Pfarrer Röper muss mit 80 in den Ruhestand

Noch ein Seitenhieb gen Bischof aus Eppertshausen

Nahm auch in seinem Geburtstags-Gottesdienst kein Blatt vor den Mund: Harald Christian Röper, jetzt Pfarrer a. D. Links hinten sein Zwillingsbruder Friedrich Franz Röper, der am Mittwoch ebenfalls 80 wurde.
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Nahm auch in seinem Geburtstags-Gottesdienst in Eppertshausen kein Blatt vor den Mund: Harald Christian Röper, jetzt Pfarrer a. D. Links hinten sein Zwillingsbruder Friedrich Franz Röper, der am Mittwoch ebenfalls 80 wurde.

Großer Bahnhof für einen Pfarrer: Die Eppertshäuser Katholiken, aber auch viele Gäste anderer Konfessionen und Kommunen, haben Harald Christian Röper an seinem 80. Geburtstag in den Ruhestand „verabschiedet“.

Eppertshausen - Zum Open-Air-Gottesdienst an der Kirche St. Sebastian kamen 430 Gäste. Röper blieb auch an seinem „Runden“ seiner stets direkten Art treu, die auch vor der Obrigkeit keine Scheu kennt.

Ursprünglich hatte die Kirchengemeinde St. Sebastian mit maximal 250 Besuchern geplant, nutzte schließlich aber den größer gewordenen Spielraum aus. Angemeldet hatten sich neben vielen Gemeindemitgliedern auch etliche Prominente aus Kirche, Politik und Gesellschaft: vom evangelischen Pfarrer Eppertshausens, Johannes Opfermann, über Röpers Münsterer Amtskollegen und Nachfolger Bernhard Schüpke bis hin zu Landrat Klaus Peter Schellhaas. Natürlich war auch Röpers Zwillingsbruder Friedrich Franz zur gemeinsamen Geburtstagsfeier nach Eppertshausen gekommen.

Den Gottesdienst gestalteten Michael Roth (Musik), Messdiener und Fürbitten-Sprecher der Pfarrgemeinde sowie Domkapitular Prälat Hans-Jürgen Eberhardt. Er leitet im Bischöflichen Ordinariat des Bistums Mainz das Personaldezernat – und ahnte vor dem zentralen Moment des Mittwochabends schon, dass ihm eine heikle Situation bevorstehen würde. Denn Röper hatte nie verhehlt, dass er gern über seinen 80. Geburtstag hinaus in offizieller Pfarrersfunktion für die Eppertshäuser geblieben wäre.

Doch mit 80 hat Röper das Alter ausgereizt, das das Bistum zugesteht. Röper wird zwar weiter im Pfarrhaus gegenüber der Kirche wohnen bleiben und sich im Ort gewiss auch noch sozial und seelsorgerisch engagieren. Formal ist er seit Mittwoch aber aus dem Dienst entlassen. Blöd nur, dass die vom Mainzer Bischof Peter Kohlgraf formulierte und unterschriebene Entlassungsurkunde, deren Text Eberhardt beim Gottesdienst verlas ein freiwilliges Ausscheiden Röpers suggerierte. Die Antwort des seit 46 Jahren in Eppertshausen wirkenden Pfarrers a. D. folgte prompt und scharf: „Das, was der Bischof schreibt, ist unehrlich!“ Um anzufügen, dass die Kirche unbedingt ehrlich sein müsse und sich mit derlei Floskeln - so üblich sie auch sein mögen – in Sachen Glaubwürdigkeit keinen Gefallen tue.

An den Gottesdienst schloss sich der „weltliche“ Teil des Programms samt Glückwünschen und Geschenkübergaben an. Wobei die persönliche Bescheidenheit von Harald Christian Röper, dem nie an Materiellem gelegen war, die Wahl eines Präsents erschwerte. Die (politische) Gemeinde Eppertshausen schenkte dem großen Hundefreund einen Gutschein für ein Tiergeschäft - vor allem aber ernannte sie Röper als erst zweiten Eppertshäuser überhaupt zum Ehrenbürger (wir berichteten). Die Kolpingsfamilie hatte – ganz im Sinne von einer der ortsprägendsten Eppertshäuser Persönlichkeiten der vergangenen 50 Jahre – im Vorfeld Geld für die Valentinus-Kapelle gesammelt. Mehr als 3 000 Euro für den Erhalt des Kulturdenkmals in der Eppertshäuser Friedhofstraße kamen zusammen.

Noch im Gottesdienst hatte Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt die Röper-Zwilling – der Bruder hat es Harald Christian beruflich gleichgetan – besonders mit einem Satz geadelt: „Die Röpers haben die Botschaft ,Tür aufmachen’ nicht nur gepredigt, sondern gelebt!“ Immer dann, wenn die Menschen aufeinander zugingen, sei das Reich Gottes nahe: „Das ist unsere Verheißung!“ (Jens Dörr)

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