Gemeinde vergibt Auszeichnung erst zum zweiten Mal

Pfarrer Röper wird Ehrenbürger in Eppertshausen

Harald Christian Röper
+
Pfarrer Harald Christian Röper wird Ehrenbürger in Eppertshausen

Was haben der frühere Bürgermeister Peter Markus Larem (im Amt von 1961 bis 1973) und der katholische Pfarrer Harald Christian Röper gemeinsam? Die Antwort kannten bisher nur die Eppertshäuser Gemeindevertreter und wenige Eingeweihte, die bis zu den zwei entscheidenden Unterschriften allesamt geschwiegen hatten: Larem und Röper sind Eppertshausens einzige Ehrenbürger.

Eppertshausen - Die hohe Auszeichnung war bis dato nur dem Altbürgermeister zuteilgeworden, 1973. Zwei Jahre später trat im Ort ein junger Geistlicher an, der 46 Jahre in der Pfarrgemeinde St. Sebastian wirken und sie maßgeblich prägen sollte. Am Mittwoch, 7. Juli, wird Röper 80 Jahre alt, geht dann zugleich in den Ruhestand und wird an diesem Abend bei einem Open-Air-Gottesdienst am Haus Sebastian offiziell zum Ehrenbürger ernannt.

Die Urkunde unterschrieben Bürgermeister Carsten Helfmann und der neue Vorsitzende der Gemeindevertretung, Ewald Gillner (beide CDU) gestern im Rathaus. Dort präsentierten sie nicht nur Schriftstück und die Ehrenplakette der Gemeinde, die Röper erhalten wird. Vor allem lieferten sie sowie die Gemeindemitarbeiter Lutz Murmann und Melanie Hartig viele gute Gründe, warum Röper nun dergestalt ausgezeichnet werden soll.

Dies taten sie zum einen schematisch, indem Helfmann die fast fünf Jahrzehnte lange Leistung Röpers in Eppertshausen aufzeigte, der nach seinem Dienstende weiter im Pfarrhaus wohnen wird. Helfmann erläuterte, weshalb er den Antrag auf entsprechende Würdigung in der Gemeindevertretung gestellt habe: „Für Eppertshausen war Harald Christian Röper viel mehr als nur Seelsorger. In seiner ungewöhnlichen Hilfsbereitschaft war er Sozialarbeiter für die in Eppertshausen gestrandeten Flüchtlinge, für sozial Schwache, für an den Rand Gedrängte. Er war immer – für alle in der Gemeinde – ansprechbar, wenn es galt, Leid zu mindern oder eine Person oder Sache zu unterstützen. Er hat mit den Eppertshäusern Feste gefeiert und ihnen in dunklen Stunden beigestanden, hat unzählige Kinder getauft, sie zur Erstkommunion geführt, sie als Jugendliche gefirmt, Ehen geschlossen und Verstorbene zur letzten Ruhestätte geleitet.“ Dazu verliere die Pfarrgemeinde mit seinem offiziellen Dienstaustritt, den Röper in Abstimmung mit dem Bistum Mainz mit zur altersmäßig letzten Grenze hinausgezögert hatte, einen „kantigen“ Pfarrer, der „immer bereit war, zu gesellschaftlichen, sozialen, weltlichen und kirchlichen Themen klar und offen seine Meinung zu sagen“.

Die Ehrenbürger-Urkunde und die Ehrenplakette für Pfarrer Harald Christian Röper zeigen Gemeindevertretungsvorsitzender Ewald Gillner (links) und Bürgermeister Carsten Helfmann.

Lutz Murmann erinnerte sich, wie er 1975 als Messdiener bei einem Fußballturnier des Bistums Mainz mitkickte und hinter dem Tor einen Mann mit schwarzen Haaren stehen sah. „Auf der Heimfahrt mit dem Bus wurde er uns dann als unser neuer Pfarrer vorgestellt.“ Ewald Gillner beschrieb Röper als „Mensch mit extremer sozialer Ader und Ecken und Kanten“, der manchmal „in fast schon absolutistischer Art von seinen Mitmenschen ähnliches Engagement erwartet“. Röper sehe stets das Gute, was Gillner ab und an als „blauäugig“ empfunden habe. Beispielsweise als der Pfarrer bei einem Hilfstrip nach Budapest das Fahrzeug über Nacht etwas naiv öffentlich statt auf einer bewachten Fläche geparkt habe: „Am nächsten Morgen standen zwei Fahrzeuge da“, erzählte Gillner augenzwinkernd und meinte natürlich das Gegenteil.

Melanie Hartig berichtete, dass das Bürgermeister-Büro im Rathaus für nur zwei Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit offengestanden habe: für den verstorbenen Rainer Eder – und für Harald Christian Röper. Auch auf sein Merkmal, einem Kaffee und Süßigkeiten selten abgeneigt zu sein, ging sie schmunzelnd ein.

Für Erheiterung sorgte bei der Unterzeichnung der Ehrenbürger-Urkunde nicht zuletzt Bürgermeisters Carsten Helfmanns Erinnerung daran, wie Eppertshausens Pfarrer einmal Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier in den Senkel gestellt habe: Bei der Übergabe eines hohen Zuschusses in Eppertshausen hatte Röper dem etwas zu forschen Landesvater deutlich gemacht, dass er da nicht das Geld der Regierung, sondern der hessischen Steuerzahler verteile. (Jens Dörr)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare