Sohn beging einen Tag zuvor wohl Suizid

Wirt Opfer eines Verbrechens

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Angehörige haben am Donnerstag den 71-jährigen Brian Paxten tot in seiner Wohnung in der Jahnstraße aufgefunden. Die Kripo ermittelt.

Eppertshausen - Brian Paxten, Wirt der Eppertshäuser Kultbar Touch Down, ist tot. Der 71-jährige wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Entdeckt haben ihn Familienangehörige, die Donnerstagnachmittag mit der Polizei in sein Wohnhaus in der Jahnstraße gingen. Von Thomas Meier 

Bereits am Mittwochabend wurde der 34-jährige Sohn des Getöteten auf der Bahnstrecke zwischen Eppertshausen und Ober-Roden von einem Zug erfasst. Er begab sich laut Staatsanwaltschaft Darmstadt „wohl in suizidaler Absicht auf den Gleiskörper“.
Ob und wie die beiden Todesfälle in Zusammenhang stehen, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Über die wollte gestern die Staatsanwaltschaft Darmstadt „keine weiteren Auskünfte“ geben, wie Staatsanwalt Jens Neubauer auf Nachfrage mitteilte. Man müsse die Ergebnisse der Leichenöffnung abwarten, vor Montag gebe es keine Stellungnahme.

In Eppertshausens Jahnstraße haben die Nachbarn des 71-jährigen Briten keinen weiteren Informationsbedarf: „Das wäre nicht passiert, hätte man den psychisch auffälligen Sohn besser verwahrt“, sagt ein Nachbar. Er, wie auch Andreas Hochheimer, der einen Onlinehandel direkt gegenüber des großen Einfamilienhauses im Gewerbemischgebiet betreibt, war Zeuge zahlreicher Vorkommnisse der längeren und jüngeren Vergangenheit. Hochheimer: „Meine Angestellten und auch ich haben mehrfach die Polizei gerufen, wenn der Sohn mal wieder gegen den Vater gewütet hat. Der war gemeingefährlich.“ Mit der Pistole sei der psychisch auffällige Mann gar die Jahnstraße rauf und runter gelaufen, habe getobt und gebrüllt. „Meine Angestellten haben das Lagertor geschlossen und die Rollos vor den Fenstern herunter gelassen“, sagt der Nachbar, der das Opfer stets als netten, ruhigen und besonnenen Mann kennengelernt habe.

Und auch ein weiterer Nachbar, Alex Ramien, sagt: „Wenn der Sohn ausrastete, musste man seine Kinder in Sicherheit bringen.“ Auch er beobachtete, wie der Unberechenbare, der beim Vater im Fertighaus eine Wohnung hatte, „mit dem Baseballschläger auf alles losging, was sich bewegte.“

Mit Gegenständen habe er nach seinem Vater geworfen, mit Werkzeugen wild herumgefuchtelt. Doch der Vater habe auch die Nachbarschaft immer wieder beschwichtigt: Der Sohn meine das nicht so, er beruhige sich bald wieder.

Auch Bürgermeister Carsten Helfmann kannte die familiären Probleme des ganz und gar untypischen Eppertshäuser Originals, wusste die Berichte in unserer Zeitung über einen waffentragenden Wüterich in der Jahnstraße vor einem knappen halben Jahr gleich richtig einzuschätzen. „Wir bekommen Mitteilung von den Behörden, wenn jemand wegen solcher Dinge für eine Zeit in Sicherheitsverwahrung genommen und die Psychiatrie nach Groß-Umstadt gebracht wird“, sagt er.

Archivbilder

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Brian Paxten kennt der Eppertshäuser Verwaltungschef schon sehr lange. Seine Sportsbar war schließlich Austragungsort einiger Tischkickerturniere von Rathausbediensteten gegen das Team der Volksbank. „Brian hatte übers Jahr sein Publikum. Aber zu einigen wichtigen Terminen im Kalender ging der ganze Ort dort ein und aus“, sagt Helfmann. An Kerb beispielsweise ist das Touch Down beliebtes Ziel nicht nur der Jugend. Und an Heiligabend nach der Christmette brummte es beim smarten Briten, der der Liebe wegen von London nach Eppertshausen zog.

Vor einem Jahr, kurz nach seinem 70. Geburtstag, berichteten wir über Paxten, den Handelskaufmann und Bierverleger aus Englands Hauptstadt, der in Eppertshausens Hauptstraße 45 eine neue Heimat und seine Fangemeinde fand. Dort führte er mit seiner Frau, mit der er zwei Söhne hatte, jahrelang zunächst die Fox-Schänke. Die hieß nicht etwa so, weil er Engländer war, sondern sie trug den Spitznamen seines Schwiegervaters. Der knatterte immer auf einer NSU-Fox durch den Ort. Vor einem Jahr sagte der Barkeeper – seit elf Jahren Witwer – er wolle noch lange nicht aufhören als Wirt: „Es macht mir Spaß“. Nun ist wohl auch Schluss mit dem Touch Down.

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