Verregneter Sommer verbessert Situation ein wenig

Waldwirtschaftsplan 2022 Eppertshausen mit zartem Plus

Thomas Schmalenberg erläuterte mit seinem Kollegen Hendrik Bickel den Waldwirtschaftsplan für Eppertshausen.
+
Thomas Schmalenberg erläuterte mit seinem Kollegen Hendrik Bickel den Waldwirtschaftsplan für Eppertshausen.

Das Land der Buchen – so bezeichnen die Römer einst weite Teile Hessens aufgrund der vielen Buchenwälder. Heute ist die Baumart vom Klimawandel gezeichnet und gehört gleich hinter der Fichte, die laut Hessenforst schon zu drei Viertel aus den hiesigen Wäldern verschwunden ist, zu den am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Arten.

Eppertshausen – „Wer unter einer gesunden Buche steht, sieht wegen ihres dichten Blätterdachs den Himmel nicht. Mittlerweile ist dessen Blau und Grau durch die Schädigungen deutlich erkennbar, auch im Eppertshäuser Gemeindewald“, erzählt Revierförster Hendrik Bickel. Zusammen mit Thomas Schmalenberg, Produktionsleiter im Dieburger Forstamt, war er in die Eppertshäuser Bürgerhalle gekommen, um wie jedes Jahr den Gemeindevertretern die aktuelle Situation in den Eppertshäuser Waldabteilungen und den darauf beruhenden Waldwirtschaftsplan zu erläutern. Er stellt die wahrscheinlichen Einnahmen und Ausgaben für die Gemeindekasse im nächsten Jahr dar.

Der Waldwirtschaftsplan besagt seit geraumer Zeit durch die anhaltende Trockenheit nur noch wenig Gutes. Nach drei sehr warmen Jahren (2018 bis 2020) mit kaum Regen haben sich die Parlamentarier schon fast daran gewöhnt, dass man ihnen ein Defizit vor Augen hält. Davor war es über drei Jahrzehnte üblich, dass ihnen die Forstwirtschaft eine hohe Summe im fünfstelligen Bereich in die Gemeindekasse spült. „Seit dem Waldsterben Mitte der 80er Jahre erleben wir gerade die schlimmste Zeit“, hob Bickel heraus. Mit Blick auf 2021 prognostizierte Hessenforst für Eppertshausen zuvor einen Verlust von rund 15.000 Euro. Dieser trat, wie Schmalenberg jetzt mitteilte, nicht ein. Eine Art „Corona-Prämie“, mit der der Bund zertifizierte und nachhaltig arbeitende Forstbetriebe entlohnte, wandelte ein negatives Ergebnis doch noch in ein positives um. 34.000 Euro wurden überwiesen, sodass unter dem Strich ein Gewinn von 28.000 Euro steht. Dazu trugen nicht zuletzt die enorm gestiegenen Holzpreise bei.

Im diesjährigen Sommer erholte sich die Gesamtwirtschaft von den Folgen der Pandemie, was besonders an den Benzinpreisen sichtbar wurde. Zuvor extrem niedrige Holzpreise, die durch immense Sturm-, Käfer- und Pilzschäden entstanden, kehrten sich unerwartet komplett um und kletterten höher und höher. In ihren Ausführungen erläuterten die Förster in der Bürgerhalle immer wieder anschaulich die enormen Veränderungen, mit denen sie derzeit im Wald durch den Klimawandel zu kämpfen haben.

Der sogenannte Klimawald ist auch in Eppertshausen ein Thema. Baumarten aus südlichen Ländern sollen hiesige ersetzen, die mit den neuen Gegebenheiten nicht zurechtkommen. In zertifizierten Gemeindewäldern wie in Eppertshausen dürfen fremde Arten aber nur begrenzt gepflanzt werden.

So liegt ein großer Schwerpunkt ihrer Arbeit aktuell auf der Verkehrssicherungspflicht, die die Bürger vor abbrechenden Ästen oder gar umfallenden Bäumen schützen soll. Das gilt vor allem für den Baumbewuchs an Straßen, Waldparkplätzen und Fahrradwegen. Dass aus heiterem Himmel plötzlich Bäume umfallen, was durch geschwächtes Wurzelwerk entsteht, führte laut Schmalenberg in Hessen sogar schon zu Personenschäden. Davon blieb man im Bereich des Forstamts Dieburg bisher verschont. Aber es gibt Fälle im Zuständigkeitsbereich, in denen Bäume „ohne Ansage“ vor Autos stürzten. Das präventive Fällen von Schadholz ist weitaus kostenintensiver, da die Arbeiter vor herunterfallenden Ästen durch instabile Kronen geschützt werden müssen und deshalb nur zum Teil direkt am Stamm agieren dürfen. Neue, erschütterungsfreie Fälltechniken und Vorrichtungen helfen, dass kaum noch Vibrationen ins „Obergeschoss“ gelangen. Zudem können die Waldarbeiter das Umfallen der Bäume aus sicherer Distanz beobachten.

Der Waldwirtschaftsplan 2022 sieht für Eppertshausen Ausgaben in Höhe von fast 69.000 Euro vor. Darunter fallen Aufwendungen für die Wegeunterhaltung, der Schutz gegen Wildschäden und vor allem Kosten für Unternehmer, die die Aufarbeitungen durchführen. Auch die Wiederaufforstung von Freiflächen gehört dazu. Dort schlägt die Verjüngung mit zertifiziertem Pflanzgut nicht gerade günstig zu Buche. Einer der größten Brocken entfällt mit fast 8.000 Euro auf die Verkehrssicherung. Den Ausgaben stehen Einnahmen von rund 71.000 Euro gegenüber. Das würde unter dem Strich ein zartes Plus von etwa 2.000 Euro bedeuten.

Wie Schmalenberg sagte, wurde der Waldwirtschaftsplan mit zurückhaltendem Optimismus aufgestellt. Werde der nächste Sommer nicht ganz so heiß und das Wetter komme ausgeglichen daher, könnte sich das positive Ergebnis weiter nach oben entwickeln. In diesem Jahr sind die Förster und die Waldwirtschaft mit dem Wetter zufrieden. Es regnete regelmäßig, was allerdings noch nicht dazu führte, die Trockenheit der Waldböden, die aufgrund der drei zuvor sehr warmen Jahre entstand, in Gänze auszugleichen. Wurde in den zurückliegenden Monaten vor allem Schadholz aus dem Wald transportiert, wird 2022 der Anteil an Frischholz deutlich steigen. Zumindest in diesem Punkt findet dann eine langsame Rückkehr zur Normalität statt. Die derzeit hohen Holzpreise will Hessenforst nicht nutzen, mehr Bäume aus dem Wald zu holen, um den Markt zu bedienen. „Einer unserer wichtigsten Grundsätze lautet Nachhaltigkeit“, betont Schmalenberg. Dieses Prinzip wolle man weiterhin in vollem Umfang einhalten. Der festgelegte Hebesatz (er regelt den maximalen Einschlag an Festmetern) werde eher noch unterboten. Damit sollen die jüngsten Entnahmemengen, die durch das viele Schadholz über dem Durchschnitt lagen, ausgeglichen werden. (Michael Just)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare