Nach 25 Jahren im Dienst als Flüchtlingsunterkunft:

Was geschieht mit dem Gebäude an der Hauptstraße 93?

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Was mit dem großen Anwesen an Eppertshausens Hauptstraße 93 geschieht, ist noch offen. 25 Jahre nutzte die Gemeinde es als Unterkunft für Flüchtlinge, jetzt dient es Obdachlosen als Schlafplatz. Doch es ist stark sanierungsbedürftig und genügt kaum noch den Ansprüchen.

Eppertshausen - 25 Jahre lebten in der Hauptstraße 93 Flüchtlinge, nun sind es Obdachlose, denen das Gebäude noch dient. Jetzt müssen die Politiker die Optionen ausloten: sanieren, umbauen, abreißen, neu bauen oder verkaufen.

Anfang der 1990er Jahre kam eine große Zahl Zuwanderer nach Deutschland, vergleichbar etwa mit dem starken Anstieg von Asylsuchenden vor drei Jahren. Waren es in den frühen 90er Jahren vor allem Bürgerkriegsflüchtlinge aus Jugoslawien und Roma aus Rumänien und Bulgarien, flüchteten nun überwiegend Menschen aus Syrien und Pakistan, aus Afghanistan, Irak und Eritrea nach Deutschland. Schon vor 25 Jahren nahm die Gemeinde eine große Zahl asylsuchender Menschen auf, gab ihnen Unterkunft in einem eigenen Gebäude. Auch viele andere Kommunen gaben den geflüchteten Menschen Obdach, schlossen ihre Unterkünfte aber wieder, als die Welle der Zuwanderer abebbte. Anders in Eppertshausen. Dort betrieb die Gemeinde die Unterkunft in der Hauptstraße 93 weiter und war somit gut vorbereitet, als auf die Landkreiskommunen abermals viele geflüchtete Menschen verteilt werden mussten.

Die Unterkunft, die aus einem Hauptgebäude und einem Hinterhaus besteht, wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten bereits renoviert. Jedoch ist es in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den gängigen Standards. Die zahlreichen Bewohner-Wechsel beschleunigten den Verschleiß an den Gebäuden. „Zuletzt lebten knapp 60 Personen in der Unterkunft“, sagt Bürgermeister Carsten Helfmann auf Anfrage unserer Zeitung. Die Asylsuchenden seien inzwischen in die Unterkünfte in der Babenhäuser- und der Jahnstraße – dort wurde ein ehemaliges Fitness-Studio entsprechend umgebaut – verteilt. Einige der ehemaligen Bewohner mussten die Übergangsunterkünfte mittlerweile verlassen und leben in festen Mietverhältnissen.

„Gegenwärtig nutzen wir das Gebäude in der Hauptstraße für die Unterbringung von obdachlosen Menschen“, schildert Bürgermeister Helfmann. Der überwiegende Teil der Häuser steht leer, wird als vorläufiger Aufenthaltsort für Geflüchtete nicht mehr benötigt. Deshalb kündigte die Gemeinde mit dem Landkreis, der für die Verteilung und Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, zum 31. Dezember 2017 den Mietvertrag für das Haus in der Hauptstraße als Asylbewerberunterkunft.

Für die Zukunft der gemeindeeigenen Immobilie gebe es nun drei Optionen, sagt der Rathauschef. „Eine Möglichkeit wäre, die Liegenschaft grundhaft zu sanieren. Beim Vorderhaus wäre das machbar, denn es hat noch eine recht gute Grundsubstanz. Der rückwärtige Teil müsste aber wahrscheinlich abgerissen werden.“ Auch die Sanierung des Haupthauses wäre aber ein wirtschaftliches Risiko, da jede Etage komplett erneuert werden und jeweils mit eigenem Bad und Küche ausgestattet werden müsste. Dach und Fenster müssten erneuert werden, zudem gebe es ein Problem mit Feuchtigkeit.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

„Wohnraum ist extrem knapp, weshalb jede Umnutzung eines bestehenden Gebäudes in Mietwohnungen zunächst attraktiv ist. Wir können aber nicht mehr als vier Wohneinheiten mit 60 bis 70 Quadratmetern in dem Haupthaus installieren. Die Frage bei der Sanierungsvariante ist nun: lassen sich Modernisierung und Umbau seriös kalkulieren und rechnen sich die Maßnahmen, wenn später nur vier Wohnungen für einen günstigen Preis vermietet werden können?“

Variante zwei würde im Abriss von Haupt- und Hinterhaus und einem kompletten Neuaufbau bestehen. Das 1 090 Quadratmeter große Grundstück ist allerdings lang und schmal und sei für den Bau eines Mietshauses mit mehreren Wohneinheiten kaum geeignet, sagt Helfmann. „Letztendlich gibt es noch die Überlegung, Haus und Grundstück zu verkaufen und den Neubau eines Objekts mit Mietwohnungen an einen Investor abzugeben“, nennt der Bürgermeister die dritte Option. Vor allem bei den Varianten Abriss und Neubau sowie beim Verkauf an einen Investor bleibe allerdings die Frage unbeantwortet, wie mit den obdachlosen Menschen umzugehen sei.

„Wohnsitzlosen Menschen muss eine Unterkunft angeboten werden können“, erklärt der Bürgermeister. Nun stünden Gespräche zwischen Landratsamt und Kommunen an, um zu definieren, wer künftig für die Obdachlosenunterbringung zuständig ist. (zeta)

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