Direktvermarkter: Mike Pritsch und Deycke Zorn züchten, schlachten und verkaufen selbst

„Wichtig, die Latte hoch zu legen“

Alles auf dem eigenen Hof: Mike Pritsch und Deycke Zorn inmitten ihrer Herde Charolais.
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Alles auf dem eigenen Hof: Mike Pritsch und Deycke Zorn inmitten ihrer Herde Charolais.

Mike Pritsch und seine Frau Deycke Zorn haben vor wenigen Monaten das Gelände der Beckmann-Ranch in Eppertshausen gekauft. Dort leben sie mit ihrem Sohn sowie knapp 30 Rindern und Schweinen. Pritsch und Zorn ziehen die Tiere groß, schlachten sie und verkaufen anschließend das Fleisch - alles in Eigenregie.

Eppertshausen – Qualität steht für Mike Pritsch an erster Stelle. „Uns ist es wichtig, die Latte hoch zu legen“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau Deycke Zorn züchtet Pritsch Charolais – eine französische Rinderrasse mit weißem Fell – und Schweine, schlachtet sie und verkauft das Fleisch – und das alles im Nebenerwerb. Hauptberuflich arbeitet Pritsch als Ortspolizist bei der Gemeinde Roßdorf. An einer Abendschule hat der gelernte Metzger seine Ausbildung zum Landwirt gemacht.

Von Geburt an bis zur Schlachtung leben die Tiere auf dem Hof in Eppertshausen. „Dadurch haben sie keinen Transport- und Schlachtstress“, erklärt er. Zusätzlich verkaufen sie Rindfleisch vom Wild wie Reh und Wildschwein – ausschließlich aus schonender Jagd. „Die Tiere werden also nicht gehetzt oder lange liegen gelassen“, betont Zorn. „Und natürlich nur Wild, das zum Abschuss freigegeben ist.“

Als kleine Ferkel haben Mike Pritsch und Deycke Zorn die Schweine von der Wiesenmühle in Münster gekauft.

In Eppertshausen wohnen Pritsch, Zorn und Sohn Ben erst seit vier Monaten. Anfang des Jahres haben sie den Hof der ehemaligen Beckmannranch gekauft und dort ihre neue Heimat gefunden. Zuvor haben sie in Winterkasten gelebt, wo der Hof allerdings zu klein wurde. Zum Vergleich: Das Gelände in Eppertshausen ist mit 70 Hektar mehr als doppelt so groß wie der in Winterkasten (30 Hektar), den sie zusätzlich noch besitzen. Knappe zwei Jahre haben Pritsch und Zorn nach einem neuen Hof gesucht, bis sie per Zufall auf den in Eppertshausen gestoßen sind. „Es ist schwer, etwas Gutes zu finden. Und dort ging es einfach nicht mehr“, erzählt Pritsch. Ausbauen war auf dem Gelände auch nicht mehr möglich. „Hier passt es einfach“, sagt er und freut sich auch über die Unterstützung durch Bürgermeister Carsten Helfmann und den Gemeindevorstand. „Auch da lief alles reibungslos und schnell.“ Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Pferde, die Bürger in gemieteten Boxen auf dem Hof unterbringen, dürfen weiterhin da bleiben.

Aber zurück zur Direktvermarktung. Knapp 30 Schweine und Rinder ziehen Pritsch und Zorn auf dem Hof groß. Die Schweine haben sie als Ferkel von Susanne Ries von der Wiesenmühle in Münster (Bericht folgt) gekauft. Die Rinder züchten und ziehen sie ebenso selbst auf. „Wir betreiben die bäuerliche Landwirtschaft im Nebenerwerb mit einer Mutterkuhherde und den Nachzuchten“, erzählt Pritsch. Wichtig ist ihm auch, dass die Charolais mit ihrem weißen Fell und die Schweine nicht groß transportiert werden.

Charolais mit ihrem weißen Fell stammen ursprünglich aus Frankreich.

Das Rindfleisch verkauft er in Mischpaketen von zehn bis 15 Kilogramm (passt in eineinhalb Tiefkühlfächer) für 14 Euro. Ein Preis, den kaum ein anderer Direktvermarkter bieten kann. „Da wir alles selbst machen und nur einmal pro Monat schlachten, haben wir keine allzu hohen Kosten“, sagt Pritsch. Zwar könnte er mehr Geld verlangen und die Kunden würden das Fleisch trotzdem kaufen, meint er, „aber wir möchten, dass es sich jeder leisten kann“. Pritschs und Zorns Kundenstamm ist groß und deckt auch eine breite Masse ab. „Von Rentnern über Familien bis hin zu Ärzten kann sich jeder das Fleisch leisten.“

Auch Dry Aged Beef bieten Pritsch und Zorn nun an, was aber ein langer Prozess ist. Das Fleisch wird bei der Trockenreifung in einem kühlen Klima am Knochen abgehangen und so genussreif gemacht – mindestens zwei und bis zu acht Wochen. Dabei bildet sich eine trockene Schicht, die das Muskelfleisch schützt und gleichzeitig die Aromen fördert.

Einen Hofladen hat das Paar nicht. Die Kunden melden sich online oder telefonisch an und geben ihre Bestellung ab. Knapp eine Woche vor der monatlichen Schlachtung – die nächste ist im November – ruft Pritsch die Besteller dann an und macht mit ihnen einen Termin zur Abholung aus. (Lars Herd)

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