das kaum zu bremsen. Auch das ziemlich niedrige Brutto-Einstiegsgehalt von 1 800 bis 2 300 Euro hat die Eppertshäuserin nicht von ihrem Weg abgebracht.

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