Schwächen aufarbeiten und Stärken entwickeln

Mira-Lobe-Schule feiert ihr 25-jähriges Bestehen

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Jutta Meier neben den Zielen, die sich die Mira-obe-Schule gesetzt hat. Die Schulleiterin steht in einem Klassenraum mit speziellen Schallschutzwänden. Die akustischen Normen für die Räume sind bei Sprachheilschulen strenger als bei Regelschulen.

Eppertshausen - 25 Jahre gibt es die Schule für Sprachförderung des Landkreises, seit 2011 ist die seit diesem Zeitpunkt Mira-Lobe-Schule benannte Institution in Eppertshausen. Drei Viertel aller Kinder der Sprachheilschule wechseln noch im Grundschulalter auf die Regelschule. Von Jens Dörr 

Dies alles wird am Freitag, 23. Juni, bei einem Festakt gefeiert. Im Grunde müsste die 25 die Zahl aller Zahlen in diesem Artikel sein: Seit genau so vielen Jahren, einem Vierteljahrhundert also, existiert nämlich die Mira-Lobe-Schule (MLS), die Sprachheilschule des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Man könnte aber auch die 2011 herauspicken: Vor sechs Jahren, eben in 2011, zog die MLS schließlich von ihrem bisherigen Standort Klein-Umstadt nach Eppertshausen um. Und doch erscheint eine andere Zahl viel wichtiger: die 75. Weshalb? Sie gibt den Anteil an Kindern wieder, der dank der Arbeit der MLS noch im Grundschulalter den Wechsel auf die Regelschule schafft.

„Das Ziel ist immer der Abbau der Sprachauffälligkeit“, sagt Schulleiterin Jutta Meier. In etwa 75 Prozent der Fälle gelingt es der Mira-Lobe-Schule, Jungen und Mädchen in den ersten Schuljahren so weit zu stärken und nach vorn zu bringen, dass sie sich unter die Kinder der Regelschulen mischen können. In weiteren Zahlen ausgedrückt heißt das: Von den derzeit 115 Mira-Lobe-Schüler, die in Eppertshausen neben der Stephan-Gruber-Schule dort untergebracht sind, wohin früher auch mal die Hauptschüler der Münsterer Schule auf der Aue „ausgelagert“ waren, dürfte es rund 80 gelingen, sich aus der MLS noch vor Ende des vierten Schuljahrs zu verabschieden. „Genau das ist es, was wir zusammen mit den Schülern und ihren Familien erreichen wollen“, sagt Meier und spricht damit auch für das rund 20 Lehrerinnen große Kollegium der „Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprachheilförderung des Landkreises Darmstadt-Dieburg Eppertshausen“, wie die MLS hochoffiziell heißt.

Dass ein Kind an der Sprachheilschule in Eppertshausen, wohin Schüler aus dem östlichen Landkreis, aber auch aus Orten wie Mühltal und Ober-Ramstadt kommen, zunächst besser aufgehoben sein könnte als an einer Regelgrundschule, deutet sich meist schon im Kindergarten-Alter an. „Quereinsteiger sind selten, die meisten unserer Kinder haben ihre schulische Laufbahn direkt bei uns begonnen“, sagt Meier. Die könne im Sinne einer frühzeitigen Förderung auch schon in den Vorklassen der MLS, in die je nach Kapazität sogar schon Kinder im nicht schulpflichtigen Alter gehen können, starten.

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Dem vorausgegangen ist bei den Kindern die Feststellung von Sprachauffälligkeiten, die so stark sind, dass ihre Sprachentwicklung in der Regelschule auch mit schulbegleitenden Therapiemaßnahmen nicht angemessen gefördert werden könnte. Ehe eines der drei Beratungs- und Förderzentren, mit denen die Mira-Lobe-Schule regional zusammenarbeitet, eine Einschulung an der Mira-Lobe-Schule vorschlägt, haben in der Regel bereits der Kindergarten, ein Logopäde oder eine Frühberatungsstelle ein Bild vom Entwicklungsstand eines Kindes gezeichnet. Bis Mitte Dezember muss für ABC-Schützen der Antrag auf Aufnahme an der MLS im nächsten Schuljahr gestellt sein.

„Jedes Kind hat Anspruch auf eine sonderpädagogische Förderung, so dass es dem Regelplan der Grundschule folgen kann“, umreißt die Schulleiterin den Rahmen, den es für die Pädagoginnen – Männer gehören dem MLS-Kollegium derzeit nicht an – in Eppertshausen mit Leben zu füllen gilt. „Fast alle unserer Kinder hatten schon Logopädie und andere Förderung. Trotzdem erscheint eine erfolgreiche Mitarbeit in der Regelschule dort nicht erfolgversprechend.“

Intensive Förderung

An der Mira-Lobe-Schule erhalten die Schüler eine sehr intensive Förderung hinsichtlich der Erarbeitung von Lauten im Lese-Rechtschreib-Prozess (Meier: „Jeder Laut wird mit einem Handzeichen verbunden. Lernen mit allen Sinnen ist Unterrichtsprinzip“), der auditiven Wahrnehmung (manche Schüler können zum Beispiel die Zischlaute „sch“ und „ch“ nicht unterscheiden), der Merkfähigkeit und der Mundmotorik. „Besonders in den Vorklassen lautet der Ansatz ,greifen und begreifen’, was alle Sinne einbezieht“, stellt Meier erneut heraus. Inhaltliche Grundlagen des Unterrichts sind indes die Bildungsstandards der Regelschule, ebenso unterscheiden sich die Unterrichtsfächer und die Zahl der Stunden nicht von anderen Grundschulen. Gearbeitet wird über alle normalen Grundschulvorhaben hinaus an der MLS stets mit speziellem Augenmerk an einer sicheren Dialog- und Kommunikationsfähigkeit. Dafür sind die Beseitigung von Sprach-, Wahrnehmungs- und Psychomotorikstörungen, der Schriftspracherwerb, der Ausbau des Wortschatzes und die lautrichtige Artikulation entscheidende Voraussetzungen.

Die Voraussetzung für die Mira-Lobe-Schule selbst schuf 1991 ein Beschluss des Kreistags. Im Jahr darauf, 1992 – damals war auch Jutta Meier schon mit von der Partie –nahm die MLS mit zwei Vorklassen und zwei ersten Klassen noch als Abteilung der Klein-Umstädter Wendelinusschule ihre Arbeit auf. „Die Einrichtung wurde immer größer und fand immer mehr Akzeptanz“, blickt Meier zurück. 2006 entließ der Schulträger die MLS in die Selbstständigkeit. Raumnot in Klein-Umstadt führte 2011 zum Umzug nach Eppertshausen. Dort vermischt sich die MLS teils auch mit der Stephan-Gruber-Schule, hat dieselben Pausen- und Unterrichtszeiten, nutzt gemeinsam die Mehrzweckhalle, Küche und Spielehütte im Hof.

Am Freitag, 23. Juni, 10 Uhr, feiert die Mira-Lobe-Schule ihr 25-jähriges Bestehen mit geladenen Gästen und ihren Schülern bei einem Festakt in der Aula.

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