Kein Freund von plakativen Sprüchen

Der 19-jährige Jonah Weber tritt als Parteiloser für die FDP in Eppertshausen an

Tritt als Parteiloser für die FDP an und ist bei der Wahl am 14. März klar der jüngste aller Eppertshäuser Kandidaten: Jonah Weber.
+
Tritt als Parteiloser für die FDP an und ist bei der Wahl am 14. März klar der jüngste aller Eppertshäuser Kandidaten: Jonah Weber.

Nachwuchs in der Politik ist gefragt. Eine gute Einstiegsmöglichkeit fürs politische Engagement bieten die Ortsparlamente, die die Hessen bei der Kommunalwahl am 14. März für die nächsten fünf Jahre neu bestimmen. Vor dem Urnengang stellen wir von allen Wahllisten den jüngsten Kandidaten beziehungsweise die jüngste Kandidatin vor – sofern höchstens 30 Jahre alt.

Eppertshausen – Heute: Jonah Weber (19), der (als Parteiloser) für die FDP Eppertshausen auf Listenplatz 5 antritt.

Vor drei Wochen ist Jonah Weber 19 geworden – womit er der jüngste aller Kandidaten ist, die sich in Eppertshausen um ein Gemeindevertreter-Mandat bewerben. Für seine jungen Jahre klingt der Student (Cognitive Science an der TU Darmstadt) jedoch schon recht abgeklärt: „Ich bin kein Freund von plakativen Sprüchen“, antwortet er auf die Frage, welche Eppertshäuser Projekte er gern am schnellsten realisiert sähe, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Differenzierte inhaltliche Vorstellungen hat er gleichwohl.

Vorab: Jonah Weber, dessen Vater Thorsten Weber in der vorvergangenen Legislaturperiode letzter FDP-Mohikaner im Ortsparlament war und nach einer kommunalpolitischen Pause der Liberalen ihre Liste nun wieder als Spitzenkandidat anführt, bewirbt sich als Parteiloser. „Ich habe aber offensichtlich klare Präferenzen“, sagt er mit Blick auf seine Kandidatur für die Liste der Freien Demokraten. Politisch ist er ein Newcomer. „Bei uns zu Hause ist es – darüber bin ich sehr glücklich – eigentlich selbstverständlich, eine politische Meinung zu haben und vertreten zu können“, fügt er an.

Womit aber will der 19-Jährige ein Jahr nach seinem Abitur an der Dieburger Alfred-Delp-Schule in seiner Heimatgemeinde punkten? Und warum kann er sich vorstellen, sich parallel zum jüngst begonnen Studium parlamentarisch zu engagieren? Die Antwort von Weber junior knüpft an seine obige Aussage an: „Es bringt einer Demokratie nichts, nur eine Meinung zu haben“, findet er. „Es braucht auch Menschen, die die Meinung von vielen vertreten können und somit unsere Gesellschaft am Laufen halten.“

Aus diesem Verständnis heraus sei seine Kandidatur gereift. Letztlich habe er festgestellt, dass er sich „mit der liberalen Idee am besten identifizieren“ könne. „Da hat es gut gepasst, dass mich unser FDP-Ortsverband – hauptsächlich mein Vater –gefragt hat, ob ich mit für die FDP in Eppertshausen kandidieren möchte.“ Stichwort Vater: Er sei sein Vorbild, sagt der Sohn, „weniger aber als aktiver Politiker“. Denn an das bislang letzte Gastspiel der FDP im Eppertshäuser Parlament könne er sich selbst gar nicht mehr erinnern, gibt der Teenager zu.

Nun wolle er „mit der aktiven politischen Wirklichkeit in Kontakt kommen“. Und sie – sollte es zum Sitz in der Gemeindevertretung reichen – ein Stück gestalten. „Es ist nicht so, dass ich eine bestimmte Gruppe benennen kann, die ich repräsentieren möchte“, ergänzt er dazu. „Ich biete den Menschen meine politische Meinung und meine Kompetenzen an, um sie damit zu vertreten.“

Sachlich besonders wichtig sind Jonah Weber dabei „vor allem die Themen Bildung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und ein schönes Eppertshausen“. Was er etwa bei der Bildung wie folgt näher ausführt: „Digitalisierung in deutschen Schulen ist für mich heutzutage eine absolute Selbstverständlichkeit – die leider nicht Wirklichkeit ist.“ Zugleich sehe er es nicht so, dass Digitalisierung der Schlüssel zu guter Bildung sei. Sie sei schlicht Voraussetzung. Probleme sehe er „an allen Ecken: Innovationen in unserem Bildungssystem werden ausgebremst, nicht jeder hat den gleichen Zugang zu Bildung und ich glaube nicht, dass Kinder hierzulande zu selbstständigen, demokratischen, intelligenten Mitgliedern unserer Gesellschaft ausgebildet werden.“

Auch im Umweltschutz fällt Webers Zeugnis für das bislang Erreichte nicht schmeichelhaft aus: „Ich bin der Meinung, dass sich vieles auf diesem Gebiet sowohl in Deutschland als auch in der ganzen Welt ändern muss.“ Sorge bereite es ihm, dass die bisherigen Anstrengungen nicht genug zu sein und international betrachtet manche der Auffassung seien, das Thema ginge sie nichts an. „Für Eppertshausen mache ich und machen wir als FDP einen konkreten Vorschlag“, bricht er die zentrale Aufgabe aufs Lokale runter: „Wir sind der Meinung, dass wir auf kommunaler Ebene vor allem drei Schritte verwirklichen müssen. Im ersten Schritt geht es dabei darum, die Gemeinde zu einem Vorbild zu machen, was Nachhaltigkeit angeht. Alle Gebäude der Gemeinde können zum Beispiel Stück für Stück mit Fotovoltaik und Solar ausgestattet werden.“ Zweiter Schritt: „Wir müssen Hindernisse beseitigen, die Gemeinde könnte zum Beispiel baurechtliche Steine aus dem Weg räumen. Drittens sollten wir als Gemeinde Anreize schaffen, um unser Gewerbe, aber auch Privateigentum in Eppertshausen nachhaltiger zu machen.“

Der FDP-Kandidat skizziert damit eine Aufgabe, die die Kommunalpolitik noch viele Wahlperioden lang beschäftigen dürfte. Ob seiner sehr jungen Jahre dürfte Jonah Weber selbst dann noch viel Zeit für den eigenen politischen Beitrag bleiben, sollte der Gewinn eines Mandats am 14. März misslingen. In diesem Fall bliebe der passionierten Wasserratte immerhin mehr Zeit, um buchstäblich „abzutauchen“. Privat verbringt er viel Zeit mit seiner Freundin und der Familie, kocht, backt (und isst) gern und betrachtet auch die philosophischen und informatischen Aspekte seines Studiums als Hobby.  (Von Jens Dörr)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare