30 Helfer bei Kleidersammlung und Arbeitseinsatz der Kolpingsfamilie

Knapp fünf Tonnen gespendete Klamotten

Schon vor dem eigentlichen Sammeltermin am Samstag nahm die Kolpingfamilie in der Schulstraße Säcke gegen. Die stapelten sich im Lagerraum bis unter die Decke. Nach der Straßensammlung wurde alle Säcke in einen Sattelschlepper verladen, der sie in ein Sortierwerk bringt.
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Schon vor dem eigentlichen Sammeltermin am Samstag nahm die Kolpingfamilie in der Schulstraße Säcke gegen. Die stapelten sich im Lagerraum bis unter die Decke. Nach der Straßensammlung wurde alle Säcke in einen Sattelschlepper verladen, der sie in ein Sortierwerk bringt.

Die Kolpingfamilie Eppertshausen hat am Wochenende ihre Kleidersammlung durchgeführt. Dabei sind geschätzte fünf Tonnen Klamotten zusammengekommen. Doch es standen am Samstag noch mehr arbeiten an.

Eppertshausen – „Das waren geschätzt fünf Tonnen“, resümiert Marcus Schledt von der Eppertshäuser Kolpingsfamilie über die jüngste Altkleidersammlung am Samstagmorgen. Zweimal im Jahr ruft der Verein dazu auf, gut erhaltene Textilien, dazu auch Ledergürtel und Taschen, Bettwäsche, Übergardinen oder Schuhe abzugeben. Laut Schledt rangiert das Endergebnis stets in einer Größenordnung von plus/minus vier Tonnen. „Der Unterschied zur Vergangenheit war, dass uns diesmal ganz viele Säcke gebracht wurden. Und das schon im Vorfeld“, erläutert der Eppertshäuser.

Für die Direktabgabe hatten die Helfer in den zurückliegenden Tagen mehrere Zeitfenster am Kolping-Domizil in der Schulstraße eingerichtet. Mit dem Bringen ihrer Kleiderspenden wollen einige Bürger sichergehen, dass die Säcke nicht vor ihrer Haustür stehen bleiben oder geklaut werden. Letzteres häuft sich mittlerweile in Deutschland, da meist höherwertige Produkte zur Altkleiderabholung wandern als in die aufgestellten Container.

Für die Kolpingfamilie stand am Samstag in mehrerlei Hinsicht ein Großeinsatz an. Neben der Altkleidersammlung rief der „Baby-Kleider-Korb“ des gemeinnützigen Vereins ebenfalls zur Abgabe von Textilien auf. Das Hilfsprojekt unterstützt bedürftige Familien und Alleinerziehende. Sie erhalten kostenfrei intakte Babyausstattung. Zu guter Letzt wurden auch noch Herbstarbeiten im Pfarrgarten ausgeführt. „Insgesamt waren rund 30 Helfer im Einsatz. Diese Beteiligung war in Ordnung“, lobte Schledt. Die Altkleider wurden mit drei Fahrzeugen, die die Kolpingfamilie selbst organisierte, abgeholt. Doch was passiert im Anschluss mit den Säcken? Auf dem Platz hinter der Kirche wurden sie in einen riesigen Sattelschlepper umgeladen. Der dazugehörige Spediteur fuhr im Auftrag der Kolping Recycling GmbH vor. Sie sitzt in Fulda und ist ein gewerbliches Unternehmen, dem nur gemeinnützige Gesellschafter angehören. Sie disponiert den Verkauf der Säcke an riesige Sortierwerke in Norddeutschland und den Niederlanden zum Tonnenpreis. Dazu entlohnt sie die Kolpingsfamilien je nach eingesammelter Menge mit einem Betrag für die Vereinskasse. Nach dem Verkauf an die Textilverwerter ist Kolping nicht mehr am weiteren Weg der Kleider beteiligt. Bei den Sortierwerken fahren täglich Dutzende Lkw mit den Sammlungen verschiedenster Organisationen vor. Schließlich spenden die Deutschen eine Million Tonnen im Jahr an Kleidern.

Es muss alles seine Richtigkeit haben: Die Sammelfahrzeuge haben die Helfer mit einem „A“ für Abfall gekennzeichnet. Bei einem Unfall sieht die Feuerwehr sofort, ob Gefahrgut transportiert wurde.

Die Sortierung in den Werken erfolgt in mehreren Schritten nach Art und Qualität. Sehr gut erhaltene Stücke (rund fünf Prozent) wandern in Second-Hand-Läden und Kleiderkammern in Westeuropa. Die darunterliegende Qualität geht in Länder wie Russland, die Ukraine, Kasachstan oder Bulgarien. In Afrika und Asien sitzen die Abnehmer für die untersten Stufen. Die mittlere und untere Qualität macht rund 40 Prozent aus. Rund 50 Prozent der Textilien lassen sich nicht mehr verwenden. Nach dem Schreddern werden sie zu Putzlappen oder Vlies. Fünf Prozent sind Abfälle.

22 Kilogramm Bekleidung kauft jeder Bundesbürger im Jahr. Das macht in der Summe 1,2 Millionen Tonnen. 70 Prozent werden in Straßensammlungen und Kleidercontainern wiederverwertet, was ein Millionengeschäft darstellt. Im Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung sind rund 130 Organisationen für Altkleider registriert, schätzungsweise doppelt so viele arbeiten frei. „Nicht immer ist deshalb zu erkennen, wer hinter einer Sammlung steht und verdient“, sagt Stephan Kowoll, Geschäftsführer der Kolping Recycling GmbH. Sie macht in ihrem Zuständigkeitsbereich rund sieben Millionen Euro Umsatz im Jahr. Wie er betont, hält sich Kolping an rechtliche Vorgaben. Des Weiteren fließen die Erlöse sozialen Zwecken zu oder gehen in die Bildungsarbeit der Diözesanverbände.

Die oft geäußerte Kritik, dass der Kleiderexport nach Afrika Arbeitsplätze vernichtet, teilt Kowoll nicht. „In Afrika gibt es, wie in Deutschland, fast keine Textilproduktion“, sagt er. Hergestellt würden nur ganz geringe Mengen im Trachtenbereich. Während in Deutschland nur drei bis vier Prozent der Menschen gebrauchte Kleidung tragen, sind es in Afrika 80 Prozent. Die große Zahl an Zwischenhändlern und Verkäufern sichert laut Kowoll vielen Personen ein Einkommen. Auch sei gerade die arme Bevölkerung auf erschwingliche Kleidung angewiesen.

Noch aus einem anderen Grund hält er die Altkleidersammlung für sinnvoll. Es ist der ökologische Aspekt, denn ohne sie würde der Restmüll weiter ansteigen. Um ihren Arbeitsplatz muss sich die Branche kaum Sorgen machen: Häufige Modewechsel, eine kürzere Tragedauer und günstige Discounterware lassen die Menge der abgegebenen Textilien wohl weiter ansteigen. Parallel entwickeln sich die Aufwendungen für die Sortierwerke nach oben. Unter anderem fallen höhere Transportkosten oder Löhne für die Arbeitskräfte an. Das Sortieren ist reine Handarbeit und kann von Maschinen nicht erledigt werden. Für alle Beteiligten auf dem Weg der Kleider bedeutet das, dass ständig neu kalkuliert werden muss.

Die riesige Anzahl an Säcken, die die Eppertshäuser Kolpingfamilie am Samstag verlud, regte zum Nachdenken an: „Wenn man die Menge sieht, kommt man zum Entschluss, dass es unserer Gesellschaft gar nicht so schlecht gehen kann“, brachte es Jörn Müller auf den Punkt. (Michael Just)

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