Die Hörholds lieben Sport

Medaillen an den Gardinenstangen

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Die Hörholds: Sport ist in dieser Familie der Medaillensammler nicht wegzudenken.

Eppertshausen - Die Hörholds sind eine bewegungsfreudige Familie: Bei der jüngsten Sportlerehrung der Gemeinde Eppertshausen waren alle vier Kinder für ihre Erfolge geladen, Jonah erhielt sogar sechs Urkunden. Das Sportabzeichen legten Eltern und Nachwuchs in Gold ab. Von Michael Just 

Zeit, diese außergewöhnliche Familie mit dem Sportler-Gen einmal vorzustellen. Wenn Besuch da ist, flitzt die neunjährige Emma meist umgehend los und kommt mit einem kleinen Büchlein zurück. Darin ist ein Foto, das sie als Dreikäsehoch mit einer Medaille um den Hals zeigt. Gerade einmal zwei Jahre alt war sie, als sie beim Kindergartenlauf über 300 Meter eine bemerkenswerte Leistung ablieferte. Mittlerweile hat sie schon über 30 Medaillen, vorrangig beim Tanzen und Turnen, angehäuft.

Das toppen ihre beiden älteren Brüder Taylor (11) und Jonah (13) mit 50 und 70 Medaillen. Jonah ist leidenschaftlicher Handballer und wurde bereits in die Bezirksauswahl Odenwald-Spessart berufen. Wie die Geschwister turnt er zusätzlich beim lokalen TAV. Das verhalf ihm bereits zum Gau-Pokalsieger. Früher spielte er noch Fußball, was er für den Handball aber geopfert hat. Sein Bruder Taylor fährt mit Handball, Fußball und Turnen immer noch dreigleisig, genauso wie das siebenjährige Nesthäkchen Bennett.

Regelrecht abgeräumt hat der Hörhold-Nachwuchs 2017 bei Kinder- und Stadtläufen. In den jeweiligen Altersklassen resultierten eine Vielzahl erster Plätze, wie etwa beim Hexenlauf in Weiskirchen, dem Schlappeseppel-Lauf in Groß-Ostheim oder beim Volkslauf in Traisa. Mutter Tini Hörhold sieht die Auszeichnungen schmunzelnd als „Nebenprodukt“: „Sie sind doch gar keine Läufer. Die Kondition haben sie sich aber in anderen Sportarten geholt.“

Der Drang zur Bewegung wurde den vier jungen Hörholds quasi in die Wiege gelegt: Papa Bert, Maschinenbauingenieur, war früher Leichtathlet und sogar Stadionsprecher beim Deutschen Leichtathletikverband. Mutter Tini feierte als Heranwachsende in der Leichtathletik die Kreismeisterschaft im Hochsprung und im Speerwurf. Auch beim Schwimmen, Handball und Badminton probierte sie sich aus. Beim Mutter-Kind-Turnen fehlte sie später ebenfalls nicht und übernahm sogar die Leitung. Von Beruf ist sie, wie könnte es anders sein, Sport- und Englischlehrerin an der Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden. Allerdings hat sie nur eine halbe Stelle, da die Arbeit mit vier Kindern sonst nicht zu schaffen wäre. Viel Zeit nehmen vor allem ihre Taxi-Dienste in Anspruch. „Da kann man rund 20 Stunden die Woche rechnen“, sagt die 45-Jährige. Am besten passt es, wenn sie ein Kind abholen und dabei das nächste bringen kann. Durch die verschiedenen Mannschaften, in denen ihre Kids agieren, ist sie in sieben WhatsApp-Eltern-Gruppen. Sind nicht gerade Ferien oder die Saison zu Ende, nehmen die „Kutschfahrten“ sieben Tagen die Woche ein.

Wichtig ist Bert und Tini Hörhold, dass die es den Kindern Spaß macht. „Gedrängt werden sie von uns zu gar nichts“, betonen die Eltern. Zurückhalten tun sie den Nachwuchs ebenfalls nicht. Beide wissen nur zu gut, wie wichtige Bewegung im Leben ist. Manchmal nimmt die Sportbegeisterung der kleinen Hörholds kuriose Züge an. So lief einer der Jungs bei einem Handball-Spiel einmal mit Fußball-Schienbeinschützer auf, weil die Zeit zum Umziehen zu knapp war. Ein anderes Mal ließ sich einer der Zöglinge während eines Fußballspiels auswechseln, da noch ein Stadtlauf anstand.

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Die Sportbegeisterung des Quartetts führt dazu, dass mittlerweile mehrere Aktenordner mit Urkunden überquellen. Die Medaillensammlung aller steht kurz vor der 200. Auf mehreren Gardinenstangen im Wohnzimmer hängen sie funkelt nebeneinander. Die Pokale stehen noch in den jeweiligen Kinderzimmern. Die Betonung liegt auf „noch“, denn von Taylor steht die Forderung an die Eltern im Raum, endlich mal eine Vitrine anzuschaffen.

Fragt man die Kinder, welche Ziele sie für die Zukunft haben, geben sie sich bescheiden. Begriffe wie „Bundesliga“ oder „Nationalmannschaft“ fallen nicht. Stattdessen soll die Freude weiter im Vordergrund stehen. Nicht ganz dürften die vier dabei um das Aus- und Abwählen von Sportarten herumkommen. So erhielt Jonah von seinem Schwimmlehrer einst das Kompliment, dass er ein guter Wassersportler werden könnte und sich einem Schwimmverein anschließen sollte. Von Mutter Tini gab es für den guten Mann nur ein Achselzucken und die Frage: „Wann soll er das machen? Nachts?“

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