Rathaus-Chef wollte für CDU hauptamtlicher Erster Kreisbeigeordneter werden

Kein Vize-Landrat: Helfmann bleibt Bürgermeister

Am Montagabend verlor Carsten Helfmann die Abstimmung gegen Lutz Köhler. Am Dienstagabend (Bild) war für Eppertshausens Bürgermeister wieder Ortspolitik in der Gemeindevertretersitzung angesagt.
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Am Montagabend verlor Carsten Helfmann die Abstimmung gegen Lutz Köhler. Am Dienstagabend (Bild) war für Eppertshausens Bürgermeister wieder Ortspolitik in der Gemeindevertretersitzung angesagt.

Nach seiner gescheiterten Kandidatur als Vize-Landrat bleibt Carsten Helfmann Bürgermeister in Eppertshausen.

Eppertshausen – Es wäre fraglos ein Paukenschlag gewesen: Hätte Carsten Helfmann am Montagabend bei einer geheimen Wahl der CDU-Kreistags-Fraktion die Mehrheit erhalten, hätte Eppertshausen demnächst einen neuen Bürgermeister gebraucht – und das nur wenige Wochen nach Helfmanns Vereidigung für seine vierte, bis Januar 2027 angelegte Amtszeit. Nun bleibt erst mal alles beim Alten: Die Kreis-CDU geht im Sommer mit Lutz Köhler in jene Kreistags-Abstimmung, in der der Gräfenhäuser nahezu sicher mit den Stimmen von CDU und SPD zum hauptamtlichen Ersten Kreisbeigeordneten (zuständig unter anderem für den Schulbau und den ÖPNV) und gleichzeitig Vize-Landrat des Landkreises Darmstadt-Dieburg gewählt werden wird. Helfmann wiederum bleibt im Chefsessel des Eppertshäuser Rathauses.

Mit seinem Wahlerfolg in der 18-köpfigen Runde der CDU-Kreistags-Abgeordneten (darunter neben Helfmann mit Ann-Katrin Brockmann auch eine weitere Eppertshäuserin, die zugleich neue Vorsitzende der CDU-Ortsfraktion ist) hatte Helfmann offenbar selbst nicht so richtig gerechnet: „Es ist nachvollziehbar, dass die Fraktion ihn gewählt hat“, sagt der Bürgermeister, der die Wahl gegen Köhler mit 3:15 Stimmen verlor. „Lutz war der natürlich geborene Kandidat.“

GroKo-Vereinbarung: CDU stellt Ersten Beigeordneten im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Damit spielt Helfmann darauf an, dass Köhler seinen Hut als CDU-Kandidat für die Landrats-Direktwahl am 30. Mai in den Ring geworfen hatte, ehe er seine Kandidatur nach der GroKo-Vereinbarung von Kreis-CDU und -SPD nach der Kreiswahl Mitte März zurückgezogen hatte. Der Deal sieht vor, dass SPD-Amtsinhaber Klaus Peter Schellhaas ohne einen Widersacher Köhler leichteres Spiel bei der Wiederwahl hat – und die CDU zur Belohnung den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten erhält. Dafür wählen CDU und SPD am 10. Mai zunächst den bisherigen Vize-Landrat Robert Ahrnt (Grüne) ab, der unabhängig davon am 30. Mai gegen Schellhaas antritt. Im Juni soll dann Köhlers Wahl erfolgen.

Mit dem „natürlichen“ Anwärter auf das umfassende Kreis-Dezernat meint Helfmann auch, dass Köhler schon seit drei Wahlperioden im Kreistag sitzt und dort zuletzt erster CDU-Mann – konkret Fraktionschef – war. Wobei auch Helfmann schon seit 15 Jahren Mitglied des Kreistags ist. „Ich wollte mit meiner Kandidatur eine weitere personelle Möglichkeit aufzeigen“, sagt der 47-Jährige. Damit überraschte er am Montag allerdings die meisten Fraktionsmitglieder. In Eppertshausen hatte praktisch gar keiner Wind davon gehabt: „Ich habe es dort nur zwei Personen erzählt: meiner Frau und noch jemandem.“

Helfmann scheiterte 2017 mit Bürgermeister-Kandidatur in Rödermark

Grundsätzlich sieht er seine interne Kandidatur – und damit seine Absicht, Eppertshausen wenige Monate nach seiner erfolgreichen Bürgermeister-Wahl im November für die Beigeordnetenstelle im Landkreis zu verlassen – entspannt: „Ich finde, dass das kein Problem ist. Ich habe ja auch nie ein Geheimnis draus gemacht, dass ich mir auch eine andere Aufgabe vorstellen kann.“ So scheiterte Helfmann 2017 bekanntermaßen knapp bei der Bürgermeister-Wahl im benachbarten, deutlich größeren Rödermark. Den Avancen der Kreis-CDU, für den Landrats-Posten zu kandidieren, widerstand er bislang hingegen.

Hätte es nun mit der Stelle des Vize-Landrats geklappt, „so wäre ich ja trotzdem für Eppertshausen aktiv gewesen, nur eben im Kreis“, fügt Helfmann an. Wobei er dann 22 weitere Kommunen gleichermaßen in den Blick hätte nehmen müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette: Carsten Helfmann bleibt nach dem Köhler-Votum der Kreistags-Fraktion Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde – und will auch im Kreistag weiter mitmischen. (Von Jens Dörr)

Was sagen die Bürgerinnen und Bürger, die Helfmann gewählt haben? Schreiben Sie unten in die Kommentare oder schicken Sie uns eine E-Mail an red.babenhausen@op-online.de.

„Derzeit“: Was Helfmann 2020 sagte

Im Vorfeld der Eppertshäuser Bürgermeister-Wahl veröffentlichte unsere Zeitung im September 2020 ein Interview mit Carsten Helfmann, in der unser Autor ihm folgende Frage stellte: „Wählen jene Eppertshäuser, die Ihnen ihre Stimme geben, einen Bürgermeister mit der festen Absicht, die nächsten sechs Jahre im Eppertshäuser Rathaus zu arbeiten? Oder einen Bürgermeister auf Abruf, der bei entsprechenden anderen politischen Perspektiven – etwa in der Landespolitik – offen für eine neue Aufgabe ist, auch wenn sie Ihnen mitten in der Amtszeit angeboten würde?“

Helfmanns Antwort damals lautete wie folgt: „Immer wieder eine interessante Frage. Wenn beim Lesen dieser Frage jeder für sich behaupten kann, immer bei seinem Ausbildungsbetrieb in Rente gehen zu wollen, würde es keinen Wechsel in den Betrieben und Unternehmen geben. Klar ist, ich liebe meine Arbeit und bin auch zukünftig mit vollem Engagement und Herz dabei. Derzeit kann ich mir keine schönere Aufgabe vorstellen.“ (jd)

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