Karateka vom GKV Lotus Eppertshausen schafft dank großer Unterstützung auch die finanziellen Hürden

„Wael wird Olympiasieger“

Will 2020 Olympia-Gold in der Kata (Formenlauf) nach Eppertshausen holen: Wael Shueb, hier beim Training in der Halle im Eppertshäuser Sportzentrum. -  Fotos: Dörr

Eppertshausen -   Der für Tokio 2020 qualifizierte Karateka Wael Shueb vom GKV Lotus Eppertshausen meistert dank eines Netzwerks aus Unterstützern auch die hohe finanzielle Hürde. Von Jens Dörr

Im Oktober vergangenen Jahres berichtete unsere Zeitung über Karateka Wael Shueb. Der Syrer kam als Flüchtling nach Deutschland und schließlich ins Rhein-Main-Gebiet. Beim GKV Lotus Eppertshausen fand der einstige Nationalkader-Athlet seine neue sportliche Heimat und in einem Eppertshäuser Fitnessstudio zudem einen Ausbildungsplatz. Nicht nur deshalb, wegen seiner (deutschen) Freundin und seinem spürbaren Integrationswillen scheinen Shuebs Perspektiven rosig: Als Mitglied des Flüchtlingsteams ist der 30-Jährige bereits sicher für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifiziert. Im Weg stand bisher vor allem noch die hohe finanzielle Hürde. Die ist dank eines Netzwerks aus Unterstützern nun weitgehend gemeistert.

Zu ihnen gehört einerseits Ernes Erko Kalac, Vorsitzender des vielfach für seine Integrationsarbeit ausgezeichneten Eppertshäuser Gesundheits- und Kampfsportvereins. Kalac lernte Shueb auf einem Integrationsfest kennen und holte ihn zum GKV Lotus, wo man Shueb auch als Trainer einsetzt. Kalac war einst selbst WM-Dritter im Formenlauf, der Kata. Er sah Shuebs Fähigkeiten. Fortan förderte er sie und unterstützte den Kampfkünstler auch im formalen Auswahlprozess des IOC.

Vergangenen Herbst erhielten Shueb und Kalac die frohe Kunde von der Teilnahme des syrischen Kata-Spezialisten im „Refugee Olympic Team“, das es seit den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro gibt. Karate mit seinen Disziplinen Kata und Kumite (Kampf) ist 2020 erstmals olympisch.

Neben den formalen und sportlichen Herausforderungen galt es seither vor allem, die verbleibenden zwei Jahre organisatorisch und finanziell abzusichern. Beim Geld – auch der Deutsche Karate-Verband hat laut Kalac Förderung in Aussicht gestellt, ausreichen würde diese allein aber längst nicht – kommt der nächste wichtige Unterstützer Shuebs ins Spiel: der Groß-Zimmerner Unternehmer Prinz Michael von Anhalt (Michael Killer), bekannt insbesondere für seine in der Region verbreiteten Fitnessstudios. Er bildet Shueb in seinem Eppertshäuser Studio nicht nur aus, sondern unterstützt den GKV Lotus auch schon seit mehr als 15 Jahren. Und zeigt sich bei der fast schon märchenhaften Geschichte des aus Damaskus geflohenen Spitzenkaratekas besonders generös.

Prinz Michael von Anhalt sponsert nun – konkret seit Anfang Mai – insbesondere das Gehalt von Shuebs Trainer Ahmad Yousef Alkhatba. Der war einst syrischer Nationaltrainer, ehe ihn der Bürgerkrieg ebenfalls zur Flucht zwang. Alkhatba verschlug es im Gegensatz zu Shueb zunächst ins Saarland; der Kontakt der beiden riss aber nie ab. Nun trägt der Adelige nicht nur Alkhatbas Gehalt, das Kalac auf rund 20 000 Euro pro Jahr taxiert. Prinz Michael will nach dem Umzug des Trainers auch dessen Familie – Frau und fünf Kinder – dabei unterstützen, in Südhessen schulisch und ausbildungstechnisch Fuß zu fassen.

Insgesamt geht Erko Kalac davon aus, dass für Shuebs Olympia-Abenteuer ein Budget von mehr als 100 000 Euro vonnöten sein dürfte. „Er muss ja auch was Gutes essen.“ Sein Schützling sei „technisch top, aber am Körperlichen müssen wir noch arbeiten“. Das tut Shueb zwischen Ausbildung und Trainertätigkeit in jeder freien Minute. Prinz Michael berichtet über den Syrer nur Gutes: „Er macht sich sehr gut, lernt fleißig Deutsch. Er ist im Studio sehr beliebt, sehr loyal, ein aufrichtiger und guter Mensch. Was gibt es da Schöneres, als einen Sportler wie ihn auf dem Weg zum Erfolg begleiten zu dürfen?“

Mit dem Erfolg bei den Olympischen Spielen, der dann zwar nicht der deutschen Medaillenausbeute zugute käme, aber ganz klar doch ein Triumph für ein besonderes Teamwork made in Südhessen wäre, rechnet Prinz Michael von Anhalt übrigens ganz ernsthaft und fest: „Wael wird Olympiasieger!“

Erko Kalac als Mann vom Fach hat seinen Schützling per Videoanalyse mit dem amtierenden Weltmeister verglichen. Er sieht das Potenzial für die beste Olympia-Kata, wobei sich Shueb in Tokio gegen elf weitere männliche Karatekas durchsetzen und dabei mindestens sechs Duelle gewinnen müsse. Trotz des Trainings- und Kräfterückstands wegen der aufreibenden Flucht nach Deutschland setzte der Neu-Eppertshäuser als Siebter der Deutschen Meisterschaften kürzlich ein erstes Ausrufezeichen. Bei der WM im November dieses Jahres in Madrid steht der erste internationale Härtetest an, bis Tokio folgen zudem noch zwei Europameisterschaften und 2019 einige Premier-League-Wettkämpfe.

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